Archiv der Kategorie: China

Mengla-Grenzort Mo Han 2.11.2013

Und noch haben wir eine Etappe in China vor uns, wenn auch nicht eine anstrengende. Es ist unsere letzte Tagesetappe auf dieser Reise in China und für uns ein spezieller Tag. Nun sind wir 3 Monate in China unterwegs und morgen Sonntag werden wir das Land verlassen.
Nochmals fahren wir vorbei an riesigen Bananen- und Gummibaum Plantagen. Wenn auch das Gebirge hier nicht mehr so hoch ist, auf und ab geht es allemal noch! profil_chengdu-mo_hanAber das Wetter macht mit: Es ist schön und warm. Ohne Zwischenfall kommen wir in Mo Han an und buchen hier ein Zimmer. Unsere letzte Nacht in China…..

China hat uns sehr viel gegeben, viele Eindrücke hinterlassen und wir können uns nun eine eigene Meinung über dieses grosse Land machen. Das Reich der Mitte hat viele Gesichter und wir haben viele davon gesehen….

Wir sind traurig, das schöne China verlassen zu müssen, aber wir freuen uns auch auf Neues in einem Land, von dem wir kaum etwas wissen: Laos.

Simao-Mengla 26.10. – 30.10.2013

Unser Ziel für die nächsten Etappen, ist das ca. 250 km entfernte Mengla. Dort werden wir, falls wir eine gute Unterkunft finden, P1020736nochmals 2 Tage in China verbringen. Unsere Fahrten werden immer noch vom Gebirge geprägt. Ein stetiges auf und ab der Strasse sorgt dafür, dass wir nicht allzu übermütig werden und der immer wieder fallende Regen sorgt sozusagen für die fahrende Körperpflege….

 

Wir fahren durch dichten tropischen Regenwald, kommen vorbei an Bananen- Kaffee- Tee- Gummibaum Plantagen. Schlussendlich kommen wir in Mengla an und schauen uns nach einem Hotel um.

Die Besitzerin einer Auto Waschanlage fragt uns, ob sie uns helfen könne. Ja, wir suchen ein Hotel, aber möchten vorher noch unsere Fahrräder abspritzen. Wir dürfen und die Angestellten helfen uns erst noch dabei. Sie komme jetzt mit uns um ein Hotel zu suchen. Dieses hier um die Ecke sei im September eröffnet worden, aber die Kosten von 300 Renminbi Yuan pro Nacht viel zu teuer. Da wir uns wieder mal ein anständiges Bett wünschen entscheiden wir uns gleichwohl für dieses Hotel. Die liebenswerte Frau begleitet uns zum Hotel, geht an die Rezeption, diskutiert dort, ruft eine andere Person an mit dem Resultat, dass wir ein super schönes Zimmer in einem neuen Hotel für einen Drittel des Normalpreises erhalten. Wir können‘s fast nicht glauben und bedanken uns sehr für ihre uneigennützige Hilfe! Wir bleiben nun also 2 Tage hier und werden uns am 2.11. Richtung Mohan an die laotische Grenze aufmachen. Falls wir dort ein Hotel finden, übernachten wir noch ein letztes Mal auf dieser Reise in China, bevor wir nach Laos einfahren werden. Ein 90 tägiger Aufenthalt im Reich der Mitte neigt sich dem Ende zu!

