Chengdu-Muchuan 25.09. – 27.09.2013

Die Fahrt durch die riesengrosse Stadt Chengdu bewältigen wir problemlos, stehen doch gut ausgebaute Radwege zur Verfügung. Nach fast 15 km durch die Stadt, stehen wir plötzlich vor dem im Moment grössten Einkaufszentrum  der Welt, dem Century Global Centre. Leider ist es um diese Zeit  noch nicht geöffnet und so können wir diesen gigantischen Bau, (500 x 400 m) nur von aussen bewundern.

P1020225Von hier aus fahren wir noch gut 15 weitere Kilometer bis wir am Stadtrand von Chengdu ankommen. Die nun folgende Strecke ist sehr dicht besiedelt, es folgt eine Ortschaft der anderen. Auch hier sehen wir, wie überall in China: Es wird gebaut an allen Ecken und Enden. Oft müssen wir deswegen kilometerlange Umwege über Notstrassen in Kauf nehmen. Eingangs Leshan biegen wir von unserer Route ab um die Hauptattraktion von Leshan zu besichtigen, den in eine Felswand geschlagene sitzende Grosse Buddha Wir  parkieren unsere Velos auf einem, vom Parkwächter zugewiesenen Parkplatz und geben dem Wächter zu verstehen, dass er gut auf die Fahrräder aufpassen soll. Nun entfernt er das Riesenschloss an seinem Töff und bindet so die Fahrräder zusammen! Wir lösen die Tickets und begeben uns auf das uns zum Buddha fahrende Schiff. Plötzlich ist er vor uns, der Grosse Buddha, der mit verklärtem Blick auf den Zusammenfluss der Flüsse Dadu He und Min He blickt. Die Statue misst in der Höhe 71m, die Schultern haben eine Breite von 28m, was den Leshan-Buddha zum grössten der Welt macht. Allein der Kopf hat eine Höhe von 15 Metern und eine Breite von 10 Metern, die Ohren sind 7 Meter lang und der große Zeh bietet einer ganzen Fussballmannschaft Platz. P1020264Der buddhistische Mönch Haitong begann im Jahr 713 mit dem Bau der Statue in der Hoffnung, die Präsenz eines Buddhas würde die unberechenbaren Strömungen des Zusammenfluss der beiden Flüsse besänftigen und die Fischer vor den tödlichen Strudeln und Untiefen beschützen. Tatsächlich regulierte das aus dem Fels geschlagene Gestein das Flussbett und beruhigte somit das Wasser. Leicht-Gläubige Buddhisten aber glauben, dass die Beruhigung der strudelnden Wasser ausschliesslich der Präsenz der gigantischen Buddha Statue zuzuschreiben sei.

 Wir kommen zurück zu unseren Velos und staunen nicht schlecht. Da sind paar Chinesen soeben daran, Elisabeths Fahrrad zu reparieren. Während unserer Abwesenheit, ist die Luft aus dem hinteren Pneu entwichen, (Corpus delicti ist wiederum ein Draht eines LKW-Pneus) der Parkwächter hat dies bemerkt und gleich einen „Velomech“ zur Reparatur aufgeboten! Das nennt man Gastfreundschaft! Wir bedanken uns und fahren danach noch paar Kilometer in die Stadt rein und buchen uns dort ein Hotelzimmer. In der Nacht fällt Regen und wir hoffen, dass dies Morgen nicht mehr der Fall sein wird. Und tatsächlich hört der Regen auf und wir können ohne Regenklamotten einen weiteren Tag in Angriff nehmen. Nach 50 km in einem Dorf machen wir einen Trink- und Essenshalt.

