Mountainbike Tour von Bern nach Spruga TI 18. - 20.06.07.
Wir haben im Juni 2007 mit dem Mountainbike eine Alpenübequerung, abseits der grossen Strassen von Bern
nach Spruga im Onsernonetal (Ticino) gemacht.
Ich habe mir vorher diverse mögliche Routen unter die Lupe genommen und bin zum Schluss gekommen,
dass die hier ausgewählte Strecke unseren Vorstellungen am ehesten Gerecht wird. In dieser Streckenwahl
ist alles enthalten: flache einfache Passagen, steile fahrbare Wege bis hin zu extremen, nicht
mehr fahrbaren Trails, sowie rassige Abfahrten.
Planung der Tour:
Hardware:   PC
Software:   Fugawi Global Navigator 4.5
Karte PC:   Swiss Map 25, 1:25'000
GPS Gerät:   GPSmap 60CSx
Karte GPS Gerät:   Topo Schweiz, 1:50'000
Eckdaten:
Distanz:   250 km
Hm:   6'300
Fahrzeit:   22.5 h
Zeit nicht in Bewegung:   ca. 11 h
Uebersicht MAP Bern-Spruga
Tag 1    Montag, 18.06.07
Strecke:    Bern - Thun - Frutigen - Kandersteg - Gemmipass -Leukerbad - Albinen
Distanz:    100 km
Höhenmeter:    2'300 m
Zeit in Bewegung:    7 h 15'
Zeit im Stand:    4 h 30'
Wetter:    bewölkt, teilweise sonnig
Obschon es die ganze Nacht geregnet hat und die Wetteraussichten
für den heutigen Montag nicht unbedingt die besten sind, starten wir um 08:15 h in Bern zu unserer seit langem geplanten Tour.
Wenn der Wetterbericht für Donnerstag gut gewesen wäre, wir hätten wohl das Ganze
um einen Tag verschoben.
Die Strassen sind noch nass, der Himmel Wolken verhangen, aber wir sind guten Mutes,
dass sich dies noch zum Guten bessern werde.
Wir fahren der Aare entlang Richtung Thun und freuen uns, dass es nun endlich los geht.
Schon kommen zwischen den Wolken die ersten Sonnenstrahlen und bringen uns dazu, die langarmigen Shirts gegen Kurzarmige zu wechseln.
Kaum eine Stunde unterwegs haben wir auch schon die erste Panne zu beklagen.
An Fritz's Bike entweicht vorne die Luft. Wohl oder Übel muss geflickt werden.
Nach kurzer Zeit können wir die Fahrt fort setzen.
Flott geht die Fahrt weiter durch's Kandertal Richtung Berner Oberland.
In Kandersteg angekommen, machen wir im Restaurant Bahnhofbuffet einen Mittagsrast um unseren Energietank auf zu füllen.
Die Spaghetti munden sehr und der Salat überzeugt auch.
Weiter geht unsere Fahrt Richtung Talstation der Sunnbüelbahn, an dieser rechts vorbei Richtung Gemmipass. Nun fangen die echten Steigungen an und wir kommen nicht umhin, das Bike grosse Strecken bergwärts zu schieben.
Nach einer gewissen Zeit ist der Fussweg wieder weniger steil und es kann wieder gefahren werden.
Beim Bergrestaurant Schwarenbach machen wir einen kurzen Getränkehalt. Schon geht es wieder weiter Richtung dem Gemmipass. Auf diesem Abschnitt hat es kaum noch Schiebepassagen und plötzlich sind wir am Daubensee. Nun noch die Rampe hoch zum Pass.
Oben angekommen diskutieren ob wir nach Leukerbad die Luftseilbahn benutzen sollen, oder aber der steile in den Fels gehauenen Bergweg.
Ein Bahnangestellter macht uns darauf aufmerksam, dass der Weg nach Leukerbad infolge Felssprengungen gesperrt sei und überhaupt seien sämtliche Sicherheitszäune abmontiert.
Wir entschliessen uns entgegen der Aussage des Bähnlers uns via Wanderweg nach Leukerbad zu verschieben. Ja wir sind schliesslich hier um zu Biken und nicht um Bahn zu fahren!
Wir sind gespannt, was wird uns wohl erwarten?
Zuerst ist der Weg gut fahrbar, bis wir zur Stelle kommen, wo man das erste Mal Leukerbad sieht.