Kunming-Simao 14.10. – 22.10.2013

Wir haben Kunming genossen, wir verlassen Kunming mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Nach paar km ist eine Baustelle, die Strasse ist gesperrt. Uns wird der  Weg nach Yuxi gewiesen. Ist aber leider nicht der Richtige. Wir fragen nochmals eine Person um die Umleitungsstrasse Richtung Yuxi. Diese gibt uns eine andere Variante bekannt. Wir haben genug, kehren nach Kunming zurück und fahren auf die 6-spurige Autobahn. Bei der Mautstelle werden wir zurück gepfiffen, wir hören aber nichts…..und fahren weiter. Unbehelligt fahren wir nun 80 km auf dieser Autobahn und erreichen so doch noch unser Tagesziel. P1020520Die Weiterfahrt von Yuxi führt uns direkt auf die Autobahn. Nach 7 km Fahrt kommt das Autobahnschild „Ende Autobahn“. Aber die Strasse bleibt Autobahn. Umso besser für uns, denken wir. Aber unser solches Denken hört nach weiteren 8 km auf. 3 Polizisten schmeissen uns ab der Bahn auf die andere Strasse. Diese Strasse wird zusehends schlechter, sie steigt und steigt um später wieder runter zu gehen. Ein ewiges auf und ab. Die Strasse wird grottenschlecht, die Abfahrten sonst unsere Lieblingsdisziplin verfluchen wir. Meistens können wir nur mit höchstens 12 Stunden-km fahren, was darüber ist, wird verdammt gefährlich und die Velos hüpfen nur noch von Loch zu Loch. Nach 60 km kommt eine kleine Ortschaft mit einem Hotel. Sollen wir hier über Nacht bleiben. Nein, in diesem Nest machen wir nicht halt, wie sich später herausstellen wird, eine falsche Entscheidung! So fahren wir weiter, es geht ständig einige hundert Meter bergauf um später wieder auf die Ausgangshöhe runter zu gehen. Wir fahren Kurve um Kurve, Höhenmeter um Höhenmeter, Kilometer um Kilometer. Mittlerweile ist es dunkel, wir schalten das Licht ein. Nun folgen auch noch Strassen Verzweigungen ohne Wegweisung. Welche Strasse ist die Richtige? Zum guten Glück können wir jemanden Fragen, der uns weiterhelfen kann. Auch wenn uns nur diese eine Person Auskunft geben kann, für einmal vertrauen wir ihr. Denn eines haben wir in China auch gelernt. Eine erhaltene Information eines Chinesen musst du auf deren Richtigkeit bei einer weiteren Person überprüfen. Sind die Informationen deckungsgleich, sind sie zwangsläufig richtig! Nach gefahrenen 153 km und 1801 Höhenmeter kommen wir endlich im Ziel in Yuanjiang an. Wir sind beide geschafft, aber nach dem Duschen reicht es noch für ein gutes Bier! Und das Bier schmeckt gut….

Wir haben sehr gut geschlafen und sind unterwegs Richtung Mojiang. Es geht gleich obsi. Nur aufwärts, nichts als aufwärts durch dichte Wälder, Bananenplantagen und Reis- und Maisterrassen. Bei km 18 ist es wieder mal so weit. Wir haben uns zwar mal vorgenommen, diesbezüglich nichts mehr zu schreiben. Und wir schreiben auch jetzt nichts davon…..nein. Mein Fahrrad hat schon wieder Platten….der 12! Und alle sind in China verteilt worden! Nach dem Flicken fahren wir weiter und kommen auf einer Passhöhe unerwartet zu einem Hotel. Den gestrigen Fehler machen wir nicht nochmals und buchen hier ein Zimmer. Ein guter Entschluss, zum Nachtessen werden wir bekocht. Etwas vom feineren! Die gute Frau bereitet uns mit viel Hingabe ein Topmenue zu. Es schmeckt sooo gut! Am folgenden Tag geht’s im gleichen Tagesrhythmus weiter. Nur eine Kurzetappe, voll gespickt mit up’s und down‘s. Wir machen nun jetzt aus einer Tagesetappe halt deren zwei. Die letzten drei Fahrtage oder knapp 200 km vor Simao machen wir noch so richtig Bekanntschaft mit der im Moment noch herrschenden Regenzeit.P1020591 Während die Strasse uns immer auf eine Höhe von ca. 1600 Meter bringt um später wieder auf 1000 Meter abzufallen, regnet es praktisch ununterbrochen. Am ersten dieser Tage fällt Dauerregen, das ist der erste Tag unserer Reise, wo wir kein Foto machen. Man sieht nichts, nur Nebel und Regen! Am zweiten Tag macht Petrus eine Pause von einer halben Stunde und am dritten Tag von einer viertel Stunde. Das Problem in diesen drei Tagen ist für uns nicht der Regen. Es sind viel mehr Monsunregenfälle die stundenlang und mit gleicher Intensivität auf uns niederprasseln. Dazu sind wir in den Bergen, von überall kommen Sturzbäche nieder, Bäume stürzen um, Erde und  zum Teil Felsbrocken werden durch Nässe in grossen Massen auf die Strasse geschwemmt. Uns ist einmal mehr nicht mehr so wohl bei der Sache. Jedes Mal wenn wir ein Hotel beziehen, sind wir total durchnässt. Da helfen selbst die besten Regenklamotten nicht mehr gegen diesen Dauerregen, und am nächsten Morgen ziehst du wieder dieselben Kleider an. Sie sind immer noch nass…ein gutes Gefühl! Die Luft ist so feucht, hier trocknet nichts mehr. Wir hoffen nun, dass wir auf unserer Weiterreise etwas weniger Regen erwischen werden!
Mittlerweile haben wir auf unserem Planeten den Nördlichen Wendekreis überfahren und sind theoretisch in den Tropen angekommen.