P1020273Wir fahren weiter und es geht nicht lange werden wir passive Verursacher eines Verkehrsunfalls. Seit wir uns in China aufhalten, sind wir erstaunt, dass es wegen uns noch keine Unfälle gegeben hat. Zumindest haben wir keine bemerkt….Sehr viele Verkehrsteilnehmer vergessen auf der Strasse ob unserem Anblick, dass sie sich eigentlich dem Verkehr widmen und nicht den Kopf nach den „eigenartigen Wesen auf den Fahrrädern“ verdrehen sollten. So ist dies nun einem Autofahrer zum Verhängnis worden. In einer leichten Rechtskurve auf einer vierspurigen Strasse will uns dieser Ueberholen, schaut dabei offenbar nur noch uns an. Er kommt dabei auf die Gegenfahrbahnen und überquert auch diese. Ein  entgegenkommender Wagen sieht das Unheil kommen, fährt auf den Randstreifen um Schlimmeres zu Vermeiden. Das aber hilft alles nichts. Am Schluss der Geschichte macht es „Peng“ auf chinesisch und die zwei krachen zusammen. Personen kommen keine zu Schaden und wir, wir können uns irgendwie ein Schmunzeln nicht verkneifen….Wir kommen in Muchuan an und finden Dank einem hilfsbereiten Chinesen ein sehr gutes, neues Hotel. Hier trinken wir zum ersten Mal seit fast sechs (6!) Monaten wieder einmal einen Wein. Einen chinesischen Rotwein. Unsere Meinung ist einhellig: „Ein absolut guter und edler Tropfen“.

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Nun wissen wir, auch China versteht es, guten Wein anzubauen. Nach dem sehr feinen Nachtessen im Hotel, werden wir von einer Hotelangestellten durch die Stadt begleitet. U.a. können wir noch einer Freilichtaufführung auf Wasser beiwohnen. Die Show ist imposant und eindrücklich.

 

 

Zugfahrt in 3 Akten – Komödie 22.09.2013

Akt 1: Ticketbeschaffung
Wir wollen uns in Lanzhou ein Ticket kaufen für die Weiterfahrt  mit dem Zug nach Chengdu. Nachdem uns erklärt wird, dass der nächste Zug mit freien Plätzen erst in  20 Tagen verfügbar sei, einigen wir uns auf die Benutzung eines Buses. Unser Hotel übergibt uns die Adresse vom Busbahnhof, damit wir dort die Tickets besorgen können. Ein Taxi fährt uns dorthin, leider ist dies der falsche Busbahnhof. Man hat uns falsch beraten. So gehen wir zum anderen Busbahnhof und fragen dort nach einem Ticket. Ein Ticket für eine solche lange Strecke, könnten Ausländer aus Sicherheitsgründen nicht kaufen, wohl aber eines für die halbe Strecke der Distanz! Wir fragen uns nach dem Unsinn einer solchen Bestimmung, wollen nun halt das Kurzvariante Ticket kaufen. Wir könnten das Ticket nicht heute besorgen, sondern frühestens einen Tag vor Abreise, wird uns weiter beschieden. Also kehren wir nach insgesamt 4! Stunden und unverrichteter Dinge wieder ins Hotel zurück. Am 19.09.  machen wir uns erneut auf die Socken um uns endlich das Busticket nach Chengdu zu ergattern. Wir kommen wieder in den entsprechenden Busbahnhof und kaufen uns das Ticket. Nach gut einer Stunde Warten haben wir das Ticket in den Händen. Nun wollen wir genau wissen, wo denn der Bus abfährt und vor allem, ob er denn wirklich bis Chengdu fahren würde? Nun erfahren wir, dass der gute Mann der Ausgabestelle uns nicht ein Bus- sondern ein Flugticket verkauft hat! Er entschuldigt sich und gibt uns den soeben bezahlten Betrag zurück. Also soll er uns nun doch ein Busticket verkaufen. Dieses könnten wir nicht hier besorgen, sondern wir müssten an den Busbahnhof Nr. 1. Wie bitte!?!?  Uns wird beinahe schlecht, vom Hin und Her, das hier veranstaltet wird! Also kehren wir halt zur Nr. 1 zurück und versuchen die Fahrkarte zu lösen. Das gehe nicht, der Bus transportiere keine Velos, wir müssten den Zug nehmen. Plötzlich sind also Zugtickets erhältlich und das für die Fahrt am 22.09.13. Wir kaufen diese, sobald wir sie in Händen haben verlassen wir schleunigst die Halle, bevor jemand auf den Gedanken kommen könnte, uns diese wieder weg zu nehmen. Nach insgesamt 9! Stunden in zwei Tagen haben wir es nun endlich geschafft, uns Tickets für die Fahrt nach Chengdu zu kaufen.

