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Chiclayo – Trujillo 12.04. – 15.04.2017

Die Strecke wird nun immer wie öder. Die Vegetation weicht mehr und mehr dem Sand und der Wind bläst nun jeden Tag stärker in mein Gesicht.
Nun bin ich endgültig in der Wüste draussen. Ich nähere mich dem Dorf Paijan, das im Internet nicht eben die besten Noten erhält. Genannt werden dort zahlreiche Ueberfälle, von Schurkenstaat ist die Rede. Ich probiere solche Meldungen zu verdrängen. Die Schurken warten ja nicht auf mich, bis ich komme und schlagen dann zu, probiere ich mich zu beruhigen. Aber hier holt mich die Vergangenheit ein, alles was ich letztes Jahr auf Sumatra erlebt habe, kommt wieder in mir hoch.
Achtung, dort ein stehendes Auto am Strassenrand mit zwei verdächtigen Personen. Ich nehme sie in meinen Radar und fahre vorbei. Sie haben wohl eine Autopanne! Und dort was ist das? Wiederum paar jugendliche Personen, was machen die? Alles scheint mir verdächtig und ich bin hoch wachsam.
Ich bin froh, als ich diese Ortschaft hinter mir weiss, aber die Wüste ist gross und dort bin ich ziemlich einsam. Wie bin ich froh, es passiert nichts.
Plötzlich stehe ich am „Ende“ der Ruta Panamericana. Die Unwetter haben einen Fluss so steigen lassen, dass er sich nun einen anderen Lauf gesucht hat und die Strasse auf mehreren hundert Metern weg gespült hat.
Also wieder paar Kilometer zurück und dann eine weiträumige Umfahrung des Problems. Nach fast dreissig zurück gelegten Kilometern, bin ich schlussendlich nur paar hundert Meter weiter, als bei der Umkehrstelle.
Die Wüste hält mich nun gefangen, der Wind bläst Orkan mässig von Süd-/Südwest, also voll mir ins Gesicht. Es geht nur noch zögerlich vorwärts. Und so müsste ich ab Trujillo der nächsten Stadt, bis Lima noch gut 500 km fahren. In diesem Moment ist mein Entschluss schnell gefasst. Diese Windtorturen in der Wüste draussen erspare ich mir, ich werde von dort mit dem Bus an mein Endziel fahren.

Hami – Jiayugan 04.09.2013

Pünktlich um 09.00 Uhr fährt unser Taxi vor, gleich mit zwei Chauffeuren. Wir laden zuerst unsere Fahrräder, dann die übrigen Gepäckstücke. Wir verabschieden uns vom Hotelpersonal und den übrigen Zuschauern und los geht es.  Die Strassen in Hami sind um diese Zeit ein einziges Chaos! Keine zehn Minuten später hält unser Chauffeur an, sie würden jetzt noch etwas Essen gehen. Also gehen sie. Nach einer knappen halben Stunde kommen sie zurück und nun geht es wirklich los. Aus der Stadt raus ist es mühsam in diesem Verkehr, dann geht’s gleich auf die Autobahn. Und nun geht’s sehr gut vorwärts. Wir fahren ohne Probleme durch die Wüste, der herrschende Gegenwind ist uns völlig egal! Nur einmal kommen die zwei Chinesen ins Schwitzen, dem Auto droht das Benzin auszugehen. Mit letzter Reserve erreichen sie doch noch eine Tankstelle. Die zwei Herren sind wieder gesprächiger als vorher. Wir passieren ein paar Mautstellen; die Autobahngebühren sind relativ teuer. Kurz nach vier Uhr Nachmittags und ohne Zwischenfall kommen wir in Jiayugan an. Am Anfang der Stadt lassen wir unsere Utensilien ausladen und verabschieden uns von den Zwei. Sie müssen jetzt wieder 600 km zurück fahren und wir dürfen noch paar km in die Stadt radeln um ein Hotel zu finden. Relativ schnell finden wir das Huili Business Hotel und nehmen uns hier eine Unterkunft. Wir werden 3 Tage hier verweilen und u.a. die Chinesische Mauer besuchen.

Taklamakan Wüste 12.08. – 22.08.2013

Nun geht also unsere Reise weiter auf der nördlichen Seidenstrasse, welche am Rande der  Taklamakan Wüste verläuft,durch die autonome Provinz Xinjiang. Diese Wüste ist eine der Grossen dieser Erde. Der Name bedeutet etwa, „du gehst hinein, aber du kommst nie wieder hinaus“. Dies sind Aussichten für unsere weitere Reise…..! Nun, ein bisschen Hoffnung besteht für uns doch noch, wir fahren ja nicht mitten durch diese Wüste! Wir wollen in  zwei Wochen die über tausend km entfernte Oasenstadt Korla erreichen. Ab Aksu ist eine neue Autobahn die wir trotz Fahrrad- Fahrverbot befahren. Wie wir erst später bemerken, können wir gar nicht anders, da die alte Strasse zum Teil gar nicht mehr vorhanden ist. Ab und zu kommen wir in kleinen oder grösseren Oasenortschaften vorbei, um dann wieder hundert km in der Einöde zu strampeln.