Zhao Tong – Kunming 06.10. – 10.10.2013

Unsere Fahrt von Zhao Tong nach Kunming geht weiter durch Berge, meistens auf einer Meereshöhe zwischen 2000 und 2200 m.ü.M. Mal rauf – mal runter, wir fressen Höhenmeter um Höhenmeter. Gott sei Dank müssen wir nicht mehr durch so viele Tunnels fahren. Die wenigen die es noch sind, langen uns aber bei weitem! Noch einmal überqueren wir einen Pass auf 2834 m.ü.M. Es ist auf unserer Reise die letzte Traversierung in solcher Höhe. Von jetzt an sind alle Pässe unter 2500 Meter, je südlicher wir kommen je tiefer liegen sie.

Ortschaft um Ortschaft lassen wir hinter uns und überall werden wir von der Bevölkerung bestaunt und beguckt. Offensichtlich ist unsere Rasse hier nicht so viel gesehen….

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Sie warten auf Käuferschaft

Selbst auf einer Meereshöhe von bis zu dreitausend Metern wird von den chinesischen Bauern noch rege Ackerbau betrieben. Unsere Fahrt geht vorbei an Reis-, Mais- und Tabakkulturen. Rund um Songming  treffen wir wohl auf das Kabisland Chinas. Hier wird Gemüse angebaut unter Plastiktunneln, wohin das Auge auch schaut, nur Plastik…..

Wir sind nun in der Stadt Kunming eingefahren und bleiben hier mindestens 2 Tage. Die Millionenstadt gefällt uns, ist nebst dem grössten Blumen- auch der grösste Tabakproduzent Chinas. Wir sind gespannt….

Berge und Angst 29.09. – 03.10.2013

Nach unserem Pausentag in Muchuan geht’s nun richtig los. Ab in die Berge. Der Regen macht die Strasse glitschig und gefährlich. Schon bald schliesst sich ein chinesischer Radfahrer so mehr oder weniger uns an.

Wir fahren entlang dem Yangtze River, dem längsten Fluss Asiens und dem dritt längsten der Welt. Urplötzlich und ohne Warnung ist die Strasse gesperrt. Was ist los? Ein Felssturz hat die Strasse verschüttet. Wie lange dauert die Sperrung fragen wir einen Ordnungshüter. Keine Ahnung, vielleicht 2 Stunden, vielleicht auch mehr ist seine aussagekräftige Antwort. Super, eine Ausweichroute gibt es nicht, also Warten und Hoffen. Und unsere Hoffnung erfüllt sich, eine knappe Stunde später können wir passieren, vorbei an riesigen Felsbrocken durch Schlamm und Geröll. Auf den folgenden –zig km sind überall mehr oder weniger grosse Felsabbrüche auf der Strasse gelandet. Wir schauen immer und immer wieder in Richtung der Felsen und Berghänge. Wir wollen keinen Felsen am Kopf…. uns ist nicht wohl hier! Nach 30 km ist wiederum Ende lustig. Die Strasse ist gesperrt wegen Einsturzgefahr einer Brücke. Wir haben Glück im Unglück. Eine Not Fähre auf dem Yangtze bringt Fussgänger, Töff Fahrer und eben auch Fahrradfahrer einen knappen Kilometer flussaufwärts wieder auf die Strasse zurück. Am folgenden Morgen dürfen wir vor unserer Weiterfahrt wieder mal einen defekten Hinterreifen flicken. War ja auch wieder mal an der Zeit, sonst könnten wir ja noch aus der Uebung kommen….! Unterwegs kommen wir zu einer Kreuzung, wir wissen nicht welche Richtung wir fahren sollen. Also fragen wir einen dort stehenden Mann nach dem richtigen Weg nach Zhong He. Er weist uns den Weg und wir fahren weiter. 5 km und 200 Höhenmeter später in einem Dorf, halten wir bei einem Dorfladen und verpflegen uns. Ein junger Chinese fragt uns von wo wir kämen und wohin wir gehen. Wir zeigen ihm auf unserer Karte die Route. Er wundert sich und sagt, dass wir auf dem  – falschen Weg – seien! Also wieder 5 km runter und dort die andere Strasse nehmen. Vielen Dank an den dort stehenden Mann für die Wegweisung…..! Die Strasse steigt ständig, ein Tunnel folgt dem anderen. Die meisten Tunnel sind knapp beleuchtet, manche gar unbeleuchtet und die Strassenbeläge in diesen in desolatem Zustand. Uns ist nicht wohl hier! Die letzten 60 km vor Zhao Tong sind geprägt von Regen, P1020365Nebel, schlechter Strasse und starkem Verkehr. In Zhao Tong fragen wir in einem Hotel nach einem Zimmer. Unsere Pässe sind kopiert, wir wollen zahlen. Die Receptionistin macht noch ein Telefon um uns danach fort zu weisen mit der Begründung, dass dieses Hotel nur Chinesen aufnehmen würde?!?! Beim zweiten Hotel geht alles problemlos. Wir bleiben hier zwei Tage um neue Kräfte zu sammeln.

