Taklamakan Wüste 12.08. – 22.08.2013

Nun geht also unsere Reise weiter auf der nördlichen Seidenstrasse, welche am Rande der  Taklamakan Wüste verläuft,durch die autonome Provinz Xinjiang. Diese Wüste ist eine der Grossen dieser Erde. Der Name bedeutet etwa, „du gehst hinein, aber du kommst nie wieder hinaus“. Dies sind Aussichten für unsere weitere Reise…..! Nun, ein bisschen Hoffnung besteht für uns doch noch, wir fahren ja nicht mitten durch diese Wüste! Wir wollen in  zwei Wochen die über tausend km entfernte Oasenstadt Korla erreichen. Ab Aksu ist eine neue Autobahn die wir trotz Fahrrad- Fahrverbot befahren. Wie wir erst später bemerken, können wir gar nicht anders, da die alte Strasse zum Teil gar nicht mehr vorhanden ist. Ab und zu kommen wir in kleinen oder grösseren Oasenortschaften vorbei, um dann wieder hundert km in der Einöde zu strampeln.

Die Fahrt durch die Wüste ist temperaturmässig nicht so schlimm, wie wir es uns vorgestellt haben. Der Himmel ist am Morgen vielfach bedeckt, manchmal wissen wir nicht recht, sind es nun Wolken, ist es Sandstaub oder ist es Smog. Vermutlich von allem ein wenig. Nachmittags scheint öfters die Sonne und da wird es uns schon ziemlich heiss. Aber nicht zu vergleichen mit der Hitze in Kasachstan. Der Wind ist allgegenwärtig und bläst ausschliesslich von Ost nach West, also uns nicht eben freundlich gesinnt.  Am Morgen bläst er in der Regel schwächer, um die Mittagszeit sehr stark um im Laufe des Nachmittags wieder nachzulassen. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Die eine Nacht haben wir Sturmwind, die Sorge um unser Zelt wächst, aber es geht gut aus. Der Wind hält auch den nächsten Tag an. Zwei Mal bläst es uns tatsächlich von den Fahrrädern. Wir können nicht mehr fahren, wir müssen während einer gewissen Zeit die Velos schieben!

Die Ankunft in Schiger ist für uns beeindruckend. Die Ortschaft wurde fast gänzlich von einem Erdbeben im 2011 zerstört. Wir sehen die zum Teil noch liegenden Häuserruinen und der neu aufgebaute Ortsteil. Der dortige Polizist weist uns zu einem Hotel, geht mit paar Berufskollegen und uns Mittagessen. Unser Essen und die Getränke berappt er, wir dürfen nicht zahlen. Die Fahrräder können wir auf der Polizeistation stationieren, sie werden hier bewacht! Ueberhaupt können wir bis jetzt von der chinesischen Polizei nur positives vermelden. So werden uns an einem Checkpoint, Melonen und Getränke spendiert, an einem anderen Checkpoint werden uns Wasserfläschchen mit auf den Weg gegeben. Und als wir in Aksu ankommen, einer aufstrebenden Oasenstadt, werden wir von der Polizei angehalten. Hier ist der Sitz der Polizeiverwaltung der Provinz Xinjiang. X Polizisten sind ausserhalb des Verwaltungs Gebäudes versammelt, stehen, sitzen und diskutieren. Sie bieten uns Stühle an, offerieren Melonen und geben uns Wasser in Fläschchen mit auf den Weg. Sie wollen so viel wie möglich von uns erfahren. Nach fast 2 Stunden dürfen wir weiter, wir müssen ja noch ein Hotel finden. Dies ist Chefsache! Der Polizeikommandant lässt sich sein Audi vorfahren, sitzt als Beifahrer rein und eskortiert uns zu einem Hotel! Die andere Uebernachtungsart, das Zelt, hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. So werden wir offenbar mal beim Zeltbau in der Wüste draussen gesichtet und erhalten tatsächlich morgens um halb vier Uhr Besuch. Ein Töfffahrer kommt mit Begleitung, kurvt um das Zelt, hält an, diskutiert mit der anderen Person um wenig später wieder zu gehen. Oder das andere Mal, kommt der Bauer gegen Mitternacht mit seiner Frau, um ihr unser Zelt zu zeigen.