Dort steht auch DIE TAFEL: Weg gesperrt! Da wir uns aber nicht erklären können für wen denn nun der Weg gesperrt ist, ignorieren wir die Tafel einfach!
Noch paar Meter und wir müssen das Bike auf die Schulter heben. Die Treppe und fehlende Zäune lassen uns eine gewisse Vorsicht walten.
Der erste Teil des Pfades lässt uns abwechslungsweise Fahren, Schieben und Tragen.
Urplötzlich sind wir an der Stelle wo heute offenbar gesprengt wurde. Kein Weg mehr, nur noch Fels, Felsabruch, Steine, Schotter. Mit äusserster Sorgfalt passieren wir die Stelle um ja nicht noch eine (Ab) Rutschpartie zu veranstalten.
Jetzt sind die Treppen vorbei, der Weg ist gut und nicht mehr so ausgesetzt wir können zu Tale fahren.
Es ist ein riesiges Erlebnis. Unten angekommen schauen wir nach oben und fragen uns:
wie kommt man denn durch eine soche Felswand nach unten?
Im ersten Restaurant machen wir halt und genehmigen uns ein Bier. Dies ist saugut!
Nach einer halben Stunde machen wir uns auf den Weg, den letzten Teil des heutigen Tage unter die Räder zu nehmen. Wir beabsichtigen in Albinen zu übernachten.
Es ist nicht mehr allzu weit, vielleicht noch 10 km. Zuerst fahren wir die Hauptstrasse bis zur höchsten Stelle hoch. Dort zweigt ein Wanderweg links ab und geht später in den Albiner Höhenweg über.
Wir nehmen diese Variante und bereuen es in keiner Weise. Die Aussicht auf das Rhonetal ist grandios.
Im Hotel Restaurant Rhodania machen wir halt und schlagen unser Nachtlager auf.
Das Nachtessen in Form einer Walliser Käseschnitte schmeckt wunderbar und das Bier mundet auch sehr.
Tag 2    Dienstag, 19.06.07
Strecke:    Albinen - Brig - Grenglois - Binn - Albrunpass - Alpe Forno - Crampiolo It
Distanz:    77 km
Höhenmeter:    2'000 m
Zeit in Bewegung:    8 h 15'
Zeit im Stand:    3 h 10'
Wetter:    schön und sehr warm.
Auch heute starten wir um 08:15 h. Das Wetter zeigt sich von der besten Seite. Wir sind
froh gelaunt und fahren auf der Strasse Richtung Grechmatte.
Auf dieser Strecke hat man einen wunderbaren Weitblick ins Rhonetal. Es ist fantastisch und
mein Herz macht Freudensprünge ob diesem Anblick.
Beim Dorfeingang Grechmatte geht ein Wanderweg rechts weg, Richtung Tal, Richtung Rhone. Diesen Trail nehmen wir, etwas vom Feinsten zum Fahren!
Unten angekommen, fahren wir der Rhone entlang Tal aufwärts.
In Raron können wir, in Folge der Grossbaustelle Lötschberg Basistunnel, nicht
auf unserer geplanten Route festhalten und machen einen kleinen Bogen um später wieder auf den Radweg zu gelangen.
In Naters machen wir einen kurzen Getränkehalt. Unser Weg kommt in Grengiols vorbei.
Dieses Dorf liegt auf der Südseite des oberen Rhonetales auf einem durch Geländeterrassen unterteilten Hang. Mein Magen meldet sich zu Wort und wir suchen uns ein Restaurant
um vorzugsweise etwas Teigwaren zu essen.
Aber oh weh, in unserer gewählten Beiz kennen sie offenbar Teigwaren nicht. So gehe ich
schnell in die gegenüberliegende Beiz um nach Teigwaren zu fragen. Ja, wenn sie warten können bis es soweit ist, ist die Antwort. Was heisst hier warten? So ungefähr Dreiviertel
Stunden gibt man mir Bescheid. Wir wollen nicht warten und beschliessen, im nächsten
Dorf Binn etwas zu essen.
Wir kommen dort an, fragen in einem Restaurant nach Teigwaren. Es gibt nur noch die
kleine Speisekarte zur Auswahl ist die Antwort.
Wir gehen ohne Essen weiter, unsere Hoffnung ruht auf das kleine Restaurant in Im Feld.