Akt 2: Zutritt zu Bahnsteig
Es ist Sonntag Morgen der 22.09. und wir machen uns auf den Weg zum Bahnhof. Bei der Eingangskontrolle werden wir zurück gewiesen, mit der Begründung, dass im Zug keine Velos verladen werden könnten! Auf unsere hartnäckige Intervention hin und weiteren Beamten die ihre zweifelhafte Sachkompetenz in die Runde werfen, bekommen wir endlich Zutritt in die Kontrollzone. Dort werden wir aufgefordert unser sämtliches Gepäck durch den Scaner zu schleusen. Ich lege nur zwei meiner Taschen auf das Band, nehme diese auf der anderen Seite des Gerätes selber wieder vom selbigen und bemerke dabei, dass nicht eine einzige Person sich um uns und das mögliche Gefahrenpotential kümmert! So nehmen wir unsere Velos und stossen sie weiter in Richtung Wartehalle, kein Mensch protestiert dabei. Dies nennt man wohl Sicherheitskontrolle made in China! In der Wartehalle kommen gleich mehrere Beamte und ein ranghöherer Sicherheitsmann und wollen uns aus dem Bahnhof weisen. Wir wehren uns erneut heftig dagegen. Nach minutenlangen Diskussionen lassen uns die Beamten in Ruhe. Nun warten wir bis sich die Tore zum Bahnsteig öffen. Nach einer weiteren Billettkontrolle bei allen Reisenden werden nun die „Schleusen“ aufgemacht und die Leute strömen Richtung Perron. Wir mittendrin und erst noch mit zwei Fahrrädern! Nun stehen wir vor unserem Waggon, als wir den Schaffner sehen, beschleicht uns wieder ein beklemmendes Gefühl. Was ist, wenn dieser uns nicht in den Zug lässt!? Der aber lässt uns wortlos passieren, zeigt uns noch einen Standplatz im Zug für die Velos. Erleichtert stellen wir unsere fahrbaren Untersätze und die Packtaschen an ihre bestimmten Plätze. Mittlerweile ist es siebzehn nach Neun. Der Zug setzt sich in Bewegung Richtung Chengdu und,  hei….wir sitzen darin und auch unsere Fahrräder sind mit dabei! Froh und erleichtert, aber geschafft sehen wir Lanzhou unseren Augen entschwinden! 

Akt 3: Zugfahrt
Wir teilen unser Abteil mit 4 Chinesinnen, zuvorderst im Waggon und in unmittelbarer Nähe befinden sich unsere Fahrräder. Wir kommen sofort mit den Chinesinnen ins „Gespräch“ ,  sie geben uns von ihrem Essen, sie lehren uns zählen inkl. Handzeichen der chinesischen Ziffern von 1-10. Uuuf ist das schwierig….! Im Verlaufe der Fahrt kommt ein Chinese zu uns, will mit mir in der Raucherzone rauchen und mit mit plaudern.P1020202 Immer und immer wieder erscheint er bei uns und bittet uns ihm später Fotos per E-Mail zu schicken. Plötzlich werden wir von einem Afrikaner in französicher Sprache angesprochen. Er kann während vier Monaten in China arbeiten, danach muss er das Land verlassen und wieder Arbeit suchen. Zu Hause in Afrika hat er eine Frau und zwei kleine Kinder. Seit der Abfahrt bis am Abend um zehn, wird uns nicht eine Minute langweilig. Danach steigen wird in unsere „Betten“ und wir können auch tatsächlich während der Fahrt ziemlich gut Schlafen. Ca. 07.45 Uhr am darauf folgenden Morgen kommen wir in Chengdu an. Die Chinesinnen und der Chinese sind uns behilflich beim Ausladen unseres Gepäcks. Wir verabschieden uns von den vier Frauen und dem Afrikaner. Der Chinese begleitet uns bis ausserhalb des Bahnhofs, nicht ohne vorher nochmals dem Wunsch Ausdruck zu geben, dass er von mir gerne eine E-Mail empfangen würde. Ich werde ihm bestimmt diesen Wunsch erfüllen. 

Eine Zugfahrt in China kann sehr spannend sein.  Nebst dem Geniessen der verschiedenen Gegenden die durchfahren werden, war in unserem Fall auch für Unterhaltung mit Mitreisenden gesorgt. Wir haben auf dieser Zugfahrt liebe, freundliche, saubere, ordentliche, höfliche, zuvorkommende und hilfsbereite ChinesInnen kennen gelernt. Das Zugfahren mit ihnen war schön und hat Spass gemacht! Die Züge sind  sauber , relativ neu und werden während der ganzen Reise immer wieder durch Personal vom Abfall und Schmutz befreit.  So macht auch Zugfahren Spass!