Chengdu-Muchuan 25.09. – 27.09.2013

Die Fahrt durch die riesengrosse Stadt Chengdu bewältigen wir problemlos, stehen doch gut ausgebaute Radwege zur Verfügung. Nach fast 15 km durch die Stadt, stehen wir plötzlich vor dem im Moment grössten Einkaufszentrum  der Welt, dem Century Global Centre. Leider ist es um diese Zeit  noch nicht geöffnet und so können wir diesen gigantischen Bau, (500 x 400 m) nur von aussen bewundern.

P1020225Von hier aus fahren wir noch gut 15 weitere Kilometer bis wir am Stadtrand von Chengdu ankommen. Die nun folgende Strecke ist sehr dicht besiedelt, es folgt eine Ortschaft der anderen. Auch hier sehen wir, wie überall in China: Es wird gebaut an allen Ecken und Enden. Oft müssen wir deswegen kilometerlange Umwege über Notstrassen in Kauf nehmen. Eingangs Leshan biegen wir von unserer Route ab um die Hauptattraktion von Leshan zu besichtigen, den in eine Felswand geschlagene sitzende Grosse Buddha Wir  parkieren unsere Velos auf einem, vom Parkwächter zugewiesenen Parkplatz und geben dem Wächter zu verstehen, dass er gut auf die Fahrräder aufpassen soll. Nun entfernt er das Riesenschloss an seinem Töff und bindet so die Fahrräder zusammen! Wir lösen die Tickets und begeben uns auf das uns zum Buddha fahrende Schiff. Plötzlich ist er vor uns, der Grosse Buddha, der mit verklärtem Blick auf den Zusammenfluss der Flüsse Dadu He und Min He blickt. Die Statue misst in der Höhe 71m, die Schultern haben eine Breite von 28m, was den Leshan-Buddha zum grössten der Welt macht. Allein der Kopf hat eine Höhe von 15 Metern und eine Breite von 10 Metern, die Ohren sind 7 Meter lang und der große Zeh bietet einer ganzen Fussballmannschaft Platz. P1020264Der buddhistische Mönch Haitong begann im Jahr 713 mit dem Bau der Statue in der Hoffnung, die Präsenz eines Buddhas würde die unberechenbaren Strömungen des Zusammenfluss der beiden Flüsse besänftigen und die Fischer vor den tödlichen Strudeln und Untiefen beschützen. Tatsächlich regulierte das aus dem Fels geschlagene Gestein das Flussbett und beruhigte somit das Wasser. Leicht-Gläubige Buddhisten aber glauben, dass die Beruhigung der strudelnden Wasser ausschliesslich der Präsenz der gigantischen Buddha Statue zuzuschreiben sei.

