Von Kyzylorda via Hölle nach Shimkent 23.06. – 30.06.2013

Wir verlassen Kyzylorda mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Uns hat es hier ausgezeichnet gefallen, aber unsere Reise geht weiter. Kyzylorda ist eine schöne und saubere Stadt auch wenn sehr heiss. Uns wurde gesagt, dass hier die wärmste Gegend von ganz Kasachstan sei. Was wir bei der Abfahrt noch nicht wissen: Wir werden dies noch mit eigenem Leib erfahren. Der Wind ist mässig, die ersten paar Kilometer gegen uns, später hilft er uns trotz der Hitze ein gutes Tempo vorzulegen. Wir schwitzen, und wir trinken, nein, wir saufen Wasser wie Kühe! Die Sonne brennt unbarmherzig auf uns nieder. Die Erde hier ist braun, eine Halbwüste mit ab und zu paar Steppengräsern und Schatten gibt es praktisch nirgends. Wir leiden! Unterwegs kreuzen wir ein kleines Bächlein, mit paar Bäumen, dort halten wir im Schatten und setzen uns auf eine Bank. Wie ist dies wohltuend! Lastwagenchauffeure stoppen auch hier, ziehen die Klamotten aus und stürzen sich ins (kühlende?) schmutzige Nass. Sie erzählen uns, dass die Luft Temperatur 50 Grad Celsius betrage! Wir beide wissen, dass es sehr heiss ist, aber 50 Grad wollen wir ihnen doch nicht so recht glauben. Später kommen wir an einem Cafe vorbei, wir gehen hinein, hinein in den kühlenden Schatten und saufen weiter! Unser Schweiss tropft nicht, nein er fliesst in Bächen an unseren Körpern runter. Wir können uns kaum regenerieren. Eingangs Shieli werden wir von paar Kasachen eingeladen mit ihnen Bier zu trinken, was wir auch gerne machen, nach über 130 km Fahrt in dieser Hitze draussen. Wir werden diese Nacht in diesem Dorf verbringen. Die Kasachen erzählen uns, dass heute eine Temperatur von 50 Grad herrschte! So glauben wir’s denn, wir wissen einzig, es war unmenschlich heiss! Schlussendlich führen uns zwei Kasachen mit Auto und Warnblinker zu einem Hotel und verabschieden sich. Wir schlafen gut und starten am nächsten Morgen zeitig. Heute ist eine Kurzetappe angesagt, das Hotel kennen wir bereits. Wir haben guten Rückenwind, der bläst uns förmlich dem Ziel entgegen. Im Etappenort, das Hotel ist leider geschlossen, sieht ein Kasache zwei Hotel suchende Schweizer, er fährt mit seinem Auto vorneweg und bringt uns zu einer Unterkunft. Es ist um die Mittagszeit, heute können wir unsere Batterien aufladen. Am nächsten Morgen fahren wir bei Gegenwind los, der später in Rückenwind übergeht. Ich habe müde Beine, fühle keine Kraft. Was ist los? Bei einem Cafe halten wir und bestellen etwas zu essen. Ich bringe keinen Bissen herunter. Plötzlich ist für mich Rennen angesagt. Nun hat’s mich erwischt, mein Magen-Darmsystem funktioniert nicht mehr wie es sollte! Wir fahren weiter, bei einer Raststätte halten wir, um uns ein wenig auszuruhen. Ich bin kaputt, möchte mich auf der Bank ausstrecken, aber da sind zwei Transportbeamte die diesen in Beschlag nehmen. Wieder ist für  mich Sprinten angesagt! Wir fahren weiter, Elisabeth übernimmt die Führung, ich vermag ihr nicht zu folgen, sie ist zu schnell! Irgendwie schaffen wir es doch noch bis Türkistan, unser vermeintliches Hotel ist besetzt! Auch das noch. Wir diskutieren, da hält ein Mann und lädt uns zu sich nach Hause ein. P1010061Wir verbringen einen ganz schönen Abend im Kreise seiner Familie.