Gesundheitlicher, mentaler und physischer Einklang 17.09.2013

Vor gut 4 Wochen hat sich beim Schreibenden ein Dorn in Form eines winzigen Drahtstückes in den rechten Ringfinger gebohrt, was zunächst unbemerkt blieb. Erst Stunden oder Tage später wurde ich durch auftretenden Schmerz und Hautrötung darauf aufmerksam. Wir entfernten den winzigen Fremdkörper aus meinem Finger und desinfizierten die kleine Wunde entsprechend. Alles eine harmlose Sache denkt man, aber nicht dieses Mal! Aus der kleinen Wunde wurde im Laufe der Tage und Wochen zusehends eine immer grössere und eiternde Wunde. Wir behandelten den Finger aus unserer mitgeführten Notapotheke. Doch nichts half, die Wunde wurde immer grösser. In der Not gingen wir in eine Apotheke und kauften uns entsprechende Wundmittel. Mittlerweile wurde auch der Rest meines Körpers vom Ungemach ergriffen. Zuerst am Hinterkopf, dann im Gesicht, in der Nase, am Unterkörper, am Po, überall und in grosser Anzahl bildeten sich Eiterbeulen. Das Eiter floss jeweils aus, aber die Wunden heilten nicht, sie füllten sich wieder mit Eiter. Diametral zu den verflossenen Tagen, schwächte sich meine mentale Stärke und hinderten mich an der Entfaltung der physichen Eigenschaften. Vor zwei Tagen hatte ich meinen absoluten Tiefpunkt. Die folgenden Szenarios standen nun im Raum: Arztbesuch in China, Anwendung von Antibiotika, Ferndiagnose durch Arzt aus Schweiz bis hin zur Rückreise in die Schweiz, wobei letzteres wirklich nur im äussersten Notfall zur Ausführung kommen würde. Wir haben beschlossen, dass wir es noch mit der in der Reiseapotheke vorhandenen Antibiotika versuchen wollen. Seit zwei Tagen nehme ich diese nun ein, mit dem Resultat, dass sich nun eine langsame Besserung der Situation abzeichnet und hoffentlich bis zur vollständigen Genesung anhält.

Fazit: Das Erreichen vieler unserer Ziele hängt primär von Gesundheit und mentaler Stärke ab!

Jiayugan-Lanzhou 08.09. – 16.09.2013

Wir verlassen Jiayugan und fahren auf der Autobahn Richung Lanzhou. Für einmal haben wir nun Rückenwind und kommen entsprechend zügig voran. Nach 154 km erreichen wir Gaotai und stellen hier  hinter einer Raststätte unser Zelt auf. Die Landschaft auf unserer Weiterfahrt wechselt nun in bunter Reihenfolge ab.

Lanzhou

Mal steppenartig, mal wird sie landwirtschaftlich genutzt. Wir kommen bei gutem Wind zügig voran und absolvieren gleich zwei vorgesehene Tagesetappen an einem Tag. Erneut müssen wir wieder mal einen Platten flicken. Mein Hinterrad ist vollgestopft mit diesen verflixten Drähten. So wechseln wir gleich Schlauch und Pneu aus. Am nächsten Tag haben wir gleich 2 Platten zu beklagen. Zuerst erwischt es Elisabeth, paar km später mich. Was soll’s, wir haben mittlerweile Uebung im Platten flicken, sind sozusagen spezialisiert! In der Schweiz zurück werden wir wohl später einen Schlauchflickkurs anbieten….In Yongchang gehen wir in Apotheke und kaufen Mittel für meine Fingerverletzung. Dazu mehr an separater Stelle. Wir fahren bis Wuwei und bleiben hier eine Nacht. Am folgenden Tag fahren wir los und wollen auf die Autobahn. Die bei der Mautstelle anwesende Polizei schickt uns weg mit der Begründung in China dürfe man nicht mit dem Velo auf Autobahnen fahren. Bleibt die Frage offen, warum man uns vorher dreitausend km gewähren liess?! Wir probieren noch bei zwei weiteren Auffahrten auf die Autobahn zu gelangen, aber keine Chance, die Polizei verweigert uns dieses Unterfangen. Nun fahren wir halt auf der anderen Strasse, wobei Strasse noch vornehm ausgedrückt ist.

