El Chalten – El Calafate und Glacier Perito-Moreno

Wir pedalen auf guter, geteerter Strasse unserem nächsten Zwischenziel, El Calafate entgegen. Mit gutem Rückenwind fliegen wir nur so über den Asphalt. Bis die Strasse eine Richtungsänderung macht, da wird aber gehörig gebremst. Plötzlich hält ein Auto neben uns und eine schweizerdeutsch sprechende Stimme redet mit uns. Ob sie uns irgendwie behilflich sein könnten. Mein Antwort: ja mit einem Bier. Die zwei steigen aus dem Auto und bringen uns ein Bier!! Wir sind sichtlich überrascht von dieser Spontanität. Wir diskutieren lange mit den zwei Schweizern aus Arisdorf. In der Hitze des Gefechts vergessen wir glatt eine Foto von ihnen zu schiessen. Vielleicht reicht ihr uns diese noch nach, wenn ihr diese Zeilen lest………
Uebrigens: Das Bier geniessen wir am Abend SEHR……
Nach über 100 gefahrenen Kilometern machen wir in La Leona den Nachtstopp. Die weitere Fahrt geht über hügelige Landschaften, der Wind hält sich vorerst an gute Vorsätze. Auch jetzt macht die Strasse wieder eine Richtungsänderung, auch jetzt haben wir den Wind wieder im Gesicht. So beschliessen bei einer Estancia im Zelt zu übernachten und bei hoffentlich keinem Wind am nächsten Morgen die restlichen 32 km bis El Calafate in Angriff zu nehmen. Wir stehen früh auf. Unsere Annahme bestätigt sich, kein Wind und wir können ohne Naturbremse in Calafate eintrudeln. Heute gibt’s für uns wieder mal ein Hotel als Unterkunft. Um die Mittagszeit holt uns der Bus ab, der uns zum 80 km entfernten Glacier Perito Moreno bringt. Wir staunen sehr ab der wunderschönen Gletscherwelt.

Wenn Grenzübertritte in die Knochen gehen….

Heute gilt es ernst. Es geht um den mit dem Fahrrad wohl schwierigsten Grenzübertritt den es gibt. Wir lassen all unser Gepäck auf dem Campingplatz stehen, ausser einem Sack mit Essen und Trinken. Das Gepäck wird uns durch Senior Ricardo mit Traktor und Wägelchen an die Grenze gestellt.
Die vier deutsch-französischen Freunde sind besorgt, dass denn wirklich auch alles von unseren Sachen aufgeladen werden wird, während wir ja bereits unterwegs sind.

Um acht stehen wir an der Grenzstation. Der Beamte ist gerade am Büro putzen. Als er uns sieht, öffnet er die Türe und heisst uns hereinkommen. Er nimmt die Pässe und schreibt unsere Namen, Adressen und Pässe-Nr. in ein Buch. Elisabeth’s Pass vergleicht er noch mit der internationalen Fahndungsliste, sie könnte ja eine gesuchte Terroristin sein….. Am Schluss der Prozedur gibt  dem Beamten irgend was zu denken. Er fragt uns, ob wir nach Chile einreisen, oder ausreisen. Auf unsere Antwort gibt er nun ein lautes: Aaaahhhh vor sich! Er hat alle unsere Daten in ein falsches Buch geschrieben. Also nochmals von vorne und diesmal richtig! Nach 20 Min. ist der Grenzübertritt geschafft und wir können unsere heutige schwierige Etappe in Angriff nehmen. Es geht auf einem Fahrweg steil nach oben. Grosse, lose Steine und Schotter bilden den Weg. Fahren unmöglich. Also wieder: wer sein Rad liebt der schiebt! So geht es ganze 6 km hoch. Das meiste Schieben, mit vollem Gepäck wäre dies ein schwieriges Unterfangen geworden. Nach 6 km kommen wir in ein flacheres Gebiet mit gutem fahrbarem Weg und herrlicher Landschaft. In weiter Ferne sehen wir schon den Fitz Roy, einfach grandios! So kommen wir 2 ½ Std. und 16 km später an der Grenze an. Nun warten wir auf unser Gepäck. Eine halbe Stunde später kommt Senior Ricardo mit unserem Gepäck und mit den gestrigen Campingkumpanen bei uns an.