Die Fahrt durch die Wüste ist temperaturmässig nicht so schlimm, wie wir es uns vorgestellt haben. Der Himmel ist am Morgen vielfach bedeckt, manchmal wissen wir nicht recht, sind es nun Wolken, ist es Sandstaub oder ist es Smog. Vermutlich von allem ein wenig. Nachmittags scheint öfters die Sonne und da wird es uns schon ziemlich heiss. Aber nicht zu vergleichen mit der Hitze in Kasachstan. Der Wind ist allgegenwärtig und bläst ausschliesslich von Ost nach West, also uns nicht eben freundlich gesinnt.  Am Morgen bläst er in der Regel schwächer, um die Mittagszeit sehr stark um im Laufe des Nachmittags wieder nachzulassen. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Die eine Nacht haben wir Sturmwind, die Sorge um unser Zelt wächst, aber es geht gut aus. Der Wind hält auch den nächsten Tag an. Zwei Mal bläst es uns tatsächlich von den Fahrrädern. Wir können nicht mehr fahren, wir müssen während einer gewissen Zeit die Velos schieben!

Die Ankunft in Schiger ist für uns beeindruckend. Die Ortschaft wurde fast gänzlich von einem Erdbeben im 2011 zerstört. Wir sehen die zum Teil noch liegenden Häuserruinen und der neu aufgebaute Ortsteil. Der dortige Polizist weist uns zu einem Hotel, geht mit paar Berufskollegen und uns Mittagessen. Unser Essen und die Getränke berappt er, wir dürfen nicht zahlen. Die Fahrräder können wir auf der Polizeistation stationieren, sie werden hier bewacht! Ueberhaupt können wir bis jetzt von der chinesischen Polizei nur positives vermelden. So werden uns an einem Checkpoint, Melonen und Getränke spendiert, an einem anderen Checkpoint werden uns Wasserfläschchen mit auf den Weg gegeben. Und als wir in Aksu ankommen, einer aufstrebenden Oasenstadt, werden wir von der Polizei angehalten. Hier ist der Sitz der Polizeiverwaltung der Provinz Xinjiang. X Polizisten sind ausserhalb des Verwaltungs Gebäudes versammelt, stehen, sitzen und diskutieren. Sie bieten uns Stühle an, offerieren Melonen und geben uns Wasser in Fläschchen mit auf den Weg. Sie wollen so viel wie möglich von uns erfahren. Nach fast 2 Stunden dürfen wir weiter, wir müssen ja noch ein Hotel finden. Dies ist Chefsache! Der Polizeikommandant lässt sich sein Audi vorfahren, sitzt als Beifahrer rein und eskortiert uns zu einem Hotel! Die andere Uebernachtungsart, das Zelt, hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. So werden wir offenbar mal beim Zeltbau in der Wüste draussen gesichtet und erhalten tatsächlich morgens um halb vier Uhr Besuch. Ein Töfffahrer kommt mit Begleitung, kurvt um das Zelt, hält an, diskutiert mit der anderen Person um wenig später wieder zu gehen. Oder das andere Mal, kommt der Bauer gegen Mitternacht mit seiner Frau, um ihr unser Zelt zu zeigen.

Mittlerweile müssen wir in unserer Pannenstatistik einen Eintrag machen. Bei einem Halt an einem Strassenbasar nimmt ein Chinese mein Fahrrad (die fragen nicht lange!) und kurvt auf dem stark verschmutzen Platz umher. Wir hätten ihn nicht gewähren dürfen. Auf diesem Platz sind viele alte Teilchen und Teile von Lastwagenpneus und diese sind für Fahrräder gift. Vor allem die hervor stehenden Drähte der Pneus. Der Chinese hat nun prompt solche Drahtstücke eingefahren. Als wir nach unserer Pause weiter fahren wollen, ist beim Vorderrad die Luft draussen.  Fünf eifrige Chinesen flicken das Rad raschenstens, ich darf nicht helfen. Das Rad ist geflickt und wir fahren weiter. Nach 2 km stellen wir unser Zelt in der Wüste draussen auf. Am folgenden Morgen ist die Luft im Hinterrad weg. Nun müssen wir vor der Weiterfahrt noch Schlauch flicken. Der Chinese hat da ganze Arbeit geleistet! Nun sind wir in Korla angekommen. Die Stadt hat mittlerweile über 400‘000 Einwohner und es wird gebaut was das Zeug hält. Hochhaus an Hochhaus schiessen da aus dem Boden. Wir werden hier nun zwei Ruhetage verbringen, bevor wir auf unserer Weiterreise die Turpan Senke erreichen werden.