Mittlerweile müssen wir in unserer Pannenstatistik einen Eintrag machen. Bei einem Halt an einem Strassenbasar nimmt ein Chinese mein Fahrrad (die fragen nicht lange!) und kurvt auf dem stark verschmutzen Platz umher. Wir hätten ihn nicht gewähren dürfen. Auf diesem Platz sind viele alte Teilchen und Teile von Lastwagenpneus und diese sind für Fahrräder gift. Vor allem die hervor stehenden Drähte der Pneus. Der Chinese hat nun prompt solche Drahtstücke eingefahren. Als wir nach unserer Pause weiter fahren wollen, ist beim Vorderrad die Luft draussen.  Fünf eifrige Chinesen flicken das Rad raschenstens, ich darf nicht helfen. Das Rad ist geflickt und wir fahren weiter. Nach 2 km stellen wir unser Zelt in der Wüste draussen auf. Am folgenden Morgen ist die Luft im Hinterrad weg. Nun müssen wir vor der Weiterfahrt noch Schlauch flicken. Der Chinese hat da ganze Arbeit geleistet! Nun sind wir in Korla angekommen. Die Stadt hat mittlerweile über 400‘000 Einwohner und es wird gebaut was das Zeug hält. Hochhaus an Hochhaus schiessen da aus dem Boden. Wir werden hier nun zwei Ruhetage verbringen, bevor wir auf unserer Weiterreise die Turpan Senke erreichen werden.

Kashgar 08.08. – 11.08.2013

Im Herzen des alten Ostturkestan war Kashgar Knotenpunkt  der Seidenstraße. Das Zusammenleben vieler Völker in der regsamen Stadt bietet uns viele Eindrücke. Hier treffen auf engstem Raum moderne chinesische Kultur auf jahrhundertalte uigurische Tradition. Landwirtschaftliche Erzeugnisse der Oasenstadt sind Reis, Weizen, Baumwolle, Melonen und anderes Obst, denn die Felder werden intensiv bewässert. Das Militär und die Polizei sind in der Stadt omnipräsent. Zudem ist auffällig wie die Stadt per Kameras überwacht wird. Wir denken, dass dies Auswirkungen der Unruhen von 2009 sind. Die Altstadt, oder besser gesagt, was von ihr noch übrig ist, sehen wir uns mit gemischten Gefühlen an. Leider wollen die Chinesen, den grössten Teil dieser Altstadt abreissen um neuen modernen Gebäuden Platz zu machen.

Der berühmte Sonntagsmarkt  ist für uns sehr eindrücklich. Hier treffen sich Kirgisen und Uiguren, Kasachen, Usbeken, Tataren und Chinesen. Landwirte aus den Vororten von Kashgar fahren am frühen Morgen mit Fahrrädern, Motorrädern, Traktoren, Lastwagen und Eselskarren zum Markt. Auf dem Markt wird alles gehandelt, was man zum Leben braucht: von der Ziege und dem Pferd über die Backschüssel und die Kleidung bis zu Musikinstrumenten und Lederstiefeln. Wir machen uns schon früh auf den Weg, damit wir den Markt vor dem grössten Menschen Andrang geniessen können. Es sollen sich jeweilen über hunderttausend Leute dort aufhalten! Wir nehmen ab Stadt ein Taxi der besonderen Art, [flv]http://fritz-zaugg.ch/WordPress_deutsch/wp-content/uploads/2013/08/P1010687.flv[/flv]der Fahrer bringt uns sicher zum Zielort. Es ist imposant zu sehen, wie auf dem riesengrossen Platz um die Tier gefeilscht wird. Laufend kommen die Bauern mit neuen Tieren die sie möglichst gut verkaufen wollen. [flv]http://fritz-zaugg.ch/WordPress_deutsch/wp-content/uploads/2013/08/P1010711.flv[/flv]Es scheint, als drohe der Markt aus allen Nähten zu platzen. Wir zwei haben Interesse an einem Yak, aber das Transportproblem können wir nicht lösen. So lassen wir es halt sein….

 

Einreise nach China mit Unterhaltungswert 07.08.2013

Wir stehen bereits um neun Uhr an der chinesischen Grenze. Von unserem Uebernachtungsort bis hier sind wir bereits 17 km geradelt und mussten beim kirgisischen Zoll bereits 4 mal unsere Pässe vorweisen, bevor wir das Land verlassen konnten.