Ein Bachbett mit Teer überzogen wäre angebrachter…! So nebenbei fahren wir heute wieder einen Platten ein. Diesmal ist nicht ein Draht schuld, sondern eine Flickstelle ist undicht. Grund: Der dort angebrachte Flick ist brüchig. Dabei haben wir diesen doch erst vor paar Tagen gekauft bei einer chinesischen Veloreparaturstelle am Strassenrand…!  Wir sind froh, dass wir heute nur gut 60 km bewältigen müssen. Gut geschlafen fahren wir am anderen Morgen los. Heute haben wir einen anstrengenden Tag, wir müssen über einen fast dreitausend Meter hohen Pass rüber. Zu allem Unglück haben wir noch sehr strengen Gegenwind, was uns die Passfahrt ungemein erschwert. Wir kämpfen uns Höhenmeter um Höhenmeter nach oben und der Wind hält dagegen. Endlich haben wir die Passhöhe geschafft und wir sind es auch! Wir sind zuversichtlich, dass wir nun die Passabfahrt umso mehr geniessen können. Aber oh weh! Wir müssen selbst abwärts zum Teil voll in die Pedale treten, damit wir nicht stehen bleiben. Der Wind, der spinnt! Nach paar Stunden und 50 km haben wir genug. Wir fragen einen Bauern, ob wir das Zelt auf seinem Feld aufschlagen dürfen.

"Zobe näh!"

Er sagt uns zu und lädt uns gleich zu einem „Zobe“ ein. Wir schlafen gut und hören, dass es plötzlich anfängt an zu Regnen. Dabei hoffen wir, dass dies nicht allzu lange andauern möge. Wir haben sonst bedenken, dass wir mit den gepackten Fahrrädern aus dem frisch gemähten Getreidefeld raus kommen. Wir sehen bald, dass der Regen wohl nicht aufhören wird, legen noch im Trockenen unsere Regenklamotten an und brechen bei strömendem Regen unser Zelt ab. Unsere Befürchtungen bewahrheiten sich. Wir kommen kaum, obschon nur hundert Meter vom Strassenrand entfernt, aus dem Feld raus. Die Räder und Bremsen füllen sich mit nasser Erde und es geht nichts mehr. So müssen wir die Packtaschen und Velos praktisch aus dem Feld raus tragen und am Strassenrand vom gröbstem Dreck befreien, damit wir überhaupt fahren können. Der Wind bläst heute nicht mehr, aber dafür regnet es in Strömen und es ist bitter kalt. Na, ja, wir sind halt immer noch auf einer Höhe von 2‘750 Meter. Unser innigster Wunsch im Moment: Nur keinen Platten jetzt!! Nach gut einer Stunde Fahrt sehen wir einen Hochdruckreiniger bei einem Haus stehen, dort spritzen wir unsere fahrbaren Untersätze ab und was kommt zum Vorschein: Unsere Fahrräder…. Als wir in Yongdeng, unserem Etappenort ankommen, sind wir durchfroren, aber Dank den Regenklamotten nicht durchnässt. Am darauf folgenden Tag, bei wiederum schönem, aber kaltem Wetter brechen wir auf. Heute wollen wir Lanzhou in 110 km Entfernung erreichen. Dies sollte bei guten Verhältnissen kein Problem sein, da es auf dieser Strecke ca. 500 hm bergabwärts geht. Wir sind gut unterwegs, die Steppe hat sich nun endgültig zurück gezogen und macht diversen Kulturen Platz, wie Gemüse, Obst, Mais etc.  Mehrheitlich aber sieht man hier nun Kabisfeld an Kabisfeld. Unterwegs können wir bei an einem Strassenverkaufsstand bei drei Frauen Aepfel kaufen. Wir probieren zuerst Einen, bevor wir kaufen. Die Frauen haben ihre helle Freude an Elisabeths blonden Haaren und wollen auch gleich, dass ich mit ihrem Handy eine Foto mache von ihnen und Elisabeth. Zudem schenkt jede Frau Elisabeth noch zusätzlich Aepfel und Birnen. Wir kommen nun an den Stadtrand von Lanzhou. Hier überholt uns ein chinesicher Töfffahrer und hält an.

