Durch die Steppe von Elista nach Astrakhan 20. – 23.05.2013

Wir verlassen Elista. Jetzt ändert sich alles sehr drastisch.
Es beginnen die grossen, weiten und endlosen Flächen des Südens. Noch hat es ab und zu Bäume, die aber immer rarer werden, um dann ganz zu verschwinden. Unser Getränke- und Essensvorräte sind aufgestockt, da die auf dieser Strecke liegenden kleinen Dörfer  grosse Distanzen auseinander liegen, wo man sich in kleinen Kaffee’s verpflegen kann. Nun fahren wir in der schier endlosen Steppe, auf langen Strassengeraden und ziemlicher Hitze. Doch der Wind hat nicht nur die negative Eigenschaft, dass er Radfahrer bremst, die die falsche Richtung fahren, sondern er hält auch die Hitze in erträglichem Rahmen. Und so machen wir am liebsten die Pausen auf dem Rad, mangels anderer Gelegenheiten!
Am ersten Tag in dieser Steppe, in einem kleinen Dorf, machen wir uns auf die Suche nach unserem Hotel, das wir bereits im Voraus gebucht haben. Das Hotel ZELT.  2 km hinter dem Dorf finden wir paar Sträucher, die uns die nötige Deckung geben unser Zelt hinzustellen. Am nächsten Tag fahren wir weiter, ohne Morgenessen, aber wohlwissend, dass in den nächsten 10-15 km eine Verpflegung Möglichkeit kommen wird. Na ja, es waren schlussendlich vier Mal mehr! Der Schreibende hat ganz einfach, falsche Informationen im Reiseplan hinterlegt! Gut haben wir genügend Proviant bei uns, so können wir uns aus der eigenen Küche verköstigen. Uebrigens: Das Hotel Zelt können wir empfehlen, und gut geschlafen haben wir auch! Auf unserer Fahrt, es geht nicht lange, hält eine vorbei fahrende Polizeipatrouille, stoppt uns, kommt zu uns, gibt uns die Hand und will allerlei wissen, über woher, wohin, wie viele km, wie lange, Gewicht der Räder, Navigation etc. Nach kurzem Gespräch, salutieren die zwei Herren und verabschieden sich. Zufrieden mit sich selber und den erhaltenen Informationen der 2 Schweizer Radfahrer.  Wir machen noch paar km, da taucht ein kleines Dorf auf, vielleicht 20 Häuser, nicht mehr. Und….es hat ein kleines Beizli am Strassenrand. Wir halten, holen 2 Bier und trinken diese, da wir beabsichtigen hier in der Nähe unser Zelt aufzurichten. Ein Anwohner kommt mit dem Töff vorbei, sieht uns und fängt mit uns ein Gespräch an. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir einen Standplatz für unser Zelt suchen. Er nimmt sein Handy, ruft den Schulhausabwart an. Die kommende Nacht ist unser Zeltplatz hinter dem Schulhaus, gesichert durch einen Zaun und nicht gesehen von der Strasse. Die Tatsache, dass hier 2 Fremde ein Zelt aufstellen wollen, macht offenbar die Rund im Dorf. Von allen Seiten strömen Kinder herbei und sehen uns gespannt bei unserem Hausbau zu. Am nächsten Morgen kommt der Schulhausabwart und auch er will wissen, wie ein Zelt abgebaut wird.

Die Schuhe müssen auch wieder mal geputzt werden!
Die Schuhe müssen auch wieder mal geputzt werden!

Weiter geht die Fahrt durch die Steppe, unentwegt Astrakhan zu. Die Steppe geht mancherorts bereits in Wüste über und wir stellen uns vor, dass hier in einigen Jahren die Steppe der Wüste Platz gemacht hat. Wir kommen vorbei an vielen kleinen Salzseen und sind nun in einer weiteren Ortschaft angelangt. Bei einem Bauern finden wir einen guten Zeltplatz, in unmittelbarer Nähe seines Hauses. Nun haben wir noch die letzten km nach Astrakhan vor uns. Nach über 320 km Steppenlandschaft kommen wir in dieser Grossstadt im Wolgadelta an. Wir buchen ein Hotelzimmer für über eine Woche, mit Blick auf die Wolga. Kasachstan ruft, am 1.06.2013 dürfen wir dort einfahren.