Was nun folgt ist eine menschliche Schinderei! Wir müssen mit vollem Gepäck weitere 6 km schieben bis an den Lago Desierto. Ein Auf und ein Ab. Der Weg, ein zum Teil sehr schmaler, oftmals auch tiefer Wanderweg, Steine, Wurzeln, tiefe Gräben. Das Gepäck bleibt überall hängen.

Oftmals müssen wir die Velos entladen und Stück für Stück weiter tragen. Es geht durch Sümpfe, auf Holzstämmen über Bäche. Akrobatik und Kraft ist gefragt. Wir kämpfen um jeden Meter, es fordert uns. Alles hier zu beschreiben ist unmöglich!
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Aber wir schaffen es und nun stehen wir an der argentinischen Zollstation am Lago Desierto und empfangen den Einreisestempel in den Pass. Nun erwarten wir die Fähre. Sie wird um 5 Uhr kommen und uns abholen und ans andere Ende des Sees bringen. Dort nehmen wir ein Camping, stellen unser Zelt zum Uebernachten. Wir sind schlapp, kochen , essen und sind froh, dass wir heute nicht mehr weiter müssen! Nun sind es noch 37 km bis El Chalten. Ein gemütliches Ausrollen bis zum nächsten Standort, wo wir zwei Tage bleiben werden. Dies haben wir uns so gedacht. Aber wieder nix. Obschon das meiste flach und der Wind uns schiebt, ein ordentliches Fahren ist unmöglich. Die Strasse ist eher unter Bachbett einzustufen. Aber wir kommen, wenn auch später als gedacht, in El Chalten an und geniessen dies! Nach über x-hundert km Schotterpiste, nach endlosen Kilometern schütteln, rütteln und hüpfen – wieder mal auf Asphalt locker fahren. Was für eine Erholung. Nun werden wir die nächsten zwei Tage unsere Körper regenerieren, die Köpfe frei machen und das Material etablieren.

Uns fit trimmen für die nächsten Etappen…..

Lago O’Higgins – Glacier O‘Higgins

Wir fahren heute zeitig los, müssen wir doch um acht Uhr an der Anlegestation der Fähre sein. Eine gute halbe Stunde hat man uns gesagt, habe man dorthin.Dies trifft auch zu. Nun fahren wir mit dem Schiff zuerst nach Candelaria Mansilla, dort steigt ein Teil der Leute aus. U.a. auch eine Gruppe von 6 ital. Radlern. Die wollen heute noch über den Pass nach Argentinien! Wir zwei müssen unsere Räder und unser Gepäck auch vom Schiff nehmen. All dies lassen wir bei der Anlegestation zurück und fahren mit der Fähre zum Gletscher. Was für ein grandioser Blick.

Schon während der ganzen Fahrt können wir uns kaum sattsehen von der wunderbaren Landschaft! Und erst der Gletscher. Wundervoll, und das bei schönstem Wetter! Um halb fünf sind wir wieder in Candelaria Mansilla der chilenischen Grenzstation. Unsere Räder stehen noch hier, wir nehmen diese und gehen zum nahe gelegenen Camping. Alles schieben! Gut sind es nur etwa 500 m, bis dorthin, aber das genügt. Dort treffen wir auf Senior Ricardo. Er wird Morgen unser Gepäck mit einem Traktor bis zur Grenze bringen. So können wir die Velos unbeladen bis dorthin fahren. Wenn den fahren überhaupt möglich sein wird! Auf dem Zeltplatz hier sind nur wir, sowie 2 französische und 2 deutsche Freunde. Wir können heute Abend bei Senior Ricardo das Abendessen einnehmen. Am Lagerfeuer lassen wir den Abend dahin gleiten. Der Blick auf den Lago O’Higgins ist bezaubernd. Ein herrlicher Tag geht vorüber und wir verkriechen uns ins Zelt. ……unsere Gedanken sind schon beim morgigen Tag! 

