Fazit der Fahrradreise Santiago de Chile – Ushuaia

ushuaia

Die Befahrung der Carratera Austral und Patagonien gehört der Vergangenheit an. Zeit eine Bilanz zu ziehen. Wenn uns gestern jemand gefragt hätte, ob wir diese ganze Reise mit dem Fahrrad nochmals machen würden, hier die Antwort: Nein!
Warum?
Die Bewältigung dieser Strecke ist eine körperliche Schinderei, Strassenverhältnisse die zum Teil das Vorstellungsvermögen sprengen, dazu kommen die zum Teil extremen Wetter-/Windverhältnisse.
Wir haben uns für diese Reise gut vorbereitet, wussten was auf uns zukommen wird. Wir waren auch bereit für diese Herausforderung zu Leiden. Aber dermassen viel ein- und wegzustecken, das übertrifft die Leidensbereitschaft.
Dazu kommt die Ueberflutung der Haupttouristencentren durch Besucher und die zum Teil überrissenen und schamlosen Preise in Patagonien.
Jawohl, Patagonien kann man haben, aber es ist nicht billig!

Aber: dafür bieten die Carretera Austral und Patagonien landschaftlich dermassen viel, dass man dar ob all die gehabte Plagerei vergisst. Dazu kommt der einzigartige Grenzübertritt Candelario Mancilla – Lago del Desierto. Und genau dies ist es eben, das den Unterschied ausmacht . Solche Erlebnisse sind wie das Salz in der Suppe!

Und…..wenn uns heute jemand fragt, ob wir diese ganze Reise mit dem Fahrrad nochmals machen würden, hier die Antwort: Vielleicht!

Also frage uns doch morgen!!

 

Tierra del Fuego

Nun nehmen wir noch den letzten Teilabschnitt unserer Fahrradreise von Santiago de Chile nach Ushuaia in Angriff: Die Insel Tierra del  Fuego (Feuerland). Bereits am Morgen um Acht müssen wir uns an der Anlegestation der Fähre einfinden, welche uns von Punta Arenas über die Magellanstrasse auf die andere Seite nach Porvenir bringt. Um neun Uhr sollte die Fähre losfahren, aber für dieses Mal ist eine grösser Verspätung angesagt. Die Fähre ist schon fast voll geladen, als ein Busfahrer merkt, dass er wohl nicht auf diesem Schiff sein sollte. So heisst es nun, Schiff auslaufen, Schiff wenden, Schiff anlegen, Bus aus dem Schiff, Schiff auslaufen, Schiff wenden, Schiff anlegen, weitere Fahrzeuge dazuladen. Die Ueberfahrt dauert rund 2 ½ Stunden auf recht unruhiger See. Sich im Schiff gehend bewegen ist manchmal eine schiere Unmöglichkeit.

In Porvenir setzen wir uns aufs Fahrrad und setzen unsere Reise fort, für die nächsten über hundert km zur Abwechslung wieder mal auf Schotterstrasse. Der Wind ist uns zuerst feindlich gestimmt, ändert dann allerdings seine Meinung. Und das allerdings sehr agressiv. Die Windböen fegen uns über die Piste, ob abwärts, eben und aufwärts, alles geht fast von alleine! Mehr Mühe haben wir viel später mit dem Zelt stellen. Obschon bei einer Estancia, ein wenig windgeschützt, wirbelt er unser Hotel immer wieder durch die Luft und wir müssen höllisch aufpassen, dass er es uns nicht wegnimmt. Am anderen Tag, der Wind weht nur noch halb so stark, aber immerhin in unserem Rücken. Kurz vor der argentinischen Grenze treffen wir auf 2 belgische Radler, sie sind in der Gegenrichtung unterwegs und warten, warten auf ein Auto das sie mitnimmt. Für sie: fahren mit dem Velo, schier unmöglich!
Wir beschliessen am chilenischen Zoll zu übernachten und erst Morgen aus Chile auszureisen.
Wir schlafen gut, aber am Morgen regnet es in Strömen und es ist kalt. Also warten wir noch eine zeitlang bis wir uns auf den weiteren Weg begeben. Die chilenische Zollprozedur geht schnell vorbei und nun haben wir also die letzten 16 km Schotterstrasse bis Ushuaia unter den Rädern. Der argentinische Zoll arbeitet auch kundenfreundlich, schnellstens sind die Formalitäten erledigt und wir nehmen Kurs auf Rio Grande. Leider gelingt es uns nicht, die Etappe trocken zum Abschluss zu bringen. Es fängt wieder an zu Regnen und so sind wir bereits geduscht als wir im Etappenort ankommen. Auch auf unserer Weiterfahrt begleitet uns das typische Tierre del Fuego-Wetter. Regen, Wind, Sonne, kalt, wärmer etc. An dies haben wir uns mittlerweile gewöhnt, aber nicht an den Strassenverkehr. Auf der einzigen und schmalen Strasse nach Ushuaia herrscht immenser Verkehr und zum Teil wird hier gerast, was die Boliden hergeben! Bereits 25 km vor der Ortschaft Tolhuin weist ein riesiges Schild auf die dortige Panaderia (Bäckerei) hin. Wir steuern diese an, da man als Fahrradtourist hier eine Gratisunterkunft zur Verfügung gestellt bekommt. Die Bäckerei ist riesig, die Kundschaft noch riesiger. Es wimmelt hier nur so von Leuten. Nach langer Fahrt genehmigen wir uns hier Essen und Getränk und schon kommt der Chef bei uns vorbei und gibt uns zu Verstehen, dass wir bei ihm übernachten können. Machen wir natürlich gerne. Es sind noch rund ein Dutzend andere Velofahrer hier einquartiert in einem eigens dafür eingerichteten Raum. Da wir bei ihm offenbar einen Altersbonus geniessen, gibt er uns ein Zimmer in seiner Unterkunft. Muchas Gracias.
Nun geht es nur noch gut hundert km bis Ushuaia, dazwischen liegen noch der Garibaldipass, Windböen und Regen. Nach über zweieinhalb Monaten auf Tour kommen wir nun in der südlichsten Stadt der Welt an. Hier werden wir uns ein bisschen umsehen, den Flug nach Buenos Aires buchen und alles Schöne geniessen!