vor Lanzhou

Er gibt uns zu Trinken, macht Fotos und gibt seiner Freude Ausdruck, dass er europäische Radler angetroffen hat. Wir fahren weiter, x km durch Baustellen, inmitten von stinkenden Lastwagen, Autos, Töffs etc. etc., bevor wir endlich auf den Fahrradstreifen gelangen. Aber auch hier sind Autos unterwegs, man muss ungemein auf der Hut sein. Nach fast 30 km! seit Anfang Stadt in stinkender und dreckiger Luft kommen wir nun endlich bei unserem Hotel an. Wir sind froh, nun aus diesem Verkehrschaos raus zu sein! Unsere Atemwege machen uns Beschwerden, unsere Köpfe sind schwarz, gefärbt vom Schmutz! Es ist vorgesehen, dass wir hier drei Tage verweilen.

Jiayugan/Chinesische Mauer 05.09. – 07.09.2013

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Jiayugan ist eine schöne, gepflegte und sehr rasch wachsende Stadt, mit einem sehrschönen, zentral gelegenen Park. Am Abend versammeln sich in diesem Park sehr viele Leute und tanzen.
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Great Wall – Grosse chinesische Mauer

Zudem ist in Jiayugan das Westende der Chinesischen Mauer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hami – Jiayugan 04.09.2013

Pünktlich um 09.00 Uhr fährt unser Taxi vor, gleich mit zwei Chauffeuren. Wir laden zuerst unsere Fahrräder, dann die übrigen Gepäckstücke. Wir verabschieden uns vom Hotelpersonal und den übrigen Zuschauern und los geht es.  Die Strassen in Hami sind um diese Zeit ein einziges Chaos! Keine zehn Minuten später hält unser Chauffeur an, sie würden jetzt noch etwas Essen gehen. Also gehen sie. Nach einer knappen halben Stunde kommen sie zurück und nun geht es wirklich los. Aus der Stadt raus ist es mühsam in diesem Verkehr, dann geht’s gleich auf die Autobahn. Und nun geht’s sehr gut vorwärts. Wir fahren ohne Probleme durch die Wüste, der herrschende Gegenwind ist uns völlig egal! Nur einmal kommen die zwei Chinesen ins Schwitzen, dem Auto droht das Benzin auszugehen. Mit letzter Reserve erreichen sie doch noch eine Tankstelle. Die zwei Herren sind wieder gesprächiger als vorher. Wir passieren ein paar Mautstellen; die Autobahngebühren sind relativ teuer. Kurz nach vier Uhr Nachmittags und ohne Zwischenfall kommen wir in Jiayugan an. Am Anfang der Stadt lassen wir unsere Utensilien ausladen und verabschieden uns von den Zwei. Sie müssen jetzt wieder 600 km zurück fahren und wir dürfen noch paar km in die Stadt radeln um ein Hotel zu finden. Relativ schnell finden wir das Huili Business Hotel und nehmen uns hier eine Unterkunft. Wir werden 3 Tage hier verweilen und u.a. die Chinesische Mauer besuchen.