Ein chinesischer Militär befiehlt uns, die Fahrräder hinzustellen und mit sämtlichen Packtaschen zur Gepäckkontrolle zu gehen. Gleichzeitig müssen wir unsere Pässe an einen anderen Militär abgeben. Nun warten wir und schauen, wie die vor uns anstehenden Personen kontrolliert werden. Jede einzelne Tasche wird geöffnet und sämtlicher Inhalt mit Argusaugen von einem Militär inspiziert! Wir freuen uns schon jetzt auf die Prozedur bei uns mit insgesamt 12 Taschen! Plötzlich, wir sind immer noch am Warten, kommt ein ranghoher Militär zu uns und fragt uns freundlich und in Englisch wo wir her kämen. Nach unserer Antwort bedankt er sich und geht. Nun sind wir an der Reihe für die Gepäckkontrolle. Elisabeth bei einem Militär ich bei einem anderen. Ich lege meine erste Tasche auf den Observierungstisch, da ruft mich auf der anderen Seite Elisabeth. Dort steht wieder der ranghohe Militär und fragt mich, ob ich eine Karte habe von China und ich ihm unsere Reise erklären könne. Ich öffne die Karte und zeige ihm unsere vorgesehene Route. Er dankt und befiehlt den anderen beiden Militärs, keine Kontrollen unserer Gepäckstücke zu machen. So können wir weiter gehen, ohne dass nur irgendeine Tasche geöffnet wurde! Nun warten wir auf den Bus. Seit 2011 ist es für Fahrrad-Touristen verboten, den ersten Abschnitt von 142 km bis zur chinesischen Immigrationsstelle (Einreisestempel) mit dem Fahrrad zurück zu legen. Grund: von Kashgar bis zur Grenze wird an einer neuen Strasse gebaut. Teilstücke sind bereits fertig, dürfen aber nicht befahren werden! Die alte Strasse ist schlecht, viele Camions, Staub, Steine, daher zu gefährlich für Velos! Der Bus kommt und wir packen unsere sieben Sachen in den Bus. Die Velos will der liebe Chauffeur unten in den Bus tun, sie haben allerdings keinen Platz. Dann sollen wir halt die Fahrräder auseinander nehmen. Was wir allerdings nicht wollen! Ich mache den Vorschlag die Velos in den Innenraum zu nehmen. Er akzeptiert. Zu zweit verstauen wir die Velos mit viel Aufwand im engen Bus. Nun warten wir mit 15 anderen Personen auf die Abfahrt. Dabei vernehmen wir zufällig, dass heute am 7.8.13 der Ramadan zu Ende geht und dass die Grenzen ab 18 Uhr für 4 Tage, anlässlich  Feierlichkeiten geschlossen würden. In Anbetracht der vorgerückten Zeit und der zu erwartenden schlechten Strasse, ist es ein Ding der Unmöglichkeit die Immigrationsstelle rechtzeitig zu erreichen.