 Wir kommen zurück zu unseren Velos und staunen nicht schlecht. Da sind paar Chinesen soeben daran, Elisabeths Fahrrad zu reparieren. Während unserer Abwesenheit, ist die Luft aus dem hinteren Pneu entwichen, (Corpus delicti ist wiederum ein Draht eines LKW-Pneus) der Parkwächter hat dies bemerkt und gleich einen „Velomech“ zur Reparatur aufgeboten! Das nennt man Gastfreundschaft! Wir bedanken uns und fahren danach noch paar Kilometer in die Stadt rein und buchen uns dort ein Hotelzimmer. In der Nacht fällt Regen und wir hoffen, dass dies Morgen nicht mehr der Fall sein wird. Und tatsächlich hört der Regen auf und wir können ohne Regenklamotten einen weiteren Tag in Angriff nehmen. Nach 50 km in einem Dorf machen wir einen Trink- und Essenshalt.

P1020273Wir fahren weiter und es geht nicht lange werden wir passive Verursacher eines Verkehrsunfalls. Seit wir uns in China aufhalten, sind wir erstaunt, dass es wegen uns noch keine Unfälle gegeben hat. Zumindest haben wir keine bemerkt….Sehr viele Verkehrsteilnehmer vergessen auf der Strasse ob unserem Anblick, dass sie sich eigentlich dem Verkehr widmen und nicht den Kopf nach den „eigenartigen Wesen auf den Fahrrädern“ verdrehen sollten. So ist dies nun einem Autofahrer zum Verhängnis worden. In einer leichten Rechtskurve auf einer vierspurigen Strasse will uns dieser Ueberholen, schaut dabei offenbar nur noch uns an. Er kommt dabei auf die Gegenfahrbahnen und überquert auch diese. Ein  entgegenkommender Wagen sieht das Unheil kommen, fährt auf den Randstreifen um Schlimmeres zu Vermeiden. Das aber hilft alles nichts. Am Schluss der Geschichte macht es „Peng“ auf chinesisch und die zwei krachen zusammen. Personen kommen keine zu Schaden und wir, wir können uns irgendwie ein Schmunzeln nicht verkneifen….Wir kommen in Muchuan an und finden Dank einem hilfsbereiten Chinesen ein sehr gutes, neues Hotel. Hier trinken wir zum ersten Mal seit fast sechs (6!) Monaten wieder einmal einen Wein. Einen chinesischen Rotwein. Unsere Meinung ist einhellig: „Ein absolut guter und edler Tropfen“.

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Nun wissen wir, auch China versteht es, guten Wein anzubauen. Nach dem sehr feinen Nachtessen im Hotel, werden wir von einer Hotelangestellten durch die Stadt begleitet. U.a. können wir noch einer Freilichtaufführung auf Wasser beiwohnen. Die Show ist imposant und eindrücklich.

 

 

Zugfahrt in 3 Akten – Komödie 22.09.2013

Akt 1: Ticketbeschaffung
Wir wollen uns in Lanzhou ein Ticket kaufen für die Weiterfahrt  mit dem Zug nach Chengdu. Nachdem uns erklärt wird, dass der nächste Zug mit freien Plätzen erst in  20 Tagen verfügbar sei, einigen wir uns auf die Benutzung eines Buses. Unser Hotel übergibt uns die Adresse vom Busbahnhof, damit wir dort die Tickets besorgen können. Ein Taxi fährt uns dorthin, leider ist dies der falsche Busbahnhof. Man hat uns falsch beraten. So gehen wir zum anderen Busbahnhof und fragen dort nach einem Ticket. Ein Ticket für eine solche lange Strecke, könnten Ausländer aus Sicherheitsgründen nicht kaufen, wohl aber eines für die halbe Strecke der Distanz! Wir fragen uns nach dem Unsinn einer solchen Bestimmung, wollen nun halt das Kurzvariante Ticket kaufen. Wir könnten das Ticket nicht heute besorgen, sondern frühestens einen Tag vor Abreise, wird uns weiter beschieden. Also kehren wir nach insgesamt 4! Stunden und unverrichteter Dinge wieder ins Hotel zurück. Am 19.09.  machen wir uns erneut auf die Socken um uns endlich das Busticket nach Chengdu zu ergattern. Wir kommen wieder in den entsprechenden Busbahnhof und kaufen uns das Ticket. Nach gut einer Stunde Warten haben wir das Ticket in den Händen. Nun wollen wir genau wissen, wo denn der Bus abfährt und vor allem, ob er denn wirklich bis Chengdu fahren würde? Nun erfahren wir, dass der gute Mann der Ausgabestelle uns nicht ein Bus- sondern ein Flugticket verkauft hat! Er entschuldigt sich und gibt uns den soeben bezahlten Betrag zurück. Also soll er uns nun doch ein Busticket verkaufen. Dieses könnten wir nicht hier besorgen, sondern wir müssten an den Busbahnhof Nr. 1. Wie bitte!?!?  Uns wird beinahe schlecht, vom Hin und Her, das hier veranstaltet wird! Also kehren wir halt zur Nr. 1 zurück und versuchen die Fahrkarte zu lösen. Das gehe nicht, der Bus transportiere keine Velos, wir müssten den Zug nehmen. Plötzlich sind also Zugtickets erhältlich und das für die Fahrt am 22.09.13. Wir kaufen diese, sobald wir sie in Händen haben verlassen wir schleunigst die Halle, bevor jemand auf den Gedanken kommen könnte, uns diese wieder weg zu nehmen. Nach insgesamt 9! Stunden in zwei Tagen haben wir es nun endlich geschafft, uns Tickets für die Fahrt nach Chengdu zu kaufen.