Hier spüren wir zu x-ten Mal die Herzlichkeit der Kasachen. Die Nacht war für den Schreibenden nicht so toll….! Eigentlich wollten wir nur einen Tag in diesem Ort verbringen, aber mein aktueller Zustand erlaubt eine sofortige Weiterfahrt nicht. So wechseln wir in ein Hotel und warten 2 Tage bis sich meine Verdauungsschläuche regeneriert haben. Endlich können wir weiter, ich fühle mich wieder wohl und die Batterie ist auch wieder aufgeladen. Leider will das Wetter heute nicht mitmachen, haben starke Gegenwinde, und graue dunkle Wolken bedecken den Himmel. Regentropfen fallen, nicht stark, so dass wir kein Tenue Wechsel vornehmen müssen. Seit längerer Zeit können wir auf der neu gebauten Strasse fahren, die noch gesperrt ist. So sind wir fern vom anderen Strassenverkehr, der doch, je näher wir Shymkent kommen, je stärker wird. Auch die Vegetation wird sichtlich, immer grüner. Endlich kommen wir in einem Cafe vorbei, das leicht versteckt hinter Bäumen liegt. Wir essen dort etwas, die Frau holt zusätzlich frische kleine Gurken und Salz und spendiert diese uns. Die Weiterfahrt wird plötzlich ein Wettrennen gegen ein sich abzeichnendes Gewitter. Es blitzt, und Donner grollen bereits in einiger Entfernung, der Wind bläst sehr stark. Da, ein Feldweg geht rechts ab, wir nehmen diesen, nach 200 m treffen wir einen Bauern, den wir um Erlaubnis fragen das Zelt zu stellen. Dürfen wir. Das Zelt runter vom Velo, Zelt aufstellen, Gepäck rein und schon seicht, Entschuldigung, regnet es was das Zeug hält. Ein heftiges Gewitter hat uns entdeckt und will seinen Spass an uns haben! Die Fahrräder schmeissen wir in die Büsche, rein ins Zelt. Wir sind beide pudelnass! Eine halbe Stunde später begrüsst uns die Abendsonne lachend vom Himmel……Wir kriechen aus dem Zelt, essen die heute erstandene Honigmelone und geniessen den Sonnenuntergang. Diesmal gibt es halt kein Bier! Wir erleben eine turbulente Nacht. Ein Gewitter jagt das andere, rings um unser Zelt wird gerumpelt und geblitzt und es regnet zwischendurch in Strömen. Dies geht die ganze Nacht so. Am Morgen bleiben wir im Zelt liegen, so können und wollen wir nicht fahren. Der Himmel schwarz, nur eine Frage der Zeit bis es wieder losgeht. Doch es kommt anders, der Himmel hellt auf, wir stehen auf, brechen unser Zelt ab und weiter geht unsere Fahrt. Zuerst über Baustellenstrassen ohne Belag, im Dreck versaufen wir fast, brauchen alle unsere Kräfte zum Pedalen. Ja nicht vom Fahrrad steigen wenn möglich, ist unsere Devise, nur nicht die Schuhe und Füsse in diesen Schlamm stecken. Dies gelingt uns auch, obschon der starke motorisierte Verkehr, uns vielfach fast dazu zwingt. Heute haben wir 85 km vor uns bis Shymkent, aber in Anbetracht der widerlichen Umstände verwerfen wir diesen Plan rasch. Wir haben genügend Zeit und werden halt für diese Distanz 2 Tage machen. Unterwegs kommen wir in einem kleinen Dorf vorbei, hier ist Basar. Wir halten an, gehen in ein Gartenrestaurant und essen auf dem Grill gebratenen, frischen Fisch vom nahen See. DER war echt super! Wir bleiben lange sitzen bevor wir unsere Fahrt wieder aufnehmen. In Temirlan suchen wir ein Hotel, es hat keines. Ein Mann lädt uns zu sich nach Hause ein, wir können das Zelt bei ihm stellen. Plötzlich müssen wir uns wieder beeilen, die ersten Gewitterregentropfen fallen bereits. Aber diesmal sind WIR schneller als das Gewitter. Das Zelt ist gestellt, alles im Trockenen und wir trinken bereits von der Frau uns eiligst hergebrachten Kaffee. Später bringt sie uns noch frische Pflaumen vom Baum und bevor wir uns Schlafen legen wollen, bekocht sie uns noch mit Hirse und Spiegeleier, dazu Fladenbrot und eine Arte Pflaumensirup. Wir sind gesättigt und legen uns Schlafen. In der Nacht fällt nochmals ein wenig Regen und am Morgen weckt uns die Sonne. Wir dürfen noch einen Kaffee und soeben frisch gemachtes Fladenbrot köstigen, bevor wir die paar restlichen Kilometer unter die Räder nehmen. Unser Abschied ist äusserst herzlich. Eingangs Shymkent fragen wir einen Garagisten, ob wir unsere Velos mit dem Hochdruckreiniger waschen dürfen. Dürfen wir, aber zahlen dürfen wir nicht. Es gibt uns noch einen Tipp für ein gutes Hotel, das wir auch ansteuern. Das Hotel ist prima, freundliches Personal, hier lässt es sich wohnen. Da wir zeitlich sehr gut unterwegs sind, erlauben wir uns paar Tage hier zu verweilen, bevor wir die restlichen 450 km Kasachstan unter die Räder nehmen werden.