Um 15 Uhr China Zeit fahren wir ab, auf holpriger und staubiger Naturstrasse. Es rüttelt und schüttelt, wir freuen uns auf 142 km! Nach einer halben Stunde plötzlich halt. Vor uns eine Lastwagenkolonne und hinter uns bildet sich auch langsam eine. Wir warten und warten und warten, in der Wüste draussen in einem alten Bus, natürlich nicht klimatisiert. Nach etlicher Zeit wird uns bekannt gegeben, dass vor uns, ein Teilstück der Strasse geteert wird und der Belag erst befahrbar gemacht werden müsse. Die 2 mitfahrenden Militärs in deren Besitz sich unsere Pässe befinden, werden sichtlich nervös. Sie wissen, dass wir zu spät bei der Immigrationsstelle ankommen würden. Nun werden sie aktiv. Sie veranlassen, dass sämtliche vor uns aufgestellten LKW uns Platz machen für die Vorbeifahrt. Bei der Baustelle müssen die Bauarbeiter neben dem neuen Belag schnell einen Weg für uns einrichten, damit wir passieren können. Nun endlich ist es soweit, es ist mittlerweile 18.10 Uhr, die Fahrt geht für uns, und nur für uns weiter! Der Chauffeur fährt was die Karre hergibt. Wir werden so richtig durchgeschüttelt. Auf der Weiterfahrt will er 4 Male auf die neue Strasse ausweichen um Zeit zu gewinnen, wird aber jedes Mal zurückgewiesen. Um 22 Uhr sind wir endlich an unserem Zielort. Riesige Gebäudekomplexe, alle leer. Keine Person. Das Amt ist bereits geschlossen bis Montag!! Plötzlich kommt ein Dienstwagen herangefahren. Er übernimmt die Pässe von unserem Militär. Eine heftige Diskussion entbrannt. Unsere bange Frage: Können wir noch einreisen, oder müssen wir im Niemandsland warten bis Montag!? Langsam wird es dunkel draussen, unsere Pläne von hier aus weiter zu radeln, lösen sich ich nichts auf. Uns bleibt wohl nicht erspart bis Kashgar mit dem Bus weiter zu fahren, falls wir doch noch ins Land rein gelassen werden heute Abend! Aber noch ist es nicht so weit. Und siehe, plötzlich gehen in dem Gebäudekomplex die Lichter an, und wir müssen mit sämtlichem Gepäck antraben. Eine ganze Armee von Beamten wurde aufgeboten. Passkontrolle – unsere Pässe werden uns kurz vorher ausgehändigt – Einreisestempel rein und nun folgt noch die Gepäcküberprüfung mittels Scanner. Unser Navigationsgerät haben wir im Bus gelassen, da solche Geräte in China offenbar verboten sind. Plötzlich kommt ein Beamter mit eben meinem Navi daher, sichtlich aufgeregt frägt er mich ob dies ein Navi sei. Ist es natürlich nicht! Darauf verschwindet er, setzt sich hinter einen Computer und googelt. Nach einer Viertelstunde kommt er zurück und übergibt mir wortlos das Gerät. Des Rätsels Lösung: Der Busbesitzer und Chauffeur kennt viele Beamte hier. Ihm ist zu Verdanken und seinen Geschenken – das spezielle Wort dafür ist mir eben entfallen-, dass wir heute noch Einlass nach China finden und dass mein Corpus Delicti nicht beschlagnahmt wird. Er hat es geschafft, dass die chinesischen Beamten nochmals zu ihrer Arbeit erschienen sind um uns den Einlass nach China zu ermöglichen. Mittlerweile sind sämtliche Gepäckstücke kontrolliert und wieder im Bus verstaut. Nun muss dieser noch durch eine Scanner Anlage fahren. Um 10 Minuten nach Mitternacht, wir schreiben bereits der 8.8.13, geht unsere Fahrt weiter. Um 02.21 Uhr kommen wir in Kasghar an. Nun müssen wir noch ein Hotel suchen. Der Busbesitzer gibt uns einen Tipp, wir bedanken uns dafür und auch für seine Hilfe. Wir finden das Hotel schnell. Einchecken geht ein bisschen länger. Die 2 Damen verstehen kein Englisch und wir kein Chinesisch. Um Viertel nach drei und nach einer gründlichen Dusche unserer verstaubten Körper, können wir uns endlich zur Ruhe legen. Ein Grenzübertritt der besonderen Art, findet so seinen Abschluss. Nun wissen wir: unter Umständen kann ein Grenzübertritt auch über 13 Std. dauern!