Dort haben sie zwar auch keine Teigwaren mehr, aber wir kriegen eine feine, aber teure
Suppe. Auf die Frage ob es denn geschmeckt habe, antwortet Fritz: ja es war gut, aber
ein bisschen wenig. Sie sind der Erste der hier reklamiert und wohl auch der Letzte ist
die lakonische Antwort.
Bei dieser ganze Geschichte rund um Teigwaren und dieser Suppe kommt bei mir die
Vermutung auf, dass es den Wirten im Wallis offenbar noch sehr gut geht und diese das
Geld der Kunden gerne nehmen, aber weder flexibel noch kundenfreundlich gestimmt
sind!
Frisch gestärkt nehmen wir den Aufstieg Richtung Binntalhütte und Albrunpass in Angriff.
Zuerst geht es einen gut fahrbaren Fahrweg lang und zweigt später auf einen Bergweg
ab. Aber dieser Stelle schieben und tragen wir das Bike mehrheitlich bis wir in der Binntalhütte angelangt sind. Dort sind zwei Wanderer in der erst ab Juli bewirteten Hütte
am Essen. Sie haben für sich gekocht und es bleibt ein Rest über, welchen sie
liebenswürdigerweise Fritz geben wollen. Dieser nimmt dankend an und bringt es mir bei
meinem Eintreffen nach draussen. In einem Teller sind gut gebratene Rösti mit Speckwürfeli und Linsen. Es ist ein Herren Essen und ich schlinge es förmlich runter.
Leider ist unsere Zeit knapp bemessen um an diesem schönen Ort lange zu verweilen, wir
müssen ja noch über den Berg und noch eine Schlafstelle finden. So verabschieden wir uns
von den zwei Personen und steigen weiter auf. Der Weg wird beschwerlicher und bald kommen auch Schneefelder die wir queren müssen. Diese werden je länger je zahlreicher
und längst würden uns Schneeschuhe mehr nützen, denn unsere Bikerschuhe.
Wir kommen auf dem Albrunpass an und sind somit in Italien angelangt. Unsere Weiter-
Wanderung führt uns auf die Alpe Forno. Zwischendurch kommen bereits wieder erste
fahrbare Stellen. Von der Alpe Forno führt ein Fahrweg ins Tal. Er ist zum Teil sehr steil, aber sehr schön fahrbar. Nach paar Minuten Fahrt verlassen wir entgegen der Planung den Fahrweg und nehmen einen Trail über eine Weide. Super! In der Nähe des Lago di Devero
sind wir uns nicht mehr sicher, ob denn dieser Weg noch weiter Richtung Tal führt. Nach
kurzem Suchen und Werweisen stellt sich raus: ER führt ins Tal. So gehen wir diesen weiter. Er ist coupiert, immer ca. 100 m höher gelegen als der See.
Plötzlich öffnet sich vor uns das Tal und wir erblicken ein paar Häuser. Wir sind in Crampioli zur Alpe Devero gehörend.
Es hat sogar eine Albergo hier. Die Albergo-Ristorante "La Baita". Wir fragen nach einem Zimmer und sind wenige Minuten später einquartiert.
Das Nachtessen ist wunderbar und in dieser Reihenfolge: Ein assortierter Salat, einen Teller
Nudeln mit Tomatensauce, Kürbissuppe mit Gemüsstückli, eine Saucisson und zum Dessert Panna cotta, natürlich mit feinem Hauswein dazu.
Wir schlafen gut und schon bald ist wieder morgen.
Tag 3    Mittwoch, 20.06.07
Strecke:    Crampiolo It - Devero - Baceno - Crevoladosolla -
St. Maria Maggiore - Arvogno - La Cima - Piana di
Vigezzo - Bochetta Muino - Alpe Treda - Spruga
Distanz:    75 km
Höhenmeter:    2'050 m
Zeit in Bewegung:    7 h 10'
Zeit im Stand:    3 h 15'
Wetter:    sonnig mit Bewölkung
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so starten wir auch heute morgen wieder rund
viertel nach acht Richtung Devero. Zuerst geht die Fahrstrasse eben bevor eine leichte Steigung eintritt. Von da an geht es nur noch runter. Von 1750 m auf ca. 300 m.ü.M. Da steht uns eine lange Abfahrt bevor. Ab Devero benutzen wir mangels anderer Möglichkeiten die Strasse. Autos sind um diese Zeit noch keine unterwegs und so können wir mit guter
Geschwindigkeit Richtung Valle Antigoria brausen.
