Der mit dem Hund tanzt

Im Nationalpark de Purace, ich habe meine beiden Freunde Bea und Pit längst aus den Augen verloren, treffe ich auf eine Militärpatrouille. Sie fragen mich: de donde, adonde, cuanto tiempo en colombia, de que pais? Entsprechend sind meine Antworten: von Cartagena, Bogota, Pitalito nach Ipales und nachher Ecuador. Seit 6 Wochen in Kolumbien und ich komme aus der Schweiz. Die Militärs geben sich zufrieden und lassen mich passieren.
Gerade will ich aufs Velo steigen, da kommt ein Hund  aus dem Dschungel, kommt direkt auf mich zu und schnüffelt an all meinen Gepäcktaschen. Ein Drogenhund? Ich bin ein wenig verwirrt, steige auf das Fahrrad und fahre los. Der Hund folgt mir. Mal ist er hinter, mal vor, mal neben mir, mich nie aus dem Blickfeld verlassend und es sind nie mehr als circa 50 Meter zwischen ihm und mir. Die haben mir, ohne etwas zu sagen, einen Aufpasser mit auf den Weg gegeben, denke ich. Nach ein bis zwei Kilometern, halte ich an und mache ein Foto von dem Begleiter. Ich fahre weiter, das Tempo ist sehr bescheiden, zu schlecht ist die Naturstrasse und stetig steigend. Das Tier immer um mich herum. In Kurven die er zu schnell und ich zu langsam angehen und er mich plötzlich nicht mehr sieht, kommt er schleunigst zurück und wartet bis ich bei ihm bin oder er kommt zu mir und gibt mit der Schnauze Zeichen oder touchiert schupsender Weise die Gepäcktaschen, als wolle er sagen, dass ich schneller fahren soll. Wenn ich könnte, würde ich! Ich habe Hunger und will was essen und trinken, der Hund lässt dies leise bellend oder ist es mehr ein knurren, kaum zu. Nun fängt es an zu regnen, also schnell mal meine Regenjacke auspacken und anziehen. Ich halte an und öffne eine vordere Gepäcktasche. Kaum ist die Tasche offen ist der Hund bei mir. Er schlägt mit den Tatzen nach mir, auf die Tasche, in die offene Tasche. Die Tasche kann ich nur notdürftig wieder schliessen, dafür dringt später Wasser ein. Ich schaffe es gerade noch, die Jacke anzuziehen, aber nicht mehr zu schliessen. Der Hund gebärdet sich wie wild. Ich schwinge mich aufs Fahrrad und pedale weiter. Der Hund legt wieder ein paar Längen vor, ich halte und schliesse meine Jacke, der Hund bei mir, ich aufs Velo und er gibt wieder Ruhe.
Meine Gedanken festigen sich. Das ist ein abgerichteter Militär-Polizeihund, der mich unter seiner Bewachung auf der anderen Seite des Parks an der Kontrollstation wieder übergeben soll!
Ein Autofahrer kommt entgegen, hält bei mir an und will mir paar süsse Energiespender übergeben, damit ich für die Weiterfahrt genügend Kraft zur Verfügung hätte. Ich schaffe es gerade noch die Süssigkeiten in meinen Mund zu versorgen, das ist der Bewacher neben mir, bellt, knurrt und fordert mich auf zum Fahren. Er ist auch noch böse als ich bereits weiterfahre und gibt das mit Knurren zu verstehen.
Ich habe Durst, ich habe Hunger, ich will endlich mal eine kurze Pause machen und ich sollte eine Notdurft verrichten. Aber aus all dem wird nichts, der Hund lässt dies nicht zu! Mir ist ob all dem richtig elend. Ein Töff Fahrer mit einer Frau stehen am Strassenrand und machen bei meinem Auftauchen eine Foto von mir. Von wo, wohin, fragen sie mich. Und all dies mit dem Hund? Nein, der gehört mir nicht, das ist der Hund vom Militär! Der Hund drängt mich zur Weiterfahrt. Nun komme ich in ein kleines Dorf am Rande des Parks. Wo ist denn die Polizei, wo das Militär? Verzweifelt halte ich Ausschau nach einem Kontrollposten. Da ist aber nichts dergleichen. Dafür werde ich von bellenden Hunden die auf mich zustürzen in Empfang genommen und mir, so scheint es, nach dem Leben trachten. Diese tollwütigen Kerle haben die Rechnung aber ohne meinen Kollegen gemacht. Er stellt sich ihnen in den Weg, bellt sie an und schlägt sie in die Flucht. Er beschützt mich. Ich halte vor einem Imbisslädeli, diverse Personen, vom Hundegebell auf mich aufmerksam geworden, sammeln sich um mich. Da sind auch plötzlich der Töff Fahrer und die Frau hier, sie unterhalten sich mit Dorfbewohnern, wegen „meinem“ Hund. Eine Person gibt dem Hund mit der Hand zu fressen, eine andere Person legt ihm eine Schnur um den Hals und plötzlich ist das Tier nicht mehr hier. Dies geht alles so schnell. Zu schnell. So schnell wie der Hund unbemerkt plötzlich bei mir war, so schnell und unbemerkt ist er wieder weg. Also doch kein Militärhund? Für mich nur Fragezeichen? Der Vierbeiner hat mich über 25 km, während mehrerer Stunden durch den Urwald begleitet! Oder wie war das? „Der mit dem Hund tanzt!“

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