Kirgistan und geniessen 04.08. – 6.08.2013

Wir haben noch 250 km und etliche Steigungen vor uns, bis wir an der chinesischen Grenze eintreffen. Der erste Abschnitt nach Osch ist angenehm zu Fahren. Immer gleichmässig moderat steigt die Strasse und wird erst in den letzten Kilometern auf den C’iyiyrchyk-Pass 2‘389 m.ü.M. zur Herausforderung. Da es hier oben so schön ist, beschliessen wir kurzerhand, die Abfahrt nach Gülchö erst Morgen unter die Räder zu nehmen. Wir können unser Zelt neben einer Jurte aufstellen, mit besster Aussicht auf das darunter liegende Tal. Wie könnte ein neuer Tag besser beginnen, als bei schönstem Wetter auf einer guten Passstrasse 20 km ins Tal runter zu brausen. Kaum sind wir im Sattel sind wir auch schon unten in Gülchö. Wir fahren durchs Dorf und finden ein Cafe wo wir uns für das nächste Weiterfahren mit einem ausgiebigen Frühstück versorgen. Frisch aufgetankt fahren wir weiter, Richtung Sary Tasch. Wir treffen dabei auf drei Schweizer aus der Innerschweiz, die den Pamir Highway hinter sich haben. Sie sind des Lobes voll über diese Strecke. Die Etappe nach Sary Tasch ist anstrengender als gedacht und wir sind froh, endlich im kleinen Nest anzukommen. Der Ort ist wunderschön gelegen auf einem Hochplateau, umrahmt vom Pamir Gebirge. Eine Nachtunterkunft finden wir rasch, Uebernachtung mit Abendessen und Frühstück zu einem guten Preis. Wir haben gut geschlafen, das Frühstück zu uns genommen und fahren los um bis kurz vor die chinesische Grenze zu radeln. Dieser Abschnitt ist einer der Schönsten, während unserer bisherigen Reise. Wir fahren auf einer Hochebene auf ca. 3100 Meter über Meer gelegen. Vor uns die Strasse, Verkehr hat es keinen und rechts von uns das Pamir Gebirge mit den Siebentausendern. Unsere Herzen schlagen jetzt nicht nur vom Pedalen schneller, auch unsere Augen vermitteln den Herzen höhere Schlagzahlen. Die Strasse steigt ständig und wird auf den letzten Metern bevor es runter geht, zum echten Leckerbissen. Auf dem Irkeshtam-Pass 3‘775 Meter über Meer, machen wir halt uns saugen nochmals dieses herrliche Bild in uns auf. Unter uns die Hochebene, über uns das Pamir Gebirge, leider ein wenig in den Wolken und vor uns die bevorstehende Abfahrt Richtung Erkeshtam. Wir geniessen diesen Augenblick! Nun geht es auf guter Strasse rasend abwärts, irgendwo machen wir nochmals einen Halt und geniessen etwas Essen und die Berge. Bald kommen wir bei einem kirgisischen Checkpoint vorbei, müssen die Pässe vorweisen und können weiterfahren. Zuerst nochmals einen kleineren, aber sehr steilen Pass, dann wieder abwärts. Oberhalb Erkeshtam biegen wir von der Strasse ab und stellen unser Zelt. Unser Navi gibt uns die Höhe von immer noch 3‘100 Meter an. Noch bei Sonnenschein, es ist sehr warm, machen wir uns ein feines z’Nacht. Wir sind die Einzigen hier, wir, die Natur und der Himmel. Welch Kulisse! Welch schönes Land! Und doch werden wir dich verlassen…

Kirgistan 24.07. – 31.07.2013

Bishkek – Osh  durch das Tien Shan Gebirge              

24.07.2013

Die China Visen haben wir nun im Sack, nun kann es endlich weiter gehen. Was schon auf unserer Hinreise vor Bishkek für uns klar war setzen wir nun um. Zurück nicht mehr per Fahrrad nach Kara Balta. So haben wir ein Taxi organisiert, das uns zeitig um vier Uhr morgens im Hotel abholen kommt und uns gleich auf den Töö-Ashuu Pass auf über 3‘100 m hoch führt. Auf der Passhöhe ist ein 2.5 km langer Tunnel, das Taxi führt uns auch noch durch diesen. Wir sind mächtig froh, dieses enge, dunkle und sehr stark frequentierte Loch nicht mit dem Fahrrad durchfahren zu müssen. Auf der anderen Seite verabschieden wir uns vom Chauffeur und ziehen uns noch wärmere Kleider an. Es ist bereits sieben Uhr in der Frühe und bitter kalt hier oben.

Trotz der Kälte geniessen wir die Aussicht. Ca. 1000 m unter uns liegt eine riesige Hochebene, die Sonne lässt diese in verschiedenen Farben erleuchten. In zügigem Tempo rasen wir den Pass runter, um im ersten Cafe unser Morgenessen einzunehmen. Frisch gestärkt geht die Fahrt weiter, mittlerweile fahren wir wieder in Kurz und die langen Handschuhe haben den Kurzen Platz gemacht. Jurte an Jurte fahren wir vorbei, werden hier begrüsst und da beklatscht. Nach 50 km Fahrt stossen wir unsere Fahrräder auf die grüne Wiese raus und machen eine längere Siesta. Wie ist das doch schön hier oben, wir geniessen es! Wir sind eben im Begriff wieder aufzubrechen, kommt Stefan aus Nürnberg mit dem Fahrrad angefahren. Er will Richtung Pakistan radeln.Wir fachsimpeln bevor wir uns zu Dritt weiter machen. In Ötmök essen wir in einem Cafe um darauf nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau zu halten. Nach paar hundert Meter folgen wir einem Weg, der von der Strasse abbiegt zu einer Jurte. Hier fragen wir um Erlaubnis unsere Zelte stellen zu dürfen. Die Zelte sind noch nicht fertig gestellt, werden wir von der Bauersfamilie auch schon zum z’Nacht eingeladen. Es gibt Fladenbrot, Alpen-Nidle (von Kühen) hhhmmm ist das ein Schmaus, Kumys und Tee. Die Sonne verschwindet hinter den Bergen und wir kehren in unsere Zelte zurück. Wir werden hier oben eine geruhsame Nacht verbringen können.