Akt 2: Zutritt zu Bahnsteig
Es ist Sonntag Morgen der 22.09. und wir machen uns auf den Weg zum Bahnhof. Bei der Eingangskontrolle werden wir zurück gewiesen, mit der Begründung, dass im Zug keine Velos verladen werden könnten! Auf unsere hartnäckige Intervention hin und weiteren Beamten die ihre zweifelhafte Sachkompetenz in die Runde werfen, bekommen wir endlich Zutritt in die Kontrollzone. Dort werden wir aufgefordert unser sämtliches Gepäck durch den Scaner zu schleusen. Ich lege nur zwei meiner Taschen auf das Band, nehme diese auf der anderen Seite des Gerätes selber wieder vom selbigen und bemerke dabei, dass nicht eine einzige Person sich um uns und das mögliche Gefahrenpotential kümmert! So nehmen wir unsere Velos und stossen sie weiter in Richtung Wartehalle, kein Mensch protestiert dabei. Dies nennt man wohl Sicherheitskontrolle made in China! In der Wartehalle kommen gleich mehrere Beamte und ein ranghöherer Sicherheitsmann und wollen uns aus dem Bahnhof weisen. Wir wehren uns erneut heftig dagegen. Nach minutenlangen Diskussionen lassen uns die Beamten in Ruhe. Nun warten wir bis sich die Tore zum Bahnsteig öffen. Nach einer weiteren Billettkontrolle bei allen Reisenden werden nun die „Schleusen“ aufgemacht und die Leute strömen Richtung Perron. Wir mittendrin und erst noch mit zwei Fahrrädern! Nun stehen wir vor unserem Waggon, als wir den Schaffner sehen, beschleicht uns wieder ein beklemmendes Gefühl. Was ist, wenn dieser uns nicht in den Zug lässt!? Der aber lässt uns wortlos passieren, zeigt uns noch einen Standplatz im Zug für die Velos. Erleichtert stellen wir unsere fahrbaren Untersätze und die Packtaschen an ihre bestimmten Plätze. Mittlerweile ist es siebzehn nach Neun. Der Zug setzt sich in Bewegung Richtung Chengdu und,  hei….wir sitzen darin und auch unsere Fahrräder sind mit dabei! Froh und erleichtert, aber geschafft sehen wir Lanzhou unseren Augen entschwinden! 

Akt 3: Zugfahrt
Wir teilen unser Abteil mit 4 Chinesinnen, zuvorderst im Waggon und in unmittelbarer Nähe befinden sich unsere Fahrräder. Wir kommen sofort mit den Chinesinnen ins „Gespräch“ ,  sie geben uns von ihrem Essen, sie lehren uns zählen inkl. Handzeichen der chinesischen Ziffern von 1-10. Uuuf ist das schwierig….! Im Verlaufe der Fahrt kommt ein Chinese zu uns, will mit mir in der Raucherzone rauchen und mit mit plaudern.P1020202 Immer und immer wieder erscheint er bei uns und bittet uns ihm später Fotos per E-Mail zu schicken. Plötzlich werden wir von einem Afrikaner in französicher Sprache angesprochen. Er kann während vier Monaten in China arbeiten, danach muss er das Land verlassen und wieder Arbeit suchen. Zu Hause in Afrika hat er eine Frau und zwei kleine Kinder. Seit der Abfahrt bis am Abend um zehn, wird uns nicht eine Minute langweilig. Danach steigen wird in unsere „Betten“ und wir können auch tatsächlich während der Fahrt ziemlich gut Schlafen. Ca. 07.45 Uhr am darauf folgenden Morgen kommen wir in Chengdu an. Die Chinesinnen und der Chinese sind uns behilflich beim Ausladen unseres Gepäcks. Wir verabschieden uns von den vier Frauen und dem Afrikaner. Der Chinese begleitet uns bis ausserhalb des Bahnhofs, nicht ohne vorher nochmals dem Wunsch Ausdruck zu geben, dass er von mir gerne eine E-Mail empfangen würde. Ich werde ihm bestimmt diesen Wunsch erfüllen. 