Im Glutofen um Aral 18.06. – 20.06.13

Fluchtartig verlassen wir die Absteige in Aral und wollen uns noch Proviant zulegen für die Weiterfahrt. Leider öffnen hier die Läden erst um 10 Uhr. Wir wollen nicht warten und fahren. Ende des Dorfes finden wir doch noch ein Lädeli, das bereits geöffnet hat. Das Müetti dort hat ihre helle Freude was sie uns verkaufen darf.

Und da ist es soweit: Wir treffen den ersten Reiseradler auf unserer Tour. Wir unterhalten uns längere Zeit zusammen.
Asuka kommt von Japan, ist durch China, Kirgistan gefahren und durchquert jetzt Kasachstan. Weiter fährt er bis Holland,

Asuka aus Japan fährt durch Asien, Europa und will die USA durchqueren
Asuka aus Japan fährt durch Asien, Europa und will die USA durchqueren

nimmt dort ein Flugzeug und fliegt nach New York. Dann traversiert er Amerika und von Kalifornien fliegt er dann wieder in sein Heimatland zurück.

Auf unserer Weiterfahrt, die Landschaft hier hat sich längst zur Halbwüste verwandelt, lädt uns in einem Dorf ein Mann zu sich nach Hause ein, was wir dankend annehmen. Wir können seine Freiland Douche benützen was wir auch gerne machen. Danach serviert er uns zu Essen und wir dürfen (müssen) mit ihm noch Wodka saufen. Nicht zu viel…..wir sollten ja noch weiter! Die Weiterfahrt ist trostlos, nur noch Sand mit einzelnen Gräsern, blauer Himmel und eine unerbittlich brennende Sonne, mit über 40 Grad im Schatten. (wenn es denn solcher hätte!) Nach vielen Kilometern finden wir wieder einmal ein Cafe vor, dieses besuchen wir auch und verpflegen uns. Wir warten im kühlen Innern des Hauses auf eine spätere Weiterfahrt zum Suchen eines Zeltstandplatzes. Diesen finden wir auch, wir stellen das Zelt und geniessen unter freiem Himmel unsere Nachtruhe.

Nachtidylle im Zelt unter freiem Himmel
Nachtidylle im Zelt unter freiem Himmel

Unsere Fahrt geht immer weiter Richtung Süden Kasachstans. Wir sind nun bereits in der Nähe des russischen Raumfahrtzentrum Baikonur.

Nachträgliche Ergänzung:

Am Dienstag  02.07.13 ist eine russische Proton-M-Trägerrakete wenige Sekunden nach dem Start über dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan explodiert. Wir haben davon nichts bemerkt, also ist sie uns nicht auf unsere Köpfe gefallen. Soweit die Ergänzung.

In einem Cafe von Toreham machen wir Pause. Wir sind offenbar hier die Attraktion. Alle vorbeikommenden Leute wollen uns sprechen, inspizieren unserer Fahrräder und lassen sich auf unserer Kasachstankarte den Verlauf der Reiseroute erklären. Die meisten Leute hier haben offenbar noch NIE eine solche Karte gesehen und können diese auch gar nicht interpretieren.