25.07.2013

Die Sonne weckt uns aus dem Schlaf. So stehen wir auf, räumen das Zelt. Wir sind zum Morgenessen in der Jurte eingeladen, was wir gerne annehmen. Nach dem Frühstück bedanken wir uns artig für die Gastfreundschaft und fahren los. Nun geht es mal 20 km aufwärts auf den Ala-Bel Pass mit 3176 m über Meer. Oben angelangt geniessen wir den Rundblick. Nun geht es nur noch abwärts. 65 km abwärts, dabei werden über 2‘200 Höhenmeter vernichtet. Auf halber Distanz halten wir bei einem Cafe und nehmen etwas zur Stärkung zu uns. Weiter geht die Fahrt bis Toktogul, wo wir uns ein Hotelzimmer nehmen. Stefan aus Nürnberg will noch ein bisschen weiter radeln, da er gestern bloss 20 km gefahren sei und Terrain einholen wolle. So verabschieden wir uns voneinander, schade. Vielleicht sehen wir uns unterwegs wieder.

26.07.2013

Wir haben wiederum nicht so gut geschlafen im Hotel. Das Zimmer war viel zu heiss und die ganze Nacht war draussen Lärm. Nach gehabtem Frühstück radeln wir los. Heute machen wir eine Kurzetappe von nur 50 km. Die Strecke geht auf und ab und mal müssen wir über einen Pass. Die Strasse führt geradeaus und steil den Berg hoch. Diese Steigung fordert uns, es ist heiss dazu! Nach ca. 40 km gehen wir in ein Cafe und nehmen etwas zu essen. Wir bleiben lange sitzen. Danach fahren wir weiter, mit Blick immer auf den Toktogul Stausee. Nach paar km Fahrt kommt eine Baumgruppe, unter diese legen wir uns und wir bleiben ziemlich lange hier am Schatten. Danach fahren wir weiter, bis wir abseits der Strasse Gebäude sehen. Wir fahren zu diesen, sie sind verlassen. Vermutlich sind die Besitzer jetzt auf der Alp in einer Jurte. So nehmen wir das Haus in Beschlag und stellen Zelt und Velos in die Räume rein. Uns bietet sich hier eine wunderbare Aussicht auf den See. Hier werden wir die Nacht verbringen.

27.07.2013

Unser Schlaf war auch diese Nacht nicht der Beste. Aber was soll’s, es gibt schlimmeres. Um 07.45 fahren wir los. Runter auf die Hauptstrasse, dann geht es gleich steil aufwärts. Nach 10 km machen wir bei einem Cafe halt und nehmen das Morgenessen ein. Die ersten 20 km sind ein stetiges rauf und runter. So machen wir 300 hm ohne nur einen Meter an Höhe gewonnen zu haben, seit dem Start. Aber die Aussicht auf den See und die dahinter liegenden Berge ist fantastisch! Dann geht die Strasse nur noch aufwärts, einem Pass entgegen. Es ist heiss, wir schwitzen was die Poren hergeben. Endlich kommen wir oben auf dem Pass an, wir gehen ins Cafe und Trinken etwas Erfrischendes. Wir lassen uns Zeit. Viel später geht’s weiter. Nun können wir mehr oder minder nur noch gut 30 km abwärts fahren bis zu unserem geplanten Uebernachtungsort Kara Köl. Dort angekommen suchen wir ein Hotel. Das erste ist eine Absteige, das zweite nehmen wir. Ist zwar ein bisschen Abseits des Ortes und essen gibt es hier auch nicht. Aber was willst, bei zwei Hotels nimmst du das weniger Schlechte. Wir gehen mit dem Fahrrad noch in das nächste Lädeli und kaufen etwas zu essen ein. In das Zentrum des Ortes zurück fahren um in einem Cafe zu essen, wollen wir doch nicht mehr, bei über vier km Fahrt hin und dann wieder zurück. So essen wir denn im Hotelzimmer Fladenbrot und Wurst bei einem kühlen Bier.