 P1010884

Fahrt zur Magellanstrasse

Wir sind nun noch zweihundertvierzig Kilometer von Punta Arenas an der Magellanstrasse entfernt. Diese sollten wir meistens mit Rückenwind fahren können, theoretisch gesehen. Wir starten, es regnet, aber der Wind fehlt! Jetzt wo wir ihn mal gebrauchen könnten. Die ersten paar Kilometer steigt die Strasse stetig, bis sie dann mehr oder weniger auf der gleichen Höhe verläuft. Der Regen wird immer heftiger und es ist kalt. 6 Grad Celsius und zum Teil heftiger Regen……nicht das Schönste dieser Erde. Im Nichts draussen steht für uns unverhofft ein Hotel, keine Frage, wir buchen für eine Nacht. Der darauf folgende Morgen zeigt sich ziemlich freundlich. Es ist wohl ziemlich stark bewölkt und es windet heftig.  Rückenwind, Juppee! P1010789 Wir steigen P1010796auf die Räder und der Wind nimmt uns mit.  Wir fliegen…..sogar bergwärts können wir eine beachtliche Geschwindigkeit aufrecht halten. Plötzlich hält ein Auto neben uns.  Es sind zwei Gästevom Hotel letzte Nacht. Sie laden uns zu sich nach Hause in Punta Arenas ein. Wir sollen doch unsere Fahrräder gleich aufs Auto laden, was wir auch machen.

In Punta Arenas erklären sie uns die Stadt, buchen für uns ein Hotel bei Freunden, bevor es zu ihnen nach Hause geht. Dort werden wir mit Bier, einem feinen Essen mit Dessert verwöhnt.

 P1010799P1010795

Zusammen mit ihren zwei Söhnen und drei Freunden geniessen wir paar schöne Stunden, bevor sie uns zurück ins Hotel bringen.

Muchas gracias Nina y Mario!

P1010800

Torres del Paine 04. – 06.02.15

Um halb acht fährt der Bus ab Busbahnhof zum Eingang des Nationalparks Torres del Paine. Da uns der Weg von unserem Hostel zum Bahnhof ein wenig zu weit erscheint um mit Sack und Pack dorthin zu marschieren, bestellen wir am Vorabend ein Taxi. Das Taxi erscheint natürlich nicht und so muss uns Frau Hostelbesitzerin dorthin führen. Die Fahrt mit dem Bus zum Eingang des NP geht nicht ohne Panne vorüber. Auf halber Distanz versagt der Bus seine Dienste und wir stehen unvermittelt am Strassenrand und warten auf die Dinge die da kommen werden. Nach etlicher Zeit kommt ein Ersatzbus vorgefahren und wir können mit all unseren Sachen umsteigen. Nun geht es weiter. Am Parkeingang werden noch die Personalien aufgenommen, nicht ohne, uns vorher über all unsere Pflichten aufmerksam zu machen. Im Unterlassungfall  drohen so und soviel Busse oder/und Haft. Nun geht es zu Fuss zu unserem Camp weiter, wo wir unser Zelt aufstellen.

Am darauf folgenden Morgen machen wir uns ziemlich früh auf die Socken um zu den Torres del Pain empor zu steigen. Nach geraumer Zeit und nicht ohne zu Schwitzen, kommen wir dort an. Was wir hier sehen, verschlägt uns fast der Atem. Majestätisch stehen da die Torres del Pain im Licht und Schatten der Sonne. Wir stehen und sitzen da und staunen. Es ist der pure Wahnsinn! So was von Schönheit und Natur! Nach geraumer Zeit machen wir uns wieder auf und nehmen den Abstieg in Angriff. Wir übernachten nochmals im Camp Chileno. Am nächsten Morgen gehts weiter nacht unten, zuerst wieder zu Fuss zum Eingang des Parks und schlussendlich mit dem Bus wieder zurück nach Puerto Natales. Drei wunderschöne Tage, in herrlichster Natur, gehören der Vergangenheit an.
P1010774
Leider werden die Erlebnissen getrübt durch die horrenden Preise für den Eintritt in den NP, die dortige Möglichkeit Essen und Trinken zu überrissenen Preisen zu konsumieren. Im Camp Chileno exakt das selbe! Und nicht zuletzt: Was wir zwei nicht brauchen, sind Völkerwanderungen in den Bergen. Zum Teil ging es in Einerkolonne den Berg hoch. Fazit: Das Erlebnis war schön, die Begleitumstände nicht!