Patagonische Schönheit und Carratera Austral

Die restlichen 240 km der Carretera Austral liegen noch vor uns. 240 km einsame Kilometer in patagonischer Schönheit und Wildnis. Was wird sie uns alles für Ueberraschungen bereit halten? Also nehmen wir sie in Angriff. Kurz nach Cochrane fängt die ruppige Stasse an zu steigen, in wilder und schöner Berglandschaft. Es geht über einen Pass, der hat es in sich. Zum Teil giftige Steigungen in losem Schotter, kaum zu fahren. Also: wer sein Rad liebt – der schiebt! Nun kommt noch der Regen dazu. Dieser will uns auch noch ein wenig ärgern. Da kommt uns ein leerstehender Holzschuppen an der Strasse gelegen, gerade recht. Wir stehen darunter und beschliessen etwas für unser leibliches Wohl zu tun. Wir Kochen und Essen. Falls Petrus den Beschluss fassen würde, dem Regen ein Schüttverbot zu erteilen, könnten wir immer noch weiter fahren. Wir essen ein vorzügliches Menu. Aber Petrus hat kein Einsehen mit uns. So stellen wir kurzerhand unser Zelt im Schuppen und verbleiben die Nacht unter dem schützenden Dach. Es schifft die ganze Nacht…..

Doch am anderen Tag können wir weiterfahren, kommen wiederum auf übelstem Terrain über Berge und stehen nun in Puerto Yungay, Ende der Strasse und warten auf die nächste Fähre die uns weiterbringen wird. Diese fährt abends um sechs. Das letzte Schiff ist um zwölf Uhr gefahren. Es ist jetzt genau fünf nach…..zwölf!  In nicht mal 200 m Entfernung sehen wir nur noch den Hinterteil des Schiffes!  Wo haben wir denn nur die 5 Minuten liegen gelassen?? Also warten und trinken und essen wir und geniessen das warme Wetter. Und schon ist es sechs und wir werden über den See geschifft. Es geh weiter in schönster patagonischer Landschaft. Es ist heiss, grosse Bremsen sind sehr blutdrünstig und fressen einem fast auf. Es gilt nun lange schwierige Aufstiege zu bewältigen. Wir kämpfen gegen die Natur und gegen uns selber. In einem Bergbach machen wir Körperpflege, befreien uns von Kleidern, Staub, Schweiss und Dreck. Kurz von O’Higgens kommen wir an einem wunderschönen See vorbei. Die Berge spiegeln sich darin. Herz was willst du mehr? Wir kommen nun am Ende der Carreterra Austral und nach über 1300 km in Villa O’Higgens an. Diese Strasse beinhaltet alles: Schönheit, Anmut, Arroganz, Schinderei, Freiheit, Schweiss, Gefangenschaft, Sanftheit, Rauheit, Härte, Weichheit, Edelmut, Ruhe, Romantik, Sturm und Abgeschiedenheit!

Und plötzlich: vergessen sind all die Qualen vergangener Tage!

Die Carretera Austral – was für eine Strasse!!

Von Coyhaique nach Cochrane

Vorerst macht das Wetter mit, es ist schön, mit sehr starkem Wind. Der Wind soll uns mal recht sein, wir haben ihn im Rücken. Wir sehen wunderbare Landschaften und geniessen sie. Obschon die Strecke sehr coupiert ist und sich die Strasse über den Ibanez Pass schlängelt, 1120 Meter über Meer liegend.

Nach Villa Cerro Castillo hat der patagonische Wind kein Erbarmen mehr mit uns. Auf der Wellblechpiste werden wir mehrmals fast von der Strasse gefegt, statt fahren heisst es vielfach laufen, sofern wir können und nicht die Räder gegen den Wind stemmen müssen. Zu allem Unheil setzt auch starker Dauerregen ein. Wir kämpfen, wie eben richtige Emmentaler kämpfen, gegen Wind, Regen, Strassenschotter. Aber nach fast fünf Stunden und vierzig Kilomtern Kampf, gegen die Naturgewalten geben wir auf! Wir sehen ein abgelegenes Gehöft und fragen den Bauern, ob wir das Zelt stellen können. Er weist uns einen Platz unter jung gepflanzten Fichten zu, dort sind wir einigermassen von Wind und Regen geschützt. Das Wasser läuft uns schon lange zu den Schuhen raus. Bei solchen Bedingungen helfen auch die besten Kleidungsstücke nicht mehr.
Heute zweifeln wir erstmals an unserem Vorhaben.So ist es nicht lustig, so macht es definitiv keinen Spass!
Das Zelt ist schnell aufgestellt, wir schmeissen alles unser Zeugs ins Zelt und kriechen in die Schlafsäcke und wärmen uns auf. Schlimmer kann es kaum mehr werden! Na ja, der Morgen danach ist auch nicht gerade motivierend! Wir kriechen aus unserem Zelt, es regnet mittlerweile nicht mehr, aber es ist bitter kalt. Bei 3 (drei!) Grad Celsius ziehen wir unsere feuchten Kleider an und schlüpfen in nasse Schuhe. Soll uns eine(r) fragen, ob wir denn nicht kalte Füsse bekommen hätten……….