28.07.2013

Der Schlaf war einigermassen, bei Ramba Zamba der Kirgisen draussen in der Nacht. Wir fahren los und schon bald kommen wir bei einer Mautstelle vorbei. Für die Strasse an einem langen Stausee entlang, wird Geld verlangt. Wir müssen nicht zahlen, kaufen uns noch paar Flaschen zu Trinken und fahren weiter. Der See ist immens lang. Es geht rauf, runter wie gestern. Es ziiiiieeeeeeht sich. Die Lufttemparatur steigt fast minütlich. Am Ende des See ist der Damm. Dort sind, nach 40 gefahrenen km, wieder Cafes und man kann sich mit Proviant eindecken. Wir gehen in ein Cafe und essen und trinken und lassen es uns gemütlich sein. Nach 50 km gehen wir abseits der Strasse an einen Bach. Dort legen wir uns in den Schatten und erfrischen uns zwischendurch im Bach.

Wir bleiben sehr lange hier, es wäre ein gutes Zeltplätzchen, aber es hat auch andere Leute hier und bis die gegangen wären….wenn sie denn überhaupt gehen!  So fahren wir weiter bis Kara Köl. Hier fragen wir bei einem Bauern um Erlaubnis das Zelt zu stellen.Wir dürfen dies und werden auch gleich zum Nachtessen eingeladen. Die 4 Buben helfen uns beim Zelt stellen, als Zuschauer natürlich. Die Bäuerin bringt uns Tomaten und Aepfel zur Erfrischung. Später gehen wir bei ihnen essen. Es sind sehr liebenswerte Leute. Voll gefressen gehen wir sehr spät ins Zelt zurück. Nicht ohne, dass uns die Bäuerin vorher noch Proviant einpackt für den morgigen Tag. Es ist immer noch sehr warm! Wie schlafen wir wohl bei dieser Wärme?

29.07.2013

Wir haben gut geschlafen im Zelt und verabschieden uns dankend von der Gastfamilie. Zurück auf der Hauptstrasse gehen wir in ein Cafe und nehmen das Morgenessen zu uns und kaufen Getränke zum Mitnehmen. Nachher geht’s weiter, zuerst  noch einen Aufstieg rauf, dann sind wir urplötzlich raus aus dem Gebirge. Es folgen Gemüsekulturen, vor allem Zwiebeln, Mais und Melonen. So radeln wir km um km, überall am Strassenrand stehen Verkaufsstände wo die Bauern ihre Produkte feil halten. Die meisten rufen uns zu. An einem Stand halten wir und kaufen uns eine Melone, welche sehr schmeckt. Wir fahren weiter, das gleiche Bild. Die Strasse ist jetzt wieder coupierter, da sind 2 Männer die Melonen anpreisen. Sie laden uns ein und schneiden für uns eine Melone an. Da kommt noch ein weiterer Radfahrer aus Belgien dazu. Er fährt die gegengesetzte Richtung. Wir unterhalten uns köstlich. Die Weiterfahrt geht auf immer schlechterer Strasse. Lange Zeit fahren wir an der Usbekistan-Grenze entlang. Für uns Europäer ein ungewohntes Bild. Da ist die Strasse, 10 m im Feld draussen ein grosser Graben und gleich nach dem Graben kommt der Stacheldrahtzaun und dies über x-km. Kurz vor Kochkor Ata können wir nicht den kürzesten Weg wählen, denn dieser würde durch Usbekistan führen. So machen wir einen Umweg über 10 km. In Kochkor Ata angekommen finden wir ein Hotel zum Uebernachten.

30.07.2013

Am Morgen fahren wir zeitig weiter. Wir wollen so schnell wie möglich nach Osh. Nach dem Frühstück fahren wir los. Es ist schon drückend heiss. Auf verdammt schlechter Strasse können wir nicht das Optimum raus holen. Die Strasse kommt uns vor wie die Strecke Kara Balta nach Bishkek. Zudem geht’s auch immer ein wenig aufwärts. Mal ist die Umgebung dürr, mal ist sie schön grün, dies in bunter Abwechslung. Gegen Mittag wird es erdrückend heiss. Seit paar Tagen sehen wir kein Wölklein mehr am Himmel. Scheins ist dies das typische Klima um Osh. In Jalal Abad buchen wir ein Hotelzimmer. Im gegenüberliegenden Cafe essen wir und trinken ein oder zwei Bier; oder warens drei….