Ein Tag in Hami 03.09.2013

Nach unseren Erlebnissen in der Wüste draussen, entschliessen wir uns das nächste Teilstück von Hami nach Jiayugan mit einem motorisierten Vehikel zurück zu legen. Wir teilen früh am Morgen der Reception unser Anliegen mit. Es geht nicht lange, da kommt der Hotelbesitzer Wang Zhi Yuan zu uns und wir besprechen die Situation. Die eine Receptionistin an meinem Computer (Google Translater sei Dank!) als Dolmetscherin. Nach einer guten Stunde und diversen Abklärungen wird uns ein Auto zugesichert. Abfahrt am 04.09.2013 um 09:00 Uhr. Nun will Wang Zhi Yuan noch allerhand über unsere Herkunft, über unser Land, über uns, über unsere Reise wissen. Im Weiteren fragt er uns, was für ein Auto wir fahren. Er habe ein Audi Quattro und ob ich ihn mal fahren möchte. Ich bejahe und so fahre ich mal eine Runde ums Hotel, er als Beifahrer. Zurück im Hotel lädt er uns ein mit ihm eine Stadtbesichtigung zu unternehmen, was wir gerne annehmen. So fährt er uns mit seinem Audi durch die Stadt. Wir kommen zurück, laden seinen engsten Mitarbeiter ins Auto und weiter geht’s in ein Restaurant. Dort gibt’s ein feines Mittagessen vom ihm spendiert. Nachdem wir satt sind fahren wir zurück zum Hotel. Nun geht Wang Zhi Yuan mit uns zu einem Strassenverkaufsstand und kauft für uns eine Melone, fühlt einen Sack mit Trauben verschiedener Sorten und übergibt diese uns. Wieder zurück im Hotel sitzen wir zusammen, unterhalten uns wieder wie gehabt und essen dabei die Melone. Plötzlich steht Wang Zhi Yuan und kommt mit einem Döschen Tigerbalsam und einem kleinen chinesischen Fläschen mit Schnaps zurück und übergibt uns diese als Geschenk. Es ist später Nachmittag als wir uns voneinander verabschieden. Am Abend um 19 Uhr setze ich mich in der Lobby  in einen Sessel und will unsere Homepage aktualisieren, da kommt der engste Mitarbeiter vom Hotelbesitzer und erklärt uns, dass das Auto morgen nicht kommen könne, da es defekt sei! Nun fängt das Ganze wieder von vorne an. Er erklärt mir, dass sie für einen Ersatz schauen und die Receptionistin beschwichtigt mich, dass ich nicht traurig sein solle! Wir seien ihre Freunde und sie möchten uns helfen. 4 Personen inklusive Wang Zhi Yuan, der mittlerweile wieder zu uns gestossen ist, kümmern sich jetzt lautstark, mit Mimik und Gestik und Handys um ein Auto. Es kommen Taxifahrer vorbei und schauen sich unsere Velos an und ob diese zusammenklappbar wären. Sind sie nicht! Nach über zwei Stunden endlich das erlösende: Wir haben eine Transportmöglichkeit für Morgen! Wang Zhi Yuan entschuldigt sich immer und immer wieder für das Malheur und lädt uns ein, mit ihm Nachtessen zu gehen. Also gehen wir. Es ist prima und obschon wir keinen Hunger haben essen wir alles auf und können dazu erst noch ein feines Bier trinken. Zu später Stunde kommen wir ins Hotel zurück und verabschieden uns. Wir gehen in unser Zimmer. Ein langer, intensiver Tag findet seinen positiven Abschluss.