In Crevoladosolla biegt die Strasse links ab durch das Valle Vigezzo Richtung Centovalli.
Nun fängt die Strasse an zu steigen, gleichmässig aber stetig ca. 550 Hm. bis Santa Maria
Maggiore.
Dort angekommen suchen wir uns eine Beiz und konsumieren erfrischende Getränke.
Eine gute halbe Stunde später steigen wir auf's Bike, nun geht's links in ein Seitental des
Valle Vigezzo, Richtung Arvogno. Nach einem knappen km fängt die Strasse an zu steigen. Sie ist nicht nur steil, nein sie ist steiler! Nach paar Minuten ist nun doch die Strasse wieder
etwas weniger steil, wir gewinnen konstant an Höhe.
In Arvogno 1257 m.ü.M. angekommen machen wir eine kurze Essens- und Getränkepause, alles aus dem Rucksack. Das einzige Beizli hier, ist geschlossen, da offenbar Zwischensaison ist.
Wir beschliessen spontan die geplante Route, die noch weiter ins Tal hinein geführt und von der hintern Seite auf den La Cima geführte hätte, abzuändern und statt dessen von hier auf direktestem Weg hoch zu steigen. Den Wanderweg müssen wir zuerst
suchen. Offensichtlich wird er nicht mehr so viel benutzt, entsprechend ist er zu beginn auch
nicht markiert.
Zuerst geht es kurz durch eine Weide bis zu einem Waldrand. Dort führt der Weg im zick-zack hoch. Nach der Hälfte des zurück gelegten Weges gelangen wir auf eine neu hergerichtete Skipiste. Diese benutzen wir nun um in der Falllinie hoch zu steigen. Es gibt wirklich angenehmeres!
Endlich kommen wir oben auf dem La Cima an, ca. 1800 m.u.M.
Jetzt können wir sogar wieder etwas auf's Bike steigen und zur Piana di.Vigezzo fahren.
Von dort nehmen wir die letzten knapp 200 Hm in Angriff. Es können nur noch wenige Meter
gefahren werden schon heisst es wieder schieben u. tragen.
Geschafft, wir sind auf der Bochetta di Muino 1977 m.ü.M., dem höchsten Punkt der heutigen Strecke.
Von nun ab geht's mehrheitlich auf gleicher Höhe, via 2 Alpen bis zu der Alpe Tenda
welche immer noch gut 1'800 m.u. M. liegt. Leider ist auch diese Strecke zum grösseren Teil nicht fahrbar. Auf der Alpe Tenda suchen wir vergeblich den weiteren Verlauf des Wanderweges. Wir sind gezwungen Querweid ab zu fahren, nur noch den Angaben des GPS zu vertrauend. Dieses führt uns sicher bis zum nächsten Waldrand, wo der Wanderweg wieder sichtbar und im zick-zack nach unten ins Onsernonetal führt.
Dieser Weg kann wieder grossteils befahren werden, das Knifflige sind die grossen Steine unter Laub versteckt und die Steilheit.
Wir kommen ohne grössere Zwischenfälle unten beim Fluss Isorno an, gehen über die Brücke und meinen nun auf einem Fahrweg zu sein. Obschon der Weg dem Fluss entlang verläuft sind viele Stellen nicht fahrbar. Entweder fehlt der Weg, oder die Flusssteine sind zu mächtig um sie fahrend zu passieren.
Plötzlich geht der Wanderweg in ein geteertes Strässchen über, das sich langsam vom
Fluss entfernt. Wir folgen diesem und stehen an einer Barriere, wir queren diese und sind in Spruga. Wir genehmigen uns ein wohlverdientes Bier in der einzigen Beiz und schauen nochmals zurück. Wir sehen in weiter Ferne den Berg von wo wir her kamen.....
Das Bier schmeckt nochmals Besser!
Nach einer guten halben Stunde nehmen wir die letzten paar hundert Meter unter die Räder zu unserem heutigen Domizil.
Rene verwöhnt uns mit Fleisch, Wurst, Salat, Risotto, Bier, Rotwein, Grappa, Kaffee.
So beenden wir die Tour Bern-Spruga ohne nennenswerte Zwischenfälle und ohne einen einzigen Tropfen Regen und freuen uns an dem wunderschönen Abend.
Übrigens: Das Risotto von Rene war das absolut feinste Risotto das ich je gegessen habe!!
zu den Fotos MTB Tour Bern-Spruga
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