Vom Winde gestoppt!

Bereits verlassen wir Calafate, es geht weiter Richtung Puerto Natales. Unsere Gepäcktaschen sind vollgestopft mit Proviant und Essen für mindestens vier Tage. Das Abstimmen, was und wieviel Essen mitnehmen, ist nicht so einfach, überqueren wir auf dieser Etappe doch wieder die Grenze zu Chile. Und nach Chile dürfen strikte KEINE Esswaren eingeführt werden.
Bald führt die Strasse auf einen Pass. Zehn Kilometer nur bergauf. Oben können wir uns nicht so sehr freuen, haben wir doch wieder mal sehr starken Gegenwind. Hinter einem Hügel, weit und breit die einzige Möglichkeit, sichtgeschützt zu Zelten, bleiben wir. Es dauert nicht lange, kriegen wir Besuch von einem Australier der mit dem Fahrrad nordwärts fährt. Er biwakiert gleich neben uns.       

Am nächsten Morgen geht’s weiter nun wieder auf Schotterstrasse – sie verdient den Namen Strasse definitiv nicht! Im acht Kilometer pro Stunde Temporausch kommen wir voran! Irgendwo im Nichts draussen ersichten wir eine Polizeistation, wo wir erneut unser Nachtlager aufstellen. Wir dürfen die dortige Küche benutzen.
Wir haben noch 40 km dieser elendiglichen Piste vor uns. Da wir uns vor Gegenwind fürchten sind wir schon um halb sieben auf den Rädern und wir haben Glück. Der Wind lässt uns lange in Ruhe, bevor er sich vom Nickerchen erhebt. Aber da sind wir schon fast im Ziel der Tagesetappe. Der Wind pfeifft nun entgegen seinen Gepflogenheiten die ganze Nacht in der Gegend rum. Den ursprünglichen Plan, am nächsten Morgen wieder dermassen früh unterwegs zu sein, können wir bei Tagesanbruch gleich vergessen. Alles was wir hören ist Wind! Trotz diesem Umstand machen wir uns vor, halt etwas später, gleichwohl die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. Dies wird sich später als Fehler erweisen. Zunächst stemmen wir uns gegen den Wind, aber der Wind behält heute die Oberhand. Es gelingt uns nicht mehr auf den Rädern zu sitzen, wir schieben, sofern dies überhaupt noch geht. Plötzlich wird auch dies unmöglich. Wir kommen nicht mehr weiter. Nach über zwei Stunden haben wir immerhin ganze 12 km geschafft und…. wir sind geschafft….! Wir sitzen an den Strassenrand und hoffen eines der hier spärlich vorbei fahrenden Autos stoppen zu können, was uns auch innert einer Stunde gelingt. Der freundliche Mann nimmt uns ein Stück des Weges mit, unsere Erleichterung ist unüberhörbar. Nach 55 km verabschieden wir uns von ihm, wir haben nun wieder zu kämpfen. Gegen den Wind, hier nicht mehr so stark blasend und über einen Pass an die chilenische Grenze. Auf der anderen Seite runter, zuerst seitlicher Rückenwind. Dieser gefährliche Umstand verhindert, dass wir die Bremsen schonen  können. Am Zoll geht es, trotz vieler Leute relativ schnell, unsere Packtaschen werden nicht mal auf Essvorräte kontrolliert. Nur Fragen stellen die Beamten uns, alle werden von uns verneint. Von einem dort stehenden Bus wurde von sämtlichen Personen alles Gepäck angeschaut! Auf der anderen Seite des Berges runter kommend, macht die Strasse wieder eine Wendung. Wir hätten zwar nicht mehr weit bis Puerto Natales, aber wir wollen lieber diese Strecke in einer und nicht in über drei Stunden durchradeln. So übernachten wir nochmals bei einer Estancia, an einem schönen Bächlein. Wir kochen uns noch was zum Nachtessen. Ja wo sind denn die Nahrungsmittel her? Gute Frage: Natürlich aus unseren Packtaschen! Wir habens an der Grenze probiert…….und einfach Glück gehabt! Zudem schenkt uns die Frau auf der Estancia noch ein Brot! Und was für ein schmackhaftes. Nun sind wir bereits auf den letzten Kilometern bis Puerto Natales. Wie sich im Nachhinein  herausstellt, hätte sich eine Wegfahrt, bereits um sechs Uhr, erübrigt. Der Wind schläft noch…..Aber lieber so, als andersrum.
Morgen geht in den Nationalpark Torres del Paine, wir freuen uns darauf, obschon wir sicher dort nicht die Einzigen sein werden…..