Eine Zugfahrt in China kann sehr spannend sein.  Nebst dem Geniessen der verschiedenen Gegenden die durchfahren werden, war in unserem Fall auch für Unterhaltung mit Mitreisenden gesorgt. Wir haben auf dieser Zugfahrt liebe, freundliche, saubere, ordentliche, höfliche, zuvorkommende und hilfsbereite ChinesInnen kennen gelernt. Das Zugfahren mit ihnen war schön und hat Spass gemacht! Die Züge sind  sauber , relativ neu und werden während der ganzen Reise immer wieder durch Personal vom Abfall und Schmutz befreit.  So macht auch Zugfahren Spass!

Jiayugan-Lanzhou 08.09. – 16.09.2013

Wir verlassen Jiayugan und fahren auf der Autobahn Richung Lanzhou. Für einmal haben wir nun Rückenwind und kommen entsprechend zügig voran. Nach 154 km erreichen wir Gaotai und stellen hier  hinter einer Raststätte unser Zelt auf. Die Landschaft auf unserer Weiterfahrt wechselt nun in bunter Reihenfolge ab.

Lanzhou

Mal steppenartig, mal wird sie landwirtschaftlich genutzt. Wir kommen bei gutem Wind zügig voran und absolvieren gleich zwei vorgesehene Tagesetappen an einem Tag. Erneut müssen wir wieder mal einen Platten flicken. Mein Hinterrad ist vollgestopft mit diesen verflixten Drähten. So wechseln wir gleich Schlauch und Pneu aus. Am nächsten Tag haben wir gleich 2 Platten zu beklagen. Zuerst erwischt es Elisabeth, paar km später mich. Was soll’s, wir haben mittlerweile Uebung im Platten flicken, sind sozusagen spezialisiert! In der Schweiz zurück werden wir wohl später einen Schlauchflickkurs anbieten….In Yongchang gehen wir in Apotheke und kaufen Mittel für meine Fingerverletzung. Dazu mehr an separater Stelle. Wir fahren bis Wuwei und bleiben hier eine Nacht. Am folgenden Tag fahren wir los und wollen auf die Autobahn. Die bei der Mautstelle anwesende Polizei schickt uns weg mit der Begründung in China dürfe man nicht mit dem Velo auf Autobahnen fahren. Bleibt die Frage offen, warum man uns vorher dreitausend km gewähren liess?! Wir probieren noch bei zwei weiteren Auffahrten auf die Autobahn zu gelangen, aber keine Chance, die Polizei verweigert uns dieses Unterfangen. Nun fahren wir halt auf der anderen Strasse, wobei Strasse noch vornehm ausgedrückt ist.

Ein Bachbett mit Teer überzogen wäre angebrachter…! So nebenbei fahren wir heute wieder einen Platten ein. Diesmal ist nicht ein Draht schuld, sondern eine Flickstelle ist undicht. Grund: Der dort angebrachte Flick ist brüchig. Dabei haben wir diesen doch erst vor paar Tagen gekauft bei einer chinesischen Veloreparaturstelle am Strassenrand…!  Wir sind froh, dass wir heute nur gut 60 km bewältigen müssen. Gut geschlafen fahren wir am anderen Morgen los. Heute haben wir einen anstrengenden Tag, wir müssen über einen fast dreitausend Meter hohen Pass rüber. Zu allem Unglück haben wir noch sehr strengen Gegenwind, was uns die Passfahrt ungemein erschwert. Wir kämpfen uns Höhenmeter um Höhenmeter nach oben und der Wind hält dagegen. Endlich haben wir die Passhöhe geschafft und wir sind es auch! Wir sind zuversichtlich, dass wir nun die Passabfahrt umso mehr geniessen können. Aber oh weh! Wir müssen selbst abwärts zum Teil voll in die Pedale treten, damit wir nicht stehen bleiben. Der Wind, der spinnt! Nach paar Stunden und 50 km haben wir genug. Wir fragen einen Bauern, ob wir das Zelt auf seinem Feld aufschlagen dürfen.