Fahrt nach Kalmückien 12.05. – 15.05.2013

Vor unserer Abreise aus Kropotkin lernen wir die Hotelbesitzerin kennen, eine junge Russin die in Astrakhan wohnt. Sie macht noch diverse Fotos von uns und will diese dann auf ihre Homepage stellen. Wir nehmen herzlich voneinander Abschied. Unterwegs staunen wir immer und immer wieder über die riesigen Flächen an landwirtschaftlichen Kulturen. Da sieht man riesige Rapsfelder, Getreidefelder, Gemüsefelder.  Wir fahren von Novoaleksandrovsk Richtung Krasnogvardeyskoe  als vor uns plötzlich ein junger Autofahrer aus seinem Auto steigt und uns eine Karte von sich übergibt als Andenken an ihn. Er lädt uns auch gleich zu sich nach Hause ein, um bei ihm zu Uebernachten. Wir nehmen dankend an. Am anderen morgen begleitet er uns ein bisschen des Weges mit seinem Auto. Wir wollen ihm etwas für seine Gastfreundschaft zurück geben, ihm einen Kaffee zahlen. Nein, das will er nicht! Wir verabschieden uns endgültig von Alexander, diesem herrlichen Russen. Wir kommen nun mehr und mehr Richtung Steppe. Die Bäume werden immer weniger und weniger. Wir fahren in Kalmückien ein. Kalmückien ist eine autonome Republik im Süden Russlands. Und entsprechend ist hier auch so etwas wie ein Grenzübergang, mit Kontrolle. Die Beamten halten uns an und fragen wohin wir wollen. Nach Elista ist unsere Antwort und schon können wir weiter. Nun sind wir endgültig von Steppe umgeben, die Sonne brennt, aber wir kommen gut voran. Plötzlich wird es dunkel, ein Gewitter ist im Anzug, Windböen, Regentropfen. Aber die Wetterfront verschont uns und so kommen wir trocken in Elista an.

Der goldene Tempel von Elista
Der goldene Tempel von Elista

Wir buchen ein Zimmer im Hotel Elista. Die Fahrräder können wir in der Empfangshalle deponieren, was allerdings dem Aufsichtsmann nicht passt. So bekommen unsere Fahrräder halt ein eigenes Zimmer im 1. Stock, abgeschlossen, jedoch ohne Dusche…..

Von der Ukraine nach Russland 06.05. – 11.05.2013

Die Ueberfahrt mit der Fähre von der Ukraine nach Russland, durch die Meerenge von Kerch, ist wiederum sehr bürokratisch, aber unproblematisch. [flv]http://fritz-zaugg.ch/WordPress_deutsch/wp-content/uploads/2013/05/faehre_ukraine-russland.flv[/flv]Nachdem wir uns die Tickets besorgt haben, eine Frau einer Gruppe von Motorradfahrern weist uns den Weg, stehen wir Schlange um die Zollkontrollen über uns ergehen zu lassen. Zusätzlich werden unsere Gepäckstücke von einem Scanner nach Verbotenem kontrolliert. Wir selber werden auch noch gescannt, ohne negativen Befund. Die Ueberfahrt dauert 20‘ ist also nur von kurzer Dauer. Auf der anderen Seite werden wir von der russischen Zollkontrolle in Empfang genommen. Nach eingehendster Kontrolle und x-facher Ueberprüfung sämtlicher unserer Reisedokumente und anderthalb Stunden später, kriegen wir den Stempel in die Pässe. Die Fahrt über 40 km zu unserem vorgesehenen Uebernachtungsort geht zügig voran, kein Wind, es rollt gut. Wir befinden uns jetzt exakt zwischen 2 Meeren, dem Schwarzen-und dem Asowsches Meer.
Noch wissen wir nicht, was uns in den folgenden Tagen erwarten wird.

Der ewige Wind

In den nächsten vier Tagen kämpfen wir uns durch den Wind, dieser ist so stark aufgekommen, dass wir phasenweise mit den Fahrrädern fast stillstehen. Keine Chance – Eine Reisegeschwindigkeit von 20 km/h ist ein Wunschdenken, 13 km/h die Ausnahme. Die Regel sind Geschwindigkeiten [flv]http://fritz-zaugg.ch/WordPress_deutsch/wp-content/uploads/2013/05/wind1.flv[/flv] von 7 – 11 km/h! In Slavyanks-na-Kubani können wir uns im Hotel noch registrieren lassen, Väterchen Staat will wissen, wo wir uns aufhalten im Land. Jeder einreisende Ausländer muss dies innerhalb von 7 Tagen entweder bei einer staatlichen Stelle, oder der Post oder bei eigens dafür ausgewählten Hotels tun, sonst gibt es Probleme bei der Ausreise. Unser Hotel ist ein solches Hotel, wir haben das Gefühl es sei unter staatlicher Kontrolle und wir als Gäste werden vom Hotel kontrolliert. Die Leute dort wissen immer, wo du dich aufhälst, sie wissen beim Auschecken auch bereits, dass wir am Vorabend 1 Cola von der Minibar im Zimmer bezogen haben!!