31.07.2013

Bereits um kurz nach sieben Uhr sind wir wieder auf unseren Rädern. Es ist bereits wieder sehr warm, aber noch angenehm zum Velo fahren. Die Strasse ist wieder gut, aber kurz nach dem Start fängt die Steigung an. Wir müssen über einen Hügelzug, zudem fängt plötzlich ein sehr starker Talwind an zu blasen, was uns das Steigen auch nicht angenehmer macht! Auf halber Passhöhe machen wir mal einen kurzen Rast, wir haben ja noch kein Morgenessen gehabt. Dies holen wir jetzt nach! Frisch gestärkt fahren wir weiter. Die Steigung ist sehr happig und es geht in die Beine. Oben angekommen kurze Trinkpause, dann geht’s runter, lange runter, bevor es wieder rauf geht. In Ozgon machen wir in einem Cafe halt und essen eine Suppe mit Gemüse. Diese ist saugut. Die Fahrt geht weiter auf coupierter Strasse.P1010475

Kurz vor Osh treffen wir auf Marc, einem Radler aus Frankreich. Wir unterhalten uns kurz bevor wir weiter fahren. Eingangs Osh gehen wir in ein Lädeli und kaufen uns ein kaltes Getränk und eine Glace. Plötzlich steht draussen ein weiterer Radler, es ist Phil aus Stuttgart. Seine Mutter kommt aus Biel in der Schweiz. Wir unterhalten uns ziemlich lange bevor wir getrennte Wege weiter fahren.

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Und dann passiert es: bei einer Ampel, sie steht auf rot, links von uns Autos, wir sind auf der rechten Fahrspur und halten. Der nachfolgende Autofahrer stoppt und fängt wie wild an zu hupen. Die Ampel steht immer noch auf rot. Dann grün, der kirgisische Idiot hupt immer noch und fährt Elisabeth absichtlich über den Haufen. Die Taschen hinten fliegen auf die Strasse, Elisabeth ist zum Glück vorher aus den Klickpedalen gestiegen und so fällt sie nicht um. Der Vollidiot überholt mich auf der anderen Spur ich nehme die Verfolgung auf und plane, sobald er halten muss ich diesen Sauhund kurz aus dem Wagen zerre und mit ihm via Faustrecht spreche. Der andere muss wirklich halten, sieht mich, gibt Gas und zwängt sich auf die dritte Spur. So kann er mir entgehen. Ich denke, so ist es besser, den hätte ich glatt Verhauen! Mittlerweile hat Elisabeth die Taschen wieder auf dem Fahrrad, der Schrecken steht ihr im Gesicht geschrieben. Gott sei Dank ist nichts schlimmeres passiert. Meine These hat sich also bewahrheitet, der Kirgise fährt nach dem Motto:“Wenn ich hupe, Achtung aus dem Weg, sonst bist selber Schuld!“ Wir fahren weiter und suchen uns ein Hotel. Das erste ist eine Absteige, das zweite wurde uns vor paar Tagen von einer Osherin empfohlen, ist leider voll und hat nur noch drei Zimmer ohne Fenster zum abgeben. Da wir planen 2 oder 3 Tage hier zu bleiben, kommt dies nicht in Frage. So gehen wir weiter und werden fündig, ein gutes Hotel im Zentrum.  Nun haben wir „nur“ noch 250 km vor uns, bevor wir ins Reich der Mitte einfahren werden, resp. eingefahren werden. Wie wir aus Internet- Recherchen erfahren haben und uns Phil heute bestätigt hat, werden Fahrradfahrer beim Irkeshtampass an der Grenze von den Chinesen auf Lastwagen verladen und –zig km weit transportiert. Grund: Die Strasse dort sei schlecht und es sei zu gefährlich mit Fahrrädern im Verkehr zu sein! Und wir sagen: Nachdem am Torugartpass seit längerer Zeit eine ähnliche Praxis herrscht, wurde nun auch dieses Tor geschlossen, resp. gegen Geld wird es jeweils geöffnet!