"Zobe näh!"

Er sagt uns zu und lädt uns gleich zu einem „Zobe“ ein. Wir schlafen gut und hören, dass es plötzlich anfängt an zu Regnen. Dabei hoffen wir, dass dies nicht allzu lange andauern möge. Wir haben sonst bedenken, dass wir mit den gepackten Fahrrädern aus dem frisch gemähten Getreidefeld raus kommen. Wir sehen bald, dass der Regen wohl nicht aufhören wird, legen noch im Trockenen unsere Regenklamotten an und brechen bei strömendem Regen unser Zelt ab. Unsere Befürchtungen bewahrheiten sich. Wir kommen kaum, obschon nur hundert Meter vom Strassenrand entfernt, aus dem Feld raus. Die Räder und Bremsen füllen sich mit nasser Erde und es geht nichts mehr. So müssen wir die Packtaschen und Velos praktisch aus dem Feld raus tragen und am Strassenrand vom gröbstem Dreck befreien, damit wir überhaupt fahren können. Der Wind bläst heute nicht mehr, aber dafür regnet es in Strömen und es ist bitter kalt. Na, ja, wir sind halt immer noch auf einer Höhe von 2‘750 Meter. Unser innigster Wunsch im Moment: Nur keinen Platten jetzt!! Nach gut einer Stunde Fahrt sehen wir einen Hochdruckreiniger bei einem Haus stehen, dort spritzen wir unsere fahrbaren Untersätze ab und was kommt zum Vorschein: Unsere Fahrräder…. Als wir in Yongdeng, unserem Etappenort ankommen, sind wir durchfroren, aber Dank den Regenklamotten nicht durchnässt. Am darauf folgenden Tag, bei wiederum schönem, aber kaltem Wetter brechen wir auf. Heute wollen wir Lanzhou in 110 km Entfernung erreichen. Dies sollte bei guten Verhältnissen kein Problem sein, da es auf dieser Strecke ca. 500 hm bergabwärts geht. Wir sind gut unterwegs, die Steppe hat sich nun endgültig zurück gezogen und macht diversen Kulturen Platz, wie Gemüse, Obst, Mais etc.  Mehrheitlich aber sieht man hier nun Kabisfeld an Kabisfeld. Unterwegs können wir bei an einem Strassenverkaufsstand bei drei Frauen Aepfel kaufen. Wir probieren zuerst Einen, bevor wir kaufen. Die Frauen haben ihre helle Freude an Elisabeths blonden Haaren und wollen auch gleich, dass ich mit ihrem Handy eine Foto mache von ihnen und Elisabeth. Zudem schenkt jede Frau Elisabeth noch zusätzlich Aepfel und Birnen. Wir kommen nun an den Stadtrand von Lanzhou. Hier überholt uns ein chinesicher Töfffahrer und hält an.

vor Lanzhou

Er gibt uns zu Trinken, macht Fotos und gibt seiner Freude Ausdruck, dass er europäische Radler angetroffen hat. Wir fahren weiter, x km durch Baustellen, inmitten von stinkenden Lastwagen, Autos, Töffs etc. etc., bevor wir endlich auf den Fahrradstreifen gelangen. Aber auch hier sind Autos unterwegs, man muss ungemein auf der Hut sein. Nach fast 30 km! seit Anfang Stadt in stinkender und dreckiger Luft kommen wir nun endlich bei unserem Hotel an. Wir sind froh, nun aus diesem Verkehrschaos raus zu sein! Unsere Atemwege machen uns Beschwerden, unsere Köpfe sind schwarz, gefärbt vom Schmutz! Es ist vorgesehen, dass wir hier drei Tage verweilen.

Jiayugan/Chinesische Mauer 05.09. – 07.09.2013

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Jiayugan ist eine schöne, gepflegte und sehr rasch wachsende Stadt, mit einem sehrschönen, zentral gelegenen Park. Am Abend versammeln sich in diesem Park sehr viele Leute und tanzen.
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Great Wall – Grosse chinesische Mauer

Zudem ist in Jiayugan das Westende der Chinesischen Mauer.