In Gobi Wüste vom Winde verweht 25.08.- 02.09.2013

Nach unserer Pause in Korla geht es nun weiter Richtung Turpan und der Turpan Senke, welche am tiefsten Punkt über 150 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Wir sind gespannt, was uns der weitere Weg alles zu bieten hat. In Kumusch einem kleineren Ort fragen wir drei verschiedene Personen, ob wir das Zelt zur Übernachtung aufstellen dürfen. Jede Person weist uns wieder weg, offenbar wollen sie keine so komischen Langnasengesichter in ihrer Umgebung! So fahren wir einen Kilometer unseren gekommenen Weg wieder zurück und können dort durch eine von uns gesichtete Öffnung des Autobahn Schutzzaunes in die Wüste raus. Hinter einer kleinen Senke und einem davor schützenden Busch stellen wir unser Zelt auf. Es geht auch ohne Kumuscher! Am nächsten Tag ist wieder mal ein klein wenig Höhenluft angesagt. Unsere Strasse führt wieder durch das Tian Shan Massiv. In Toksum finden wir ein Hotel. Die Dame weist uns zuerst weg, überlegt es sich aber anders. Sie verlangt unsere Pässe aus denen sie die Seite mit den Fotos raus reissen will! Nach unserer energischen Intervention lässt sie es zum guten Glück aber sein. Auf unserer Weiterfahrt erreichen wir durch die trostlose Wüste Turpan. Hier fragen wir uns: „Kann Wüste noch wüster sein?“ Ja, das kann sie, zusammen mit Wüstenwinden! Nun beginnen auch die ständigen Gegenwinde wieder heftiger zu werden. Die Strasse steigt aus der Senke stetig empor und der starke Gegenwind versucht den zwei Fahrrad fahrenden Spezies den Garaus zu machen. Was ihm schlussendlich auch gelingt! Auf einer Meereshöhe von knapp 1150 Metern kapitulieren wir. Es gelingt uns die Autobahn zu verlassen und das Zelt für die nächste Nacht unter einer Brücke aufzustellen. Um Mitternacht geht es erst richtig los. Stürmische Winde drohen unser Zelt mitzunehmen. Und dies dauert bis in die frühen Morgenstunden. Wir können kaum ein Auge zudrücken und sind entsprechend schlapp als wir aufstehen. Die Fahrräder sind gepackt, wir stellen ein Velo nach dem anderen auf die Autobahn als es wieder losgeht. Der Wind fegt Böen artig vom nahen Gebirge in die Gobi Wüste raus. Wir können uns kaum auf den Beinen halten, geschweige denn auf die Fahrräder sitzen. So geben wir uns geschlagen und gehen wieder zurück unter die Brücke, können mit äusserster Mühe und Not unser Zelt wieder stellen und kriechen rein. Wir haben Hoffnungen, dass wir heute doch noch irgendwann losfahren können. Aber je länger der Tag dauert, je grösser schwinden diese Hoffnungen. Der Wind tobt den ganzen Tag. Und was machen wir? Wir essen, trinken und hören Musik, auch den ganzen Tag. Kurz nach Mitternacht lässt zum Glück der Wind nach und wir können schlafen. Am Morgen beim Aufstehen herrscht Windstille, wir pressieren beim Packen, es könnte ja sein, dass er uns wieder besuchen kommt, der Wind. Wir fahren los und unsere Befürchtungen bewahrheiten sich. Nach über 2 Stunden unterwegs haben wir sage und schreibe 13.5 km auf dem Tacho. Mehrmals holt uns der Wind von den Rädern. Wir müssen über mehrere Kilometer die Velos mit äusserster Kraftanstrengung schieben, manchmal schaffen wir nicht mal dies und müssen uns stehend gegen den Wind stemmen. Fast sieben Stunden und 60 Kilometer später hat uns der Wind geschafft!  Wir können ein Auto des Autobahnunterhaltungsdienstes aufhalten, dieses nimmt uns 70 km mit, bis zu ihrem Stützpunkt. Dort können wir in einem Restaurant etwas essen, neue Kräfte schöpfen und warten. Tatsächlich lässt der Wind nach und so können wir noch gut 10 km bis zu einem geeigneten Zeltplatz fahren. Wir fragen bei einem Bauern um Erlaubnis das Zelt stellen zu können. Er weist uns einen Platz an. Das Zelt steht noch nicht, kommt ein Auto vorgefahren, der Mann sieht uns mit grimmigem Blick und geht zu der uns zusagenden Person. Eine heftige Diskussion entsteht, wir merken, die eine Person will uns, die andere will uns nicht. Schlussendlich können wir bleiben. Wir versuchen mit der uns nicht gut gesonnen Person zu reden, welches uns zunächst nicht gelingt. Und weil wir wissen, dass die Chinesen sehr neugierige Leute sind, versuchen wir es mit einem Trick. Wir packen unseren Laptop aus und fangen an darauf zu schreiben. Ein Minute später sitzt der Mann neben uns und will schauen was wir denn so alles auf diesem Gerät hätten. Und nun ist der Bann gebrochen, er steht auf, kocht Schaffleisch, füllt einen grossen Teller und isst mit uns zusammen Schaffleisch (welches wir überhaupt nicht lieben!) und serviert dazu einen Wodka ähnlichen Schnaps. Nach paar Fleischbrocken und paar Gläser dieses Getränkes sind wir froh, heute nicht mehr Radfahren zu müssen. Wir hätten es womöglich nicht geschafft… ! Am darauf folgenden Morgen, die Sonne scheint bereits in unser Zelt, verabschieden wir uns dankend. Die Fahrt geht fliegend Richtung Hami unserem Etappenziel zu. Wir haben heute zur Abwechslung mal Rückenwind! Eingangs Hami erwischt es mich schon wieder. Wieder mal platten am Fahrrad. Wir pumpen und hoffen, ein Hotel zu finden bevor die Luft wieder draussen ist. Wir müssen 5-mal pumpen! Das erste Hotel will uns nicht, das Zweite ist besetzt, erst beim Dritten klappt es. Wir bleiben hier einen Ruhetag lang, bevor es weiter geht Richtung Chinesische Mauer, welche noch 600 km von uns entfernt ist.