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In Gobi Wüste vom Winde verweht 25.08.- 02.09.2013

Nach unserer Pause in Korla geht es nun weiter Richtung Turpan und der Turpan Senke, welche am tiefsten Punkt über 150 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Wir sind gespannt, was uns der weitere Weg alles zu bieten hat. In Kumusch einem kleineren Ort fragen wir drei verschiedene Personen, ob wir das Zelt zur Übernachtung aufstellen dürfen. Jede Person weist uns wieder weg, offenbar wollen sie keine so komischen Langnasengesichter in ihrer Umgebung! So fahren wir einen Kilometer unseren gekommenen Weg wieder zurück und können dort durch eine von uns gesichtete Öffnung des Autobahn Schutzzaunes in die Wüste raus. Hinter einer kleinen Senke und einem davor schützenden Busch stellen wir unser Zelt auf. Es geht auch ohne Kumuscher! Am nächsten Tag ist wieder mal ein klein wenig Höhenluft angesagt. Unsere Strasse führt wieder durch das Tian Shan Massiv. In Toksum finden wir ein Hotel. Die Dame weist uns zuerst weg, überlegt es sich aber anders. Sie verlangt unsere Pässe aus denen sie die Seite mit den Fotos raus reissen will! Nach unserer energischen Intervention lässt sie es zum guten Glück aber sein. Auf unserer Weiterfahrt erreichen wir durch die trostlose Wüste Turpan. Hier fragen wir uns: „Kann Wüste noch wüster sein?“ Ja, das kann sie, zusammen mit Wüstenwinden! Nun beginnen auch die ständigen Gegenwinde wieder heftiger zu werden. Die Strasse steigt aus der Senke stetig empor und der starke Gegenwind versucht den zwei Fahrrad fahrenden Spezies den Garaus zu machen. Was ihm schlussendlich auch gelingt! Auf einer Meereshöhe von knapp 1150 Metern kapitulieren wir. Es gelingt uns die Autobahn zu verlassen und das Zelt für die nächste Nacht unter einer Brücke aufzustellen. Um Mitternacht geht es erst richtig los. Stürmische Winde drohen unser Zelt mitzunehmen. Und dies dauert bis in die frühen Morgenstunden. Wir können kaum ein Auge zudrücken und sind entsprechend schlapp als wir aufstehen. Die Fahrräder sind gepackt, wir stellen ein Velo nach dem anderen auf die Autobahn als es wieder losgeht. Der Wind fegt Böen artig vom nahen Gebirge in die Gobi Wüste raus. Wir können uns kaum auf den Beinen halten, geschweige denn auf die Fahrräder sitzen. So geben wir uns geschlagen und gehen wieder zurück unter die Brücke, können mit äusserster Mühe und Not unser Zelt wieder stellen und kriechen rein. Wir haben Hoffnungen, dass wir heute doch noch irgendwann losfahren können. Aber je länger der Tag dauert, je grösser schwinden diese Hoffnungen. Der Wind tobt den ganzen Tag. Und was machen wir? Wir essen, trinken und hören Musik, auch den ganzen Tag. Kurz nach Mitternacht lässt zum Glück der Wind nach und wir können schlafen. Am Morgen beim Aufstehen herrscht Windstille, wir pressieren beim Packen, es könnte ja sein, dass er uns wieder besuchen kommt, der Wind. Wir fahren los und unsere Befürchtungen bewahrheiten sich. Nach über 2 Stunden unterwegs haben wir sage und schreibe 13.5 km auf dem Tacho. Mehrmals holt uns der Wind von den Rädern. Wir müssen über mehrere Kilometer die Velos mit äusserster Kraftanstrengung schieben, manchmal schaffen wir nicht mal dies und müssen uns stehend gegen den Wind stemmen. Fast sieben Stunden und 60 Kilometer später hat uns der Wind geschafft!  Wir können ein Auto des Autobahnunterhaltungsdienstes aufhalten, dieses nimmt uns 70 km mit, bis zu ihrem Stützpunkt. Dort können wir in einem Restaurant etwas essen, neue Kräfte schöpfen und warten. Tatsächlich lässt der Wind nach und so können wir noch gut 10 km bis zu einem geeigneten Zeltplatz fahren. Wir fragen bei einem Bauern um Erlaubnis das Zelt stellen zu können. Er weist uns einen Platz an. Das Zelt steht noch nicht, kommt ein Auto vorgefahren, der Mann sieht uns mit grimmigem Blick und geht zu der uns zusagenden Person. Eine heftige Diskussion entsteht, wir merken, die eine Person will uns, die andere will uns nicht. Schlussendlich können wir bleiben. Wir versuchen mit der uns nicht gut gesonnen Person zu reden, welches uns zunächst nicht gelingt. Und weil wir wissen, dass die Chinesen sehr neugierige Leute sind, versuchen wir es mit einem Trick. Wir packen unseren Laptop aus und fangen an darauf zu schreiben. Ein Minute später sitzt der Mann neben uns und will schauen was wir denn so alles auf diesem Gerät hätten. Und nun ist der Bann gebrochen, er steht auf, kocht Schaffleisch, füllt einen grossen Teller und isst mit uns zusammen Schaffleisch (welches wir überhaupt nicht lieben!) und serviert dazu einen Wodka ähnlichen Schnaps. Nach paar Fleischbrocken und paar Gläser dieses Getränkes sind wir froh, heute nicht mehr Radfahren zu müssen. Wir hätten es womöglich nicht geschafft… ! Am darauf folgenden Morgen, die Sonne scheint bereits in unser Zelt, verabschieden wir uns dankend. Die Fahrt geht fliegend Richtung Hami unserem Etappenziel zu. Wir haben heute zur Abwechslung mal Rückenwind! Eingangs Hami erwischt es mich schon wieder. Wieder mal platten am Fahrrad. Wir pumpen und hoffen, ein Hotel zu finden bevor die Luft wieder draussen ist. Wir müssen 5-mal pumpen! Das erste Hotel will uns nicht, das Zweite ist besetzt, erst beim Dritten klappt es. Wir bleiben hier einen Ruhetag lang, bevor es weiter geht Richtung Chinesische Mauer, welche noch 600 km von uns entfernt ist.