Aber Petrus hat wohl Erbarmen mit uns zwei und lässt wieder mal die Sonne lachen. So lachen wir auch wieder und die Kleider und die Schuhe……ja, das war mal! Wir können auf unserer Fahrt den Lago General Carrera, den zweit grössten See von Südamerika bewundern und geniessen und kommen in Puerto Tranquilo an, einem wunderschönen kleinen Ort.

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Am Lago General Carrero

Hier besichtigen wir die Catetrales de Marmol. Unsere Strasse führt uns nun durch sehr bergige, wunderschöne Landschaften bis nach Cochrane.

auf der Carretera Austral durch Patagonien

Wir sind froh, dass es endlich weiter geht und wir Puerto Montt verlassen können. Dieser Ort findet im Ranking nicht unbedingt unter die Top hundert der sehenwertesten Städte dieser Welt!
Die Fährgesellschaft fordert uns auf, sich um Mitternacht im Hafen einzufinden. Wir können nicht nachvollziehen warum, denn das Fährschiff fährt um 03.00 Uhr erst los.
Also sind wir um 24 Uhr, wie geheissen vor Ort  und warten. Um 02 Uhr werden wir Radler als erste auf die Fähre beordert, welche dann auch pünktlich um 03 Uhr loslegt.
Zehn Stunden später kommen wir in Chaiten an.

Nun hat sich die Wettersituation grundlegend geändert. In Santiago noch bei über 30 Grad, erdulden wir jetzt Temperaturen von 5 bis 20 Grad. Sonnenschein ist die Ausnahme, Regen die Regel und der Wind gehört zu Patagonien wie Salz in die Suppe. Und Salz fehlt in dieser, …..meistens nie…. Bis jetzt haben wir Glück, vielfach unterstützt er unsere Beinarbeit. Und mit dieser geht es die ersten 40 km auf Teerbelag, zugleich werden es vorläufig dann auch die Letzten sein…! Die Strasse ist mal ruppig, mal wellig, mal löchrig, oder gleich alles zusammen auf einmal und mal ähnelt sie einem Bachbett, wo ein zügiges Vorankommen nur ein Wunschdenken ist. Aber wir geniessen die Fahrt in diesen einsamen Gegenden in wunderbaren Landschaften. Die Carretera Austral ist in den nächsten Wochen unserer Wegweiser. Was wird sie uns noch alles zeigen?

Wir kommen an Silvester in La Junta an und suchen eine Unterkunft. Aber doch nicht an Silvester……da haben wir geschlossen und feiern, kommt doch nächstes Jahr wieder. Dies scheint die Devise hier zu sein. Nach x-vergeblichen Versuchen geben wir es auf und gehen zum einzigen Hotel in diesem Nest, dafür ist es teuer! Auf unseren vergeblichen Versuch den Preis runter zu handeln, meint der Chef, dass wir hier nicht auf dem Markt seien! Also beissen wir in den sauren, resp. teuren Apfel. In Porto Poyuhuapi einem kleinen idillischen Ort am Meer gelegen bleiben wir einen Tag. Dieser Ort wurde am 10. Januar 1935 von 4 Deutschen gegründet. Von einer Tochter des einen Gründers, erfahren wir so manches und spannendes über die Entstehungsgeschichte. Von hier aus radeln wir bis in den Nationalpark Queulat, wo wir die nächste Nacht im Freien übernachten. Für einmal ist uns Petrus gut gesinnt, die Sonne scheint, wir bestaunen den Hängegletscher und wir können diesen Tag und die Nacht im Park so richtig geniessen. Die Weiterfahrt bringt uns schlussendlich wieder mal in eine grössere Stadt, nach Coyhaique .

Einen Tag wollen wir hier bleiben und uns für die Weiterreise rüsten.