Zwischen Wahnsinn und Horror

Die Fahrt nach Krasnodar ist für uns der reinste Horror. Da ist mal der unablässige Wind, der uns sehr fordert und dann ist es der Verkehr. Es ist der reinste Wahnsinn rund um diese Grossstadt mit ihren 750‘000 Einwohnern. Es wird gerast, Auto an Auto, Lastwagen an Lastwagen und mittendrinn 2 EmmentalerIn mit den Fahrrädern. Der Lärm und der Gestank verbessern das allgemeine Wohlbefinden auch nicht unbedingt.

Wir sind mittlerweile in der Stadt Kropotkin angekommen, wo wir uns während einem Tag ein wenig regenerieren wollen. Und, ach ja, der km Stand beträgt nun auch schon 2‘320.

Halbinsel Krim, Schwarzes Meer 29.04. – 03.05.2013

Wir durchradeln Krim, entgegen unseren ursprünglichen Plänen nicht via Jalta, sondern nehmen die etwas kürzere, aber vor allem flachere Variante Richtung Feodosiia. Wir sind zeitlich günstig dran und wollen in diesem Ort am schwarzen Meer 2 Tage bleiben. Hier angekommen suchen wir nach einem geeigneten Hotel. Das erste Hotel, ein grosser Bau, weist uns wieder weg, mit der Begründung, es sei alles besetzt. Wer’s glaubt!  Die neue Saison hat noch gar nicht angefangen, entsprechend sind die Parkplätze vor dem Hause fast alle leer. Die wollen uns einfach nicht, kein Interesse an Personen mit Fahrrädern! No money! Also halt, so nehmen wir uns eine andere Unterkunft.  Wir geniessen die Tage in Feodosiia mit der schönen Strandpromenade und vielen Ständen und interessanten Beizli.

[flv]http://fritz-zaugg.ch/WordPress_deutsch/wp-content/uploads/2013/05/1.flv[/flv]
1. Mai Feier in Feodosiia

Die Fahrt nach Kerch ca. 100 km wollen wir nicht an einem Stück bewältigen, sondern machen nach 13 km  Halt in Prymors’kyi. Dies, weil hier das letzte Hotel vor Kerch zu finden ist! So müssen wir am nächsten Tag 87 km radeln, bevor wir das letzte Etappenziel in der Ukraine erreichen.

Da gemäss Wettervorhersage uns wieder heftiger Gegenwind droht, starten wir bereits um sechs Uhr des darauf folgenden Morgen. Wir sind gut beraten, der Wind schläft noch und wir sind putzmunter. Nach dem Kaffehalt an der Tankstelle des Dorfes nehmen wir  die Strecke unter die Räder. Wir kommen auch gut voran, aber leider hat der Wind Lunte gerochen und holt uns ab.
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unterwegs

So ab 40 km ist er voll da, setzt sich unserem Vorhaben voll entgegen. Ab trotzdem haben wir Kerch erreicht, wo wir wiederum gut 2 Tage bleiben werden, bevor wir am 6. Mai mit der Fähre nach Russland rüber setzen.

Und sollten wir jemals an der Freundlichkeit der Ukrainer gezweifelt haben, so werden wir heute eines Besseren belehrt. Unser vor 3 Tagen gebuchtes Hotel zu finden ist nicht einfach. Wir haben zwar die Adresse notiert, aber dies nützt nichts. Die Strassen selber sind nur in kyrillischer Schrift angeschrieben. Die dritte Person fragen wir bereits nach dem Hotel, nachdem wir vorher nur Achselzucken als Antwort bekommen haben. Auch dieser Person nennen wir Namen und Adresse unserer gebuchten Unterkunft: keine Ahnung! Da zeigen wir dem guten Mann die Hotelbestätigung in ukrainischer Schrift, plötzlich versteht er unser Anliegen und sagt, dass wir ihm folgen sollen. Er führt uns direkt vor das Hotel. Ist übrigens auch nur kyrillisch angeschrieben….
Wir freuen uns nun auf 2 Tage Kerch und warten gespannt auf Russland!