2 Chauffeure wollen uns mit dem Lastwagen mitnehmen bis Shimkent, was wir dankend ablehnen. Nachdem sie uns erklären, dass auf den nächsten 250 km die Strassen neu gemacht werden und die Ersatzstrassen auf Sandpisten verlaufen, entschliessen wir uns, mit ihnen bis zur Ende der Baustelle mitzureisen. Was sich nachträglich als weiser Entscheid entpuppt. Die Ersatzpisten wären für uns mit den Fahrrädern zu 80 Prozent nicht fahrbar.  Das meiste ist loser Sand.
So werden die Fahrräder samt Gepäck kurzerhand auf den Lastwagen verladen, inmitten von gekühlten Güggeli! Der vor Ort anwesende Kontrolleur hat nicht sonderlich Freude daran, aber die Chauffeure erklären ihm, dass wir Touristen sind und wir unbedingt eine Mitfahrgelegenheit bräuchten. So willigt er doch ein, der Lastwagen wird versiegelt!!und es kann losgehen. Die Versiegelung weist sich später beim Ausladen der Fahrräder als kein Problem, diese wird kurzerhand aufgeschnitten und nach Entlad unseres Hab und Gut einfach wieder chauffeurtrickmässig montiert!

Wir starten um 18 Uhr mit den Beiden im LKW und kommen 250 km und über 7 Stunden später, (ohne Pause!) um etwas nach 01.00 Uhr in Kyzylorda an. Wir verabschieden uns von den netten Chauffeuren und fahren noch 8 km ins Zentrum der Stadt. Was machen den zwei Emmentaler um diese Zeit, mit den Velos, in einer fremden Stadt auf der Strasse. Sie suchen ein Hotel. Dies gelingt auch problemlos. Die Fahrt in die Stadt wir zur regelrechten Triumpffahrt. Es herrscht noch viel Verkehr, die Autofahrer hupen als Begrüssung, sie halten uns an, wollen mit uns sprechen. Im Hotel werden wir freundlich empfangen, man hilft uns das Gepäck ins Zimmer bringen, wir fühlen uns sogleich sehr wohl hier und werden 3 Tage bleiben und uns erholen von den Strapazen der letzten Tage.

Begegnungen in der Steppe 12.06. – 17.06.2013

von Aqtöbe nach Aral 

Die zwei Orte Aqtöbe und Aral werden durch eine neue Strasse verbunden, die quer durch die Steppe führt. Seit 4 Jahren wird an dieser Strasse gebaut, sie wird in diesem Jahr fertig gestellt sein. Wir haben Glück, die Bauarbeiten sind vor Aral angelangt und wir müssen nur noch paar km die alte Piste benutzen.

Während die ersten 100 km der Landschaft noch von Getreidebau geprägt ist, (das längste von uns gemessene Feld ist exakt 5 km lang!) geht die Landschaft bald in Steppe und bis Aral zur Halbwüste über. Wir sind erstaunt, dass wir von Zeit zu Zeit immer wieder Pferde und Rinder sehen, aber in der endlosen Weite nirgends eine Farm erblicken und können uns auch nicht erklären, von was diese Tiere leben. Da ist ja nichts. Was wir sehr viel zu Gesicht bekommen sind Murmeltiere ähnlich den unseren, ein bisschen kleiner und natürlich die Kamele.

Unsere Fahrt durch die wirklich schier endlose Steppe Kasachstans ist gleichzeitig verbunden mit der Herzlichkeit der ländlichen Bevölkerung. Immer und immer dürfen wir diese erleben. Und…..je weiter wir gegen Süden und Osten vordringen, je herzlicher werden die Leute.

So sind wir am ersten Tag in einem Cafe und nehmen das Mittagessen ein, welches und prompt von Kasachen offeriert wird. Am nächsten Tag starten wir bereits um 06.15 Uhr im Wissen, dass wir heute eine Distanz von 130 km zurück legen werden, um eine Unterkunft zu finden. Wir haben günstigen Wind und kommen auch schnell voran. Unterwegs stoppen uns zwei Polizisten und wollen sich einfach ein bisschen mit uns unterhalten. Heute herrscht eine Glutofenhitze 40 Grad und mehr, die uns aber einigermassen erträglich erscheint, da ja der Steppenwind Gesellschaft leistet. Heute mal nicht schlechte…. ! Kurz vor Karabutak, der Ortschaft wo wir zu übernachten gedenken, hält ein Toyotafahrer an uns will uns mit seinem Gefährt mitnehmen, was wir dankend ablehnen. Unsere Unterkunft, die wir beziehen wollen, finden wir nicht, weil es sie schlicht und einfach nicht mehr gibt, wegen der neuen Strasse überflüssig geworden ist. So gehen wir in ein dortiges Restaurant, essen etwas und fragen um eine Uebernachtungsmöglichkeit. Es gibt keine! Also fahren wir weiter, im Wissen, dass nach weiteren 55 km ein Cafe kommen wird. Das Restaurant aber steht aus dem gleichen Grunde nicht mehr. Also werden wir das Zelt aufstellen, nach paar Kilometer finden wir ein geschütztes Plätzchen, hier verbringen wir die Nacht, nach genau 190 km Fahrt. Das war jetzt doch ein bisschen zu viel des Guten, finden wir.

Obschon wir unseres Erachtens immer genügend Proviant und Trinken mit uns mitführen, kommen wir am nach folgendenTag in eine Wasserknappheit. Es ist heiss, es braucht Flüssigkeit, viel Flüssigkeit und die meisten in unserer Planung zur Versorgung aufgeführten Restaurants gibt es nicht mehr und genau mit diesen haben wir aber gerechnet! So halten wir in der drohenden Not einen Lastwagen an, der liebenswürdige Chauffeur gibt uns Wasser, notabene gratis! Irgendwo in der Steppe stellen wir unser Zelt auf und schlafen friedlich ein. Doch in der Nacht kommt der Steppenwind zurück. Und wie! Wir schlafen kaum noch, am Morgen gelingt es uns fast nicht, das Zelt abzubrechen. So fahren wir los, wir strampeln uns mit aller Mühe gegen den Wind. Alle paar Kilometer halten wir an und essen was, damit die Kräfte reichen. Nach 42 km, endlich kommt wieder mal ein Restaurant, gehen wir in diesem etwas Essen. Teigwaren und 3 Spiegeleier, damit wir von dem uns nicht sonderlich geliebten Schaffleisch Abstand nehmen können. Ich bestelle das Gleiche noch ein zweites Mal, auch diese Portion (fr)essen wir. In letzter Zeit haben wir die grösste Mühe, uns die notwendige Energie zuzuführen! Wir glauben, die Nahrungsmittel- insbesondere Schokoladeriegelindustrie konnten in den letzten Monaten wegen uns, ihre Umsätze gewaltig steigern…!

Da der böige Wind uns ein Weiterfahren nicht schmackhaft macht, bleiben wir über Nacht im Restaurant, das uns ein Zimmer zur Verfügung stellt.

Am nächsten Morgen fahren wir bereits um 6 Uhr los. Wir haben noch gut 200 km bis Aral vor uns, diese wollen wir nach Möglichkeit in zwei Tagen schaffen. Im ersten auftauchenden Restaurant nach 55 km Fahrt, nehmen wir unser Morgenessen ein. Wir machen nicht lange Rast und fahren weiter, bis uns ein Lastwagenchauffeur auf der anderen Strassenseite stoppt.  Er stellt uns die obligaten Fragen, steigt auf seinen Brummi und holt eine riesige Wassermelone hervor. Er will diese uns mitgeben, wir aber haben keinen Platz. So essen wir sie halt hier, notabende auf der Strasse, mitten in der Steppe unter glühender Sonne! So eine GUTE Melone, haben wir wohl noch nie gehabt, wie die schmeckt……! Plötzlich hält ein Geländewohnmobil an, Manuela und Rudolf aus Deutschland, die längere Zeit per Wohnmobil unterwegs sind. So können wir uns wieder mal in Deutsch in einem interessanten Gespräch unterhalten. Wir verabschieden uns von den Chauffeuren und den beiden Deuschen und fahren noch etliche Kilometer bis wir einen geeigneten Standplatz für unser Zelt finden. Hoffentlich geht der Wind auch mal schlafen diese Nacht. Das tut er tatsächlich! So nebenbei haben wir heute noch die 4. Zeitzone seit unserer Abreise überfahren, wir sind jetzt der Schweiz bereits 4 Stunden im Voraus. Am sechsten und geplanten Ankunftstag in Aral haben wir auch wieder unseren lieben Kollegen Wind bei respektive gegen uns. Nach 35 km härtester Arbeit, gehen wir in ein Restaurant und essen was. Nach dieser Energiezufuhr fahren wir weiter, bei nicht mehr so starkem Gegenwind. 3 Autofahrer überholen uns, halten an, machen Fotos und geben uns ein Flässchen Dizzy-Energie Trink. Die Flasche ist schnell leer, ob unsere Fahrt nachher schneller war, ist dem Schreibenden mangels Vergleichsmöglichkeit nicht bekannt! Kurz vor Aral werden wir von Strassenbauarbeitern gestoppt, alle legen die Arbeit nieder und wollen mit uns sprechen. Aus allen Ecken und Löchern kommen sie zu uns gerannt! Wir kommen auf der alten Strasse in Aral an, einem heruntergekommenen Fischerdorf. Die Blüte dieses Ortes ist längst vorbei, seit der Aralsee sich zurückgezogen hat.
Der Aralsee respektive was von ihm übrig geblieben ist, ist eine Umweltkatastrophe sondergleichen.

Hier war mal ein See....
Hier war mal ein See….

In dem einzigen Hotel, zutreffender ist der Ausdruck „Absteige!“ buchen wir für eine Nacht und wir wollten doch ursprünglich hier 2 oder 3 Tage bleiben.

Mit dem Zug von Atyrau nach Aqtöbe 08.06. – 09.06.2013

Nach diversen Warnungen und Abraten von Personen vor Ort, die Strecke Atyrau-Aqtöbe mit dem Fahrrad zurück zu legen, haben wir uns entschlossen diesen Teil mit dem Zug zu bewältigen. Die Strassenverbindung zwischen diesen zwei Orten ist nur auf 100 km einigermassen normal, der Rest sind Sandpisten bestehend aus Löchern, Fahrrinnen und Sandwällen. Diese Tatsachen wussten wir schon bei unserer Planung, aber offenbar ist der Zustand der Pisten im Moment so schlecht, dass wir uns auf ein Experiment erst gar nicht einlassen wollen!

So buchen wir uns 2 Zugtickets zu einem Preis von nicht mal CHF 19.00! (für beide!). Die Mehrheit unseres Gepäcks und die Fahrräder geben wir schon 2 Tage vor unserer Abreise für den Versand auf, aber gemäss dem Bahnpersonal sollen diese erst 2 Tage nach unserer Ankunft in Aktöbe ankommen!

Am Samstag um 18.40 Uhr geht’s los. Wir sitzen im Zug, dieser fährt ratternd aus dem Bahnhof in Atyrau raus. Es rumpelt und quietscht und schüttelt obschon die ersten Kilometer nur mit ca. 30 bis 40 Stundenkilometer gefahren werden. Später liegt immerhin eine Reisegeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern vor. Die Sitzbänke im Zug tragen das ihre dazu bei, dass es uns während der Fahrt nicht zu allzu gemütlich wird.

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Der Zug ist voll besetzt, alle starren uns an und denken wohl, was denn die 2 Fremdlinge hier zu suchen haben. Unser Sitznachbar fragt uns, ob wir denn wirklich nach Aqtöbe wollen?! Ja, das wollen wir tatsächlich.

Es dauert nicht lange, da verteilt der Zugbegleiter jeder Person ein Frottiertuch, ein Kopfkissenüberzug, ein Matratzenüberzug und ein Tuch um sich zu decken, falls man kalt haben sollte. bahn_02Emsig werden von allen Mitfahrenden bereit liegende kleine Matratzen auf den Sitzbänken ausgebreitet, die Kopfkissen und Matratzen angezogen. Als nächstes stürzen sich alle auf die Toilette und machen sich klar für die Nacht. Es dauert wohl keine halbe Stunde ist in unserem Wagon alles am Liegen. Also machen wir dieses Prozedere auch. Die Nacht dauert ziemlich lange, es gelingt uns ab und zu ein Auge zuzudrücken. Nach  fünf oder sechs Stunden Fahrt, hält der Zug in einer kleinen Ortschaft, hier ist Basar. Alle rennen aus dem Wagen und gehen Einkaufen. bahn_03Nach einer halben Stunde geht die Fahrt weiter, durch die Steppe Kasachstan, Aqtöbe zu. Gegen halb elf am Morgen erreichen wir unseren Zielbahnhof. Wir gehen bei der Gepäckausgabe vorbei um zu schauen, ob unsere Velos evtl. bereits hier sind. Sind sie natürlich nicht, wir sollen morgen wieder kommen. Dies werden wir machen, obschon das Gepäck aller voraus Sicht nach erst am Dienstag ankommen wird. Wir buchen ein Hotelzimmer in der Nähe des Bahnhofs, machen uns frisch und gehen getreu unseren Gepflogenheiten, nach zurück gelegten Etappen, ein Bier trinken.

Also warten wir……auf unsere Velos!

Am darauf folgenden Tag, gehen wir beim Bahnhof vorbei, unsere Fahrräder sind natürlich nicht da. Also warten wir noch einen Tag und gehen nochmals nachschauen. Und siehe da, alle unsere Gepäckstücke inkl. Fahrräder sind eingetroffen und es fehlt nichts. Alles ist unbeschädigt, was wollen wir mehr. Elisabeth und ich schauen einander an, ein grosses Aufatmen von uns Beiden folgt. Wir fühlten uns seit Aufgabe des Gepäcks, nie so wohl, wie gerade in diesem Augenblick!

Nun machen wir noch unsere Räder startklar für morgen, morgen geht’s weiter durch die Steppe Richtung Aral.

Zwischen Oelfeldern, Kamelen und Gewittern 31.05. – 04.06.2013

Von Astrakhan nach Atyrau
Endlich können wir weiter, unser Warten auf die Einreise nach Kasachstan hat ein Ende. Wir schreiben den 31.05.13. Heute beabsichtigen wir so nahe wie möglich an die Grenze zu fahren, um am nächst folgenden Tag frühzeitig die Grenzformalitäten abwickeln zu können. Wir kommen an weitläufigen Sumpfgebieten vorbei, dabei werden wir von Millionen von kleinen Fliegen attackiert. Es ist kaum zum Aushalten, aber Gott sei Dank haben wir hier vorgesorgt. Wir legen unsere Mückennetze über den Kopf, so bleiben wir wenigstens dort geschützt. In Krasny-Yar nach gut 40 km finden wir ein Hotel, wo wir auch gleich die Nacht verbringen. Bei solchen Verhältnissen zu Zelten macht keinen Spass, was bei einer Weiterfahrt unweigerlich der Fall gewesen wäre.

Am folgenden Morgen stehen wir frühzeitig auf, denn mit Uebertritt über die Grenze, fahren wir auch in eine neue Zeitzone rein. (CH Sommerzeit plus 3 Stunden.) Bald sind wir an der Grenze, die Grenzformalitäten werden äusserst speditiv und ohne Probleme erledigt. Wir können weiterfahren, nun sind wir gespannt, was uns das neue riesige Land in den kommenden Wochen bieten wird.

In Ganyushkino machen wir halt und beschliessen wegen der Mücken hier in einem Hotel unser Nachtlager zu beziehen und auf das Zelten zu verzichten. Auch das Wetter verschlechtert sich zusehends, es ist eine Gewitterfront im Anmarsch. Im Hotel gegenüberliegenden Kaffee nehmen wir unser Abendessen ein, als es draussen los geht. Es wir finster, fast wie die Nacht, Donner grollen und Blitze zucken. Es fängt an zu regnen, der Wind peitscht den mittlerweile sintflutartigen Regen fast waagrecht an die Hausfront. Plötzlich ist es noch finsterer, der Strom ist weg. Wir bleiben im Kaffee sitzen und schauen dem Naturschauspiel zu. Wir sind froh über unseren Entscheid, die Nacht im Hotel zu verbringen. Noch wissen wir nicht, was  uns im Hotel erwarten sollte….

Zurück im Hotel, wir öffnen unsere Zimmer Tür, kommt uns gleich Wasser entgegen. Der ganze Boden ist unter einer Wasserschicht, das Wasser ist via Entlüftungskanal eingedrungen. Gott sei Dank und nur zufällig, sind alle unsere Sachen nicht beschädigt worden. Wir beziehen ein anderes, ….trockenes Zimmer.
Auch der Strom kommt wieder zurück, nach über 2 Stunden!

Auf unserer Weiterfahrt und immer noch am Verarbeiten der gestrigen Ereignisse, fahren wir an Kamel- Pferde- Rinderherden und an weitläufigen Oelfeldern vorbei. Schon droht uns das nächste Gewitter. Vor uns türmen sich schwere Gewitterwolken, wir hören schon Donner und Blitze zucken. Ein plötzlich, abseits der Strasse auftauchendes Gebäude suchen wir auf und suchen dort in einer Bauruine Schutz vor dem Gewitter. Nach zwei Stunden Warten, ohne Regen, der Himmel hat sich wieder ein wenig aufgehellt, fahren wir weiter. In Zhanbay, einem paar Häuser Dorf, können wir hinter einem geschlossenen Restaurant mitten unter Kamelen und Rindern unser Zelt aufschlagen. Wir sehen und spüren am klebrigen Boden an, dass hier heute ein Gewitterregen niederging.  Die Kamele halten sich um unser Zelt auf und brüllen unaufhörlich.


Wir sind noch nicht lange in unseren Schlafsäcken, schon geht es wieder los. Wie aus dem Nichts, fängt der Wind an über die Steppe zu fegen, immer heftiger. Wir fürchten um unser Zelt und dessen Inhalt! Wir gehen nochmals nach draussen, es regnet schon leicht, und schlagen die Heringe noch tiefer in den Boden. Die nächste halbe Stunde haben wir nichts mehr zu lachen, nur eine Frage quält uns: hält das Zelt oder werden wir weggefegt. Das Zelt hält……

Auf unserer Weiterfahrt, die Fliegen sind jetzt nicht mehr unsere Begleiter, die Kamele treffen wir auch nicht mehr an und die Oelfelder sind auch verschwunden. Nur die Gewitter sind geblieben. Vor uns ist schon wieder eine bedrohliche Gewitterwand und wir hätten noch 30 km bis Atyrau zu fahren. In einem Restaurant in der Steppe draussen kehren wir ein und nehmen Essen und Trinken zu uns. Sollen wir es wagen, weiter zu fahren und ins Verderben, sprich ins Gewitter rein zu trudeln, oder wie weiter? Wir fragen im Restaurant, ob es denn hier eine Schlafgelegenheit gäbe. Nein, aber wir könnten, falls es und diene, im Schlafraum des Personals auf dem Boden schlafen. Was wir auch tun. Mätteli auf den Boden, Schlafsack drauf und wir rein. Das Gewitter kommt, das findet aber draussen statt! Am nächsten Morgen werden wir vom Personal herzlich verabschiedet. Uns bleiben noch die 30 km bis Atyrau. Diese nehmen wir bei heftigstem Gegenwind in Angriff, was uns aber nicht beeindruckt! Wir sind unbeschadet durch 3 Gewittertage gekommen, was soll uns denn da noch beeindrucken? Der Gegenwind schon gar nicht! Oder doch….? Wir fahren über den Fluss Ural in Atyrau, der Grenze Europa zu Asien. Atyrau ist eine aufstrebende Industriestadt (Oel) im Westen von Kasachstan. Die Preise hier sind auch entsprechend!  Auf der Asienseite beziehen wir ein Hotelzimmer und bleiben hier 2 oder 3 Tage. Am 6.06. feiern wir zusammen noch Elisabeth’s Geburtstag. Für einmal unter anderen